Chiphersteller beklagt Zwangs-Drosselung: Qualcomm schießt gegen Apple zurück

Nachdem Apple in den USA eine Klage gegen den Chiphersteller Qualcomm eingereicht hat, schlägt dieser nun mit einer Gegenklage zurück, die pikante Details zur Partnerschaft der beiden Unternehmen und dem Innenleben des iPhone 7 ans Licht bringt.

Laut Qualcomm hat Apple das Modem im iPhone 7 künstlich ausgebremst
(Foto: Olivier Le Moal - Fotolia)

Mit seiner neuen Strategie, sich unabhängiger von Zulieferern zu machen, handelt sich Apple derzeit einigen Ärger mit langjährigen Hardware-Partnern ein. Erst vor kurzem hatte die Ankündigung, künftig eigene Grafikchips bauen zu wollen, den bisherigen Technologie-Lieferanten Imagination heftig erzürnt, der Apple das dafür notwendige Know-how absprach und deshalb Ideenklau befürchtet. Jetzt hat sich Apple gleich noch mit dem erheblich größeren Chip-Giganten Qualcomm verkracht, dessen Produkte und Technologien vom Modem bis hin zum SoC derzeit in fast jedem Smartphone stecken. In den USA hat Apple eine Klage vor einem Bezirksgericht in Südkalifornien eingereicht, in dem das Unternehmen Qualcomm vorwirft, überhöhte Lizenzgebühren für die Nutzung seiner Patente zu verlangen. Zudem berechne Qualcomm von Apple auch Gebühren für Technologien, auf die man gar keine Patente besitze, wie beispielsweise den TouchID-Fingerabdruckscanner sowie Bauteile für Kameras, führte Apple-Chef Tim Cook die Vorwürfe weiter aus.

Das will Qualcomm nicht auf sich sitzen lassen und hat nun mit einer Gegenklage reagiert. Während die von Apple vorgebrachten Anschuldigungen darin erwartungsgemäß als unwahr zurückgewiesen werden, wartet das entsprechende Schriftstück des Weiteren jedoch mit einigen überraschenden Details aus der Partnerschaft auf, die den Streit nun erst richtig eskalieren lassen. So beschwert sich Qualcomm etwa, von Apple in den letzten Jahren in mehrfacher Hinsicht unbotmäßig unter Druck gesetzt worden zu sein. Unter anderem soll Apple etwa versucht haben, Einfluss auf Qualcomm bezüglich der Partnerschaften mit konkurrierenden Unternehmen im Smartphone-Markt auszuüben. Darüber hinaus soll Apple Unwahrheiten über Qualcomm und seine Produkte verbreitet haben, um den Hersteller in Misskredit zu bringen und Klagen anderer Hersteller vor Kontrollbehörden und Kartellämtern zu befeuern.

Ein besonders interessantes Detail aus dem fast 140 Seiten langen Qualcomm-Dossier widmet sich den unterschiedlichen Hardware-Ausstattungsvarianten der iPhone-Modelle 7 und 7 Plus. Um die Abhängigkeit von Qualcomm zu reduzieren, hatte Apple einen Teil der Smartphones mit einem Modem-Chip von Intel produziert. Damit jedoch alle Geräte in etwa die gleiche Leistung haben, musste Apple laut der Klageschrift die entsprechenden Qualcomm-Chips künstlich drosseln und einige High-Performance-Funktionen abschalten. Nach eigenen Angaben wurde Qualcomm damit einhergehend dazu gezwungen, sich nicht zu dieser Maßnahme und den danach laut Labortests noch verbleibenden Leistungsunterschieden von bis zu 30 Prozent zum Konkurrenzprodukt von Intel zu äußern.

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