Kopfnuss: Reichtum: So gelingt es ohne Gier

Statt die ständigen die Pilotenstreiks voller Neid zu verurteilen, sollte die Gesellschaft lieber aus ihnen lernen - zum vermehrten Wohle Aller.

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Friede den Cockpits: Endlich hat die Lufthansa den jahrelangen Streit beendet und einem Tarifvertrag zugestimmt. »Das Grundgehalt eines Lufthansa-Piloten nach 23 Jahren Betriebszugehörigkeit steigt von 255.000 Euro auf knapp über eine Million. Die Gehälter für alle anderen Piloten werden im ersten Schritt ebenfalls vervierfacht«, sagt Schlichterin Sahra Wagenknecht und merkt an: Der Tarifabschluss habe Vorbildcharakter. »Orientieren sich alle Branche daran, wird uns die enorm wachsende Kaufkraft auf unabsehbare Zeit zur stärksten Volkswirtschaft der Welt machen«, kommentiert die Politikerin die makroökonomische Dimension dieses Leuchtturm-Abschlusses.

Als erster deutscher Konzern ist die Lufthansa einen beherzten Schritt gegangen, der von namhaften Ökonomen wie Wagenknecht, aber auch von Notenbankchefs, Arbeitgeberverbänden und neuerdings sogar von Finanzminister Schäuble allen Unternehmen empfohlen wird. Man muss Märkte und Menschen nur mit hinreichend viel Geld fluten, um den Konsum anzuheizen und so letztlich das Wirtschaftswachstum, die Staatseinnahmen und die Unternehmensgewinne zu erhöhen. Sogar der bissigste Lobbyverband der Arbeitgeber, die INSM (Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft), findet lobende Worte. Bislang ist dieser Propagandastab des Kapitals eher dadurch aufgefallen, dass er den Untergang des Abendlandes vorhersagte, wenn staatliche Transferleistungen an Harz IV-Empfänger und Rentner weiter so üppig fließen würden wie bisher. Jetzt gibt eine Kampagne wertvolle Tipps, wie Chefs die neue Geldschwemme in Gang setzen sollen. »Fangen Sie beim Ausschütten des Füllhorns immer erst ganz oben an, also bei Ihrem eigenen Salär. Denn Ihre im Umgang mit großen Summen weniger souverän hantierenden Arbeitnehmer würden sonst heillos überfordert«, heißt es in einem der CRN-Kopfnuss vertraulich zugespielten Ratgeber für den neuen Ökonomie-Populismus.

Logistische Vorbereitungen laufen bereits auf Hochtouren: Gelddruckmaschinen so groß wie Braunkohlebagger sind unterwegs zur EZB nach Frankfurt, erste Lohnbuchhalter sitzen schon vor 84-Zoll-Bildschirmen, um die endlosen Zahlenreihen einer Gehaltsabrechnung ganzheitlich im Blick zu haben, Potenzen sind die neuen Prozente, mit denen Statistiker Lohnsteigerungen, Unternehmensgewinne, Staatseinnahmen und das Wirtschaftswachstum ab sofort verkünden. Nur Sahra Wagenknechts Buch »Reichtum ohne Gier« verkauft sich übrigens schlecht. Kein Mensch will es unter den Gabentisch legen, Piloten schon gleich gar nicht.