Samsung legt Bericht vor: Das waren die Ursachen für die Note 7-Brände

In seinem abschließenden Untersuchungsbericht kommt Samsung zu dem Schluss, dass insgesamt drei verschiedene Probleme mit den Akkus für die Brände von Galaxy Note 7 Phablets verantwortlich waren.

(Foto: Samsung)

Samsung hat seine Untersuchungen zu den Selbstentzündungen von rund 50 Galaxy Note 7 im vergangenen Jahr abgeschlossen. Rund 700 Experten und Gutachter von Samsung selbst und externen Stellen wie dem TÜV Rheinland haben dazu in den letzten Monaten über 200.000 der Geräte sowie 30.000 Akkus intensiv untersucht. Wenig überraschend kamen sie dabei zu dem Fazit, dass alleine der Akku für die Probleme verantwortlich war. Andere Ursachen im Hardwaredesign oder der Software konnten demnach nicht gefunden werden. Allerdings lag der Fehler laut Samsung nicht ausschließlich in einem zu eng bemessenen Ausdehnungsraum für den Akku, wie dies bereits vorab von mehreren unabhängigen Experten beschrieben worden war. Dieser Umstand war Samsung zufolge lediglich bei der ersten Charge der Hauptauslöser für Entzündungen des Akkus unter der Einwirkung von Druck und Hitze. Weiter verschärft wurde das Problem laut dem Hersteller zudem durch falsch platzierte Kathoden, also Minuspole, innerhalb der Akkus. Dadurch habe sich die Gefahr von Kurzschlüssen, die dann die fatale Kettenreaktion in Gang setzten, weiter erhöht.

Wie Samsung weiter ausführt, habe man diese Probleme jedoch nach den ersten Vorfällen frühzeitig erkannt, das Akkudesign entsprechend geändert und einen neuen Hersteller mit der Produktion beauftragt. Allerdings waren auch diese neuen, in den Austauschgeräten verbauten Akkus, mit einem gravierenden Mangel behaftet. Im Untersuchungsbericht wird ausgeführt, dass bei ihnen die Anoden scharfe Grate aufwiesen, wodurch die Isolierung beschädigt werden konnte. Auch wenn das Ergebnis das gleiche war, hatten die Kurzschlüsse und Brände in den Austauschgeräten demnach eine andere Ursache. Obwohl das auf einen Produktionsfehler des Herstellers zurückzuführen ist, nimmt Samsung die Verantwortung komplett auf die eigenen Schultern und gesteht eigenes Versagen ein, »die Probleme beim Batteriedesign und Produktionsprozess vor der Markteinführung des Galaxy Note 7 zu erkennen«.

Um sicherzustellen, dass etwas Ähnliches nicht erneut passiert, habe man als Konsequenz aus den Erkenntnissen verschiedene Korrekturmaßnahmen in der Qualitätssicherung und beim Testen von Geräten eingeführt, verspricht das Unternehmen nun. Diese verschärften Kontrollmaßnahmen könnten auch der Grund dafür sein, dass der Launch des neuen Flaggschiffs Galaxy S8 auf nach dem Mobile World Congress (MWC) verschoben wurde (siehe: Kein Galaxy S8 auf dem MWC). Insgesamt hat das Debakel Samsung nach eigenen Angaben fast fünfeinhalb Milliarden Dollar gekostet. Viel schlimmer noch ist jedoch der Imageschaden durch die Verunsicherung bei den Kunden. Diesen will Samsung nun mit der großen Offenheit bei der Benennung der Fehler zumindest in Teilen wieder gut machen und das verlorene Vertrauen zurückgewinnen.

Kommentare (1) Alle Kommentare

Antwort von PC-Flüsterer Bremen , 14:49 Uhr

Der wahre Grund für das Akku-Debakel waren völlig unrealistische Design-Vorgaben. Die Geschäftsführung (der Chef wurde gerade verhaftet) fordert aus Marketing-Erwägungen eine Leistungsdichte, die mit heutigen technischen Möglichkeiten nicht realisierbar ist. Die Entwickler wagen nicht, zu widersprechen und auf die physikalischen Grenzen hinzuweisen. Stattdessen entwickeln sie einen Akku, der gefährlich nahe an instabilen Betriebszuständen gefahren werden muss. Die Folgen haben wir erlebt. Niemand kann zaubern, nicht die Samsung-Ingenieure bei der Leistungsdichte der Akkus, und nicht die Motorenentwickler bei VW und anderen bei der Emission ihrer Motoren.