US-Insolvenz nach Chapter 11-Regelung: Das bedeutet die Avaya-Pleite

Die Gerüchte kursierten bereits seit Wochen, jetzt steht fest: Der Telekommunikationsriese Avaya plant eine Restrukturierung nach Chapter 11. Was bedeutet das für Partner in Deutschland?

Avaya-CEO Kevin Kennedy
(Foto: Avaya)

Schon seit Wochen wurde über eine mögliche Pleite des US-Netzwerk- und Kommunikationsanbieters Avaya spekuliert (CRN berichtete). Mit der offiziellen Anmeldung der Insolvenz nach US-Recht (»Chapter 11«) haben sich die Gerüchte nun bewahrheitet.

Droht Avaya nun das Ende? Nein. Das Chapter 11-Verfahrens entspricht einer beaufsichtigten Insolvenz. Während der Dauer der Insolvenz dürfen Gläubiger nicht versuchen, ihre Forderungen geltend zu machen, es sei denn über das Insolvenzgericht. Bei dieser Regelung versucht das Unternehmen, weiterhin geschäftstätig zu bleiben und sich dadurch aus der Insolvenz zu retten. Ein Unternehmen, das nach Chapter 11 Insolvenz beantragt, strebt eine Reorganisierung und Restrukturierung seiner Schulden, Leasingvereinbarungen, Kontrakte, sowie seines Kapitals und anderweitiger finanzieller Verpflichtungen an.

»Wir haben bezüglich unserer Kapitalstruktur verschiedene Alternativen geprüft und sind der Ansicht, dass eine Restrukturierung nach Chapter 11 derzeit der beste Weg ist«, erläutert Avaya-CEO Kevin Kennedy. Die Reduzierung der Schuldenlast in diesem Prozess sei die beste Alternative, um künftig wieder erfolgreich zu sein, unterstrich der CEO. Avaya hat einen Schuldenberg in Höhe von rund sechs Milliarden Dollar angehäuft.

Müssen jetzt auch deutsche Partner mit Zahlungs- oder Lieferproblemen rechnen? Die ausländischen Niederlassungen des TK-Anbieters sind von dem Insolvenzantrag nicht direkt betroffen. Die Auslandsniederlassungen sollen wie gewohnt operieren, heißt es in einer Mitteilung von Avaya. Allerdings: Die Insolvenz in den USA kann die Beziehungen des Unternehmens zu Geschäftspartnern und Kunden negativ beeinflussen. Hiesige Partner, die im Projektgeschäft tätig sind, dürften es jetzt schwerer haben, sich gegen die Konkurrenz zu behaupten.

Wird Avaya jetzt filetiert? Ein Verkauf oder eine Aufgabe von Unternehmensteilen ist sicherlich nicht ausgeschlossen. Allerdings gab der Konzern bekannt, dass er seine Call-Center-Software nicht verkaufen will. Ein Verkauf würde sowohl den Kunden als auch den Aktionären keinen Mehrwert bieten, so die Begründung. Zuletzt war über einen Verkauf der Sparte spekuliert worden, weil er mehrere Milliarden Dollar in die leere Avaya-Kasse spülen könnte. Avaya befindet sich seit 2006 im Besitz der Investmentunternehmen Silver Lake Partners und Texas Pacific Group.

Was bedeutet die Insolvenz für die Branche? Deutlich wird: Die Konsolidierung in der Telekommunikationsbranche schreitet voran. Im Zeitalter softwarebasierter Lösungen sind kleinere, schlank aufgestellte TK-Anbieter oft im Vorteil. Zwar besitzen Marktriesen wie Cisco, Avaya, Unify oder Alcatel-Lucent einen ungleich höheren Marktanteil. Aber all diese Unternehmen beschäftigen auch einen umfangreichen Mitarbeiterstab. So zählt Avaya weltweit noch rund 13.000 Mitarbeiter. Zum Vergleich: Unify beschäftigt aktuell rund 5.600 Angestellte.

Avaya war einer der Sponsoren der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Die starke Präsenz von Avaya am deutschen Markt rührt von der Übernahme des deutschen Telekommunikationsunternehmens Tenovis im Jahr 2004 her.