Umstellung mit Abstrichen: Telekom verliert zehn Prozent der ehemaligen ISDN-Kunden

Vergangenes Jahr hat die Deutsche Telekom begonnen, Kunden zum Wechsel auf IP-Anschlüsse aufzufordern, oder ihnen zu kündigen, sollten sie den neuen Vertrag ablehnen. Mittlerweile hat der Netzbetreiber eine erste Gewichtung bekanntgegeben.

Die Telekom treibt die All-IP-Umstellung voran
(Foto: Deutsche Telekom)

Rund 17.000 Schreiben hat die Deutsche Telekom im Mai des vergangenen Jahres an ihre Kunden geschickt. Diese enthielten die Aufforderung zum Vertragswechsel und damit zu IP-basierten Anschlüssen, oder eine Kündigungsdrohung, sollte der Kunde mit dem Umstieg nicht einverstanden sein. Jetzt hat der Bonner Netzbetreiber erstmals Zahlen genannt, wie die Gewichtung zwischen Wechsel und Kündigung ausfällt. Demnach hätten von den 17.000 angeschriebenen Kunden rund 90 Prozent den neuen Bedingungen zugestimmt, wie das Unternehmen gegenüber CRN bestätigte. Zehn Prozent der Angeschriebenen sollen hingegen abgelehnt und damit die Kündigung gewählt haben.

Sollte sich diese Quote bis zum Abschluss der Umstellung halten, könnten 30.000 der etwa 300.000 bisherigen ISDN-Kunden der Telekom zu anderen Betreibern wechseln. Das Unternehmen zeigt sich unterdessen mit dem Ergebnis aber durchaus zufrieden und hatte zuvor mit einer höheren Kündigungsrate gerechnet. Wie ein Telekom-Sprecher erklärte, ist es normal, dass im Schnitt sechs Prozent der Kunden nach Vertragende kündigen. Der konkrete Verlust soll damit bei vier Prozent liegen.

Weitere Schreiben

Seit Mai hat der Bonner Netzbetreiber schon zahlreiche weitere Kunden angeschrieben und sie zum Wechsel aufgefordert. Wie Betroffene gegenüber CRN erklärten, trafen ohne weiteren Kontakt einige Wochen später die Kündigungen ein. Allerdings handelt es sich bisher ausschließlich um Privatanschlüsse, mit Geschäftskunden will die Telekom individuelle Lösungen finden. Jedoch kann es gerade für Kleinunternehmer zu Übergangskomplikationen kommen, sollten diese den privaten Anschluss auch beruflich nutzen.

Unterdessen hat der lokale Provider M-net erklärt, ISDN-Anschlüsse für Geschäftskunden bis 2020 unterstützen zu wollen. »ISDN ist für viele unserer Kunden nach wie vor die wesentliche Zugangstechnologie für den Sprachdienst. Dementsprechend halten wir auch an ISDN fest«, sagt Jens Prautzsch, Vorsitzender der M-net Geschäftsführung und fügt dem hinzu. »Aber wie bei anderen Technologien auch, sind wir hierbei vom Support unserer Zulieferer abhängig - beispielsweise um sicherheitsrelevante Updates einspielen zu können.« Diese Lieferanten hätten M-net jedoch zugesichert, ISDN bis mindestens 2020 zu unterstützen. Die Deutsche Telekom will hingegen bis 2018 das komplette Festnetz auf VoIP umstellen.

Kommentare (7) Alle Kommentare

Antwort von Dieter , 20:08 Uhr

Habe auf ip telefonie umgestellt, bin jetzt schon 5 Wochen nicht mehr telefonisch erreichbar. Welch eine Ruhe abends Zuhause!

Antwort von Uwe Kraus , 12:17 Uhr

Unter Einbeziehung von externen Partnern, die in der Lage sind eine Umstellung auf IP, besonders in Umgebungen mit Telefonanlagen (bei ISDN meist der Fall) sinnvoll durchzuführen, wäre es ja vernünftig zu bewerkstelligen.

Allerdings bekommen dann die Kunden einen instabilen Speedport mit irgendeinen wackeligen ISDN Adapter (soll ja schließlich nichts kosten). Das Ganze bringt dann so 10-20 Unterbrechungen pro Monat, oft auch zur Geschäftszeit.

1. Muss das Netz stabiler werden (SIP Server zuverlässiger und nicht ständig überlastet) oftmals können sich Voip-Accounts nicht registrieren.

2. Stabile und Zuverlässige Hardware auf Kundenseite

3. Diese unqualifizierten Telefontanten sollten nicht so aggressiv verkaufen, sondern die Kunden beraten und auf Partner verweisen die ihnen eine gut funktionierende IP-Telefonanlage installieren können. Mit den paar Technikern die sich die Telekom noch leistet ist das nicht zu bewerkstelligen.

Das sinnvollste wäre eine Anbindung der Kunden über Glasfaser und dort eine Liberalisierung, so das der Kunde frei den Anbieter wählen könnte. Damit wäre sogar möglich das man sich verschiedene Dienste von unterschiedlichen Anbietern holt.

Aber genau deswegen wird der Glasfaserausbau massiv behindert.

Zum Thema Service: Der Kundenservice der Telekom ist schlecht, selbst bei der Hotline hat man ständig Wartezeiten von 10-20 Minuten. Aber leider ist der Service der anderen Anbieter noch viel schlechter. Es scheint so als ob sich alle ein Rennen und den Titel "Schlechtester Service" bemühen.

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Antwort von Peter Lustig , 13:08 Uhr

Nun ja- Sie sprechen da ein Thema an vor dem sich die Telekom wissentlich seit Jahren drückt: Das verdrillen von Adern genügt den heutigen Standards nicht.

Streng genommen müsste jede Muffe geöffnet und neu verdrahtet werden. Und dies in der kompletten Republik. Dann doch lieber Qualitätseinbußen hin nehmen und mit Phantasie- Bandbreiten werben- vielleicht merkt es ja niemand.

Antwort von Mr. IP , 11:14 Uhr

Eigentlich wäre ja in den meisten Fällen die Umstellung sicherlich nützlich und sinnvoll.

Eigentlich --- wenn's denn funktionieren würde. Das tut es aber leider nicht. Ich sehe ja an den vielen erfolglosen wiedereinwählversuchen in meinem DSL-Protokoll, was mir blühen würde, wenn ich mit der bestehenden Infrastruktur telefonieren müsste.

Auch nervt die völlig unqualifizierte Anruferei der wirklich völlig ahnungslosen "Umstiegs-Verkäufer", denen teiweise wirklich nur noch mit Hinweise auf die bestehende Unterlassungsaufforderung und die daraus resultierenden Konsequenzen beizukommen ist.

Also, liebe Telekom:

BRINGT ERST MAL EUER IP-NETZ VERNÜNFTIG (UND VOR ALLEM ZUVERLÄSSIG!) ZUM LAUFEN.

DANN mache ich gerne Umstiegspläne mit euch. Aber erst dann.

Und wegen der 90% "bleibenden" Kunden. Könnte der Wettbewerb auch Call-by-call oder zumindestens "vernünftige" bzw. marktgerechte Tarife für Telefonate in die Mobilfunknetze oder ins Ausland anbieten, dann würde wahrscheinlich mehr als die Hälfte der Kunden Lebewohl sagen.

Leider ist selbst der bescheidene Service der Telekom immer noch um Klassen besser als der zumindest der meisten überregionalen Anbieter. Wer einmal mit "Null&Null" telefonieren musste weiss, wovon ich hier schreibe…

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Antwort von Karl S. , 19:30 Uhr

Auch ich kann von nervenden Werbeanrufen berichten, die die Telekom derzeit tätigt.

Bei den provisionsbasiert arbeitenden, sogenannten Kundenservice-Leuten der Telekom gebe ich mich grundsätzlich nie als der Anschlussinhaber aus, sollte ich mal versehentlich abheben. Ich teile dann freundlich mit, der Anschlussinhaber ist heute außer Haus, ich bin nur sein Bruder/bester Freund, der auf die Kinder aufpasst etc. - sie sollen bitte ein andermal nochmals anrufen.

Dann machen sie keine Probleme und sind auch nicht so aufdringlich.

Sofort danach sperre ich die Rufnummer des Callcenters (wird in der Anrufliste ja angezeigt) in meiner ISDN-Anlage. Zum Glück können die aufgrund gesetzlicher Vorgaben nicht anonym mit unterdrückter Nummer anrufen.

Bei verdächtigen Nummern lieber mal nicht ans Telefon gehen, sondern die Nummer erst in Google abchecken, wer dahinter steckt. Ist in Foren etc. von Callcenter und Werbung usw. die Rede, wird die Nummer in der Anlage umgehend gesperrt.

Die eigentliche, echte Umstellungsaufforderung mit Kündigungsdrohung besteht aus mehreren Briefen, habe ich gehört/gelesen. Beim ersten Brief würde ich auch noch nicht tätig werden, erst beim zweiten würde ich überhaupt reagieren - aber wenn dann würde ich auch den Anbieter wechseln.

Denn im Gegensatz zu anderen Anbietern hat die Telekom VoIP nicht im Griff. Interessant ist auch, dass Telekomkunden nur eine einzige IP-Adresse für Telefonie und Internet haben!

An meinem anderen Anschluss habe ich einen anderen Anbieter (mit zwei gleichen Zahlen im Namen, dazwischen ein "und"…) - und bei diesem einen wirklich stabilen VoIP-Anschluss - mit GETRENNTEN IP-Adressen für Telefonie und Surfen! Und sogar Faxen klappt hervorragend…!

Grüße

Karl