Praxistest Heimvernetzung:
Das sind die fünf besten NAS-Systeme

von magnus.de

09.05.2012

Ob Filme, Fotos, Musik, oder andere Dateien: Netzwerkfestplatten sorgen dafür, dass alles stets dort griffbereit ist, wo es gebraucht wird. Wir stellen Ihnen fünf der besten NAS-Boxen aus den zahlreichen aktuellen Tests unserer Schwesterzeitschrift PCgo vor.

Ein NAS (Network Attached Storage) ist das richtige Gerät für Sie, wenn sich Ihre Daten auf zig Geräte und Medien verteilen und Sie immer wieder zu Fuß auf die Suche nach einzelnen Dateien gehen müssen. NAS sind – vereinfacht ausgedrückt – die Luxusversion der externen Festplatte. Sie werden aber nicht per USB mit einem einzigen PC verbunden, sondern per Netzwerkanschluss mit dem Router, zum Beispiel einer Fritz!Box. So stehen die auf dem NAS gespeicherten Daten allen Nutzern zur Verfügung. Über Zugriffsrechte regeln Sie, welche Mitbewohner bzw. Kollegen auf welche Daten zugreifen dürfen. Diese Grundfunktionen zählen zum Leistungsumfang jedes NAS.

Mittlerweile überbieten sich die verschiedenen Hersteller gegenseitig, wenn es darum geht, ihre Geräte mit zusätzlichen Funktionen schmackhaft zu machen. Ein Beispiel hierfür ist die immer häufiger anzutreffende Media Server-Funktion. Diese bereitet auf dem NAS gespeicherte Videos, Musik und Fotos so auf, dass sie sich auf kompatiblen Streaming Clients und netzwerkfähigen Fernsehern abspielen lassen.

Tipp: Auswahl der passenden Netzwerk-Festplatte

Bei der Auswahl eines NAS sollten Sie zuallererst darauf achten, dass es genügend Speicherplatz für alle Ihre Daten bietet. Flexibel sind Sie, wenn das NAS ohne Festplatten geliefert wird. Dann können Sie selbst durch Auswahl geeigneter Laufwerke über die Größe des Speicherplatzes bestimmen. Einige Hersteller weisen in Kompatibilitätslisten darauf hin, welche Festplatten sich mit ihren NAS vertragen. Diesen Ratschlägen sollten Sie unbedingt folgen. Überprüfen Sie außerdem, welche Zusatzfunktionen die für Sie interessanten NAS anbieten. Lassen Sie sich dabei nicht von der Flut der Möglichkeiten beeindrucken. Nicht zuletzt spielt auch der Energieverbrauch des NAS sowie der darin verbauten Festplatten eine Rolle.

Testsieger und Alternativlösung

Unser Testsieger, das Synology DS211j, ist ein typischer Vertreter der unteren NAS-Mittelklasse. Es bietet zwei Festplatteneinschübe und dadurch mehr Flexibilität als die Geräte der Einsteigerklasse, die jeweils nur eine Festplatte aufnehmen. "Flexibilität" bedeutet hier nicht nur "mehr Speicherplatz“, sondern zum Beispiel auch die Möglichkeit zu so genanntem "Disk Mirroring". Dabei spiegelt das NAS den Inhalt der ersten Festplatte automatisch auf die zweite Festplatte und beugt so den Folgen des Ausfalls eines Laufwerks vor.

Das Synology DS211j gefällt mit einem gut verarbeiteten Gehäuse und einer funktionalen Bedienoberfläche mit integrierter Online-Hilfe und verschiedenen Setup-Assistenten. Ambitionierte Anwender freuen sich über umfangreiche Zusatzfunktionen zur Datensicherung, für Media Server, IP-Kameras und vieles mehr. Auch die Übertragungsgeschwindigkeit liegt mit 81 MB/s lesend sowie 42 MB/s schreibend im oberen Bereich. Wer ein grundsolides NAS sucht, das mehr Spaß macht als ein einfaches "Datengrab", der ist mit dem Synology gut bedient, muss dafür aber auch ein bisschen tiefer in die Tasche greifen.

Zum Testbericht: Synology DS211j

Alternative: Western Digital My Book Live

Das Western Digital My Book Live kostet ähnlich viel wie unser Testsieger von Synology, bietet aber nur einen Festplatteneinschub. Der ist jedoch schon mit einer Festplatte bestückt, so dass Sie das My Book Live direkt in Betrieb nehmen können. Festplatten aussuchen und einbauen: Nicht notwendig!

Das NAS von Western Digital gefällt mit einer aufgeräumten, deutschsprachigen Benutzeroberfläche. Interessant ist die Möglichkeit, via Internet auf die auf dem NAS gespeicherten Daten zuzugreifen. Allerdings verlangt Western Digital dafür nach Ablauf einer 30-tägigen Testphase eine Gebühr. Mit 60 MB/s lesend und 43 MB/s schreibend ist das My Book Live nicht das schnellste NAS, aber für die meisten Anwendungsfälle schnell genug.

Zum Testbericht: Western Digital My Book Live

Platz 1: Synology DS211j (85 Punkte)

Das NAS von Synology zeigt seine Verwandtschaft mit den höherklassigen Profi-Geräten desselben Herstellers schon beim Einbau der Festplatten. Der gelingt dank des solide konstruierten Gehäuses mühelos. Etwas unhandlich: Das aktuelle Betriebssystem des Gerätes mussten wir vom Server des Herstellers herunterladen und installieren.

Die anschließende Einrichtung des Synology NAS gelang uns mühelos, auch weil uns verschiedene Assistenten unter die Arme griffen und weil die Online-Hilfe keine Frage unbeantwortet ließ. Wer von unterwegs auf die auf dem Synology NAS gespeicherten Daten zugreifen möchte, der muss dazu lediglich die entsprechenden Ports seines Routers freigeben. Das ist etwas mühsamer, als ein Online-Service wie der von Western Digital (siehe unten), aber es fällt eben auch keine monatliche Gebühr dafür an.

In der Praxis macht das Synology NAS mit guten Geschwindigkeiten beim Datentransfer auf sich aufmerksam. 81 MB/s lesend und 42 MB/s schreibend sind auch dann schnell genug, wenn das NAS von mehr als nur ein oder zwei Personen gleichzeitig genutzt wird. Gemessen daran, dass das Synology ohne Festplatten geliefert wird, ist es mit seinem Preis von ca. 170 Euro vergleichsweise teuer.

Synology DS211j im Test

Platz 2: Western Digital My Book Live (83 Punkte)

Mit dem My Book Live liefert Festplattenhersteller Western Digital sein eigenes NAS. Das schlug sich in unserem Test insgesamt gut, machte allerdings nach einem Firmware-Update negativ auf sich aufmerksam. Nur durch das Zurücksetzen auf Werkseinstellungen konnten wir das WD anschließend wieder beleben.

Ansonsten erfreute uns das WD mit guten Datentransferraten von 60 MB/s lesend und 43 MB/s schreibend. Dank der aufgeräumten, deutschsprachigen Benutzeroberfläche gehen sowohl das Setup wie auch die tägliche Bedienung leicht von der Hand.

Inklusive einer 1 Terabyte großen Festplatte kostet das NAS günstige 180 Euro. Hinzu kommen gegebenenfalls die Gebühren für den Fernzugriff auf die auf dem NAS gespeicherten Daten.

Western Digital My Book Live im Test

Platz 3: LG N2A2 2TB (82 Punkte)

Das hervorragende Gehäuse des Synology lernten wir spätestens zu schätzen, als wir das NAS von LG mit Festplatten bestücken wollten. Ohne Schraubendreher kommt man bei dessen Gehäuse nämlich nicht weit, ein Komfortmangel, der dem rund 250 Euro teuren Gerät nicht gut zu Gesicht steht.

Beeindruckt waren wir von den Datentransferraten. Das LG lässt in dieser Disziplin alle anderen Testteilnehmer hinter sich. Auch bei der Benutzeroberfläche leistet sich das Gerät keine Schwächen, sondern weist dem Benutzer mit seiner übersichtlichen Oberfläche den rechten Weg. Die Oberfläche funktioniert auch auf Smartphones.

Darüber hinaus bietet das LG interessante Funktionen, wie zum Beispiel das "Selective Mirroring". Mithilfe dieser Funktion lassen sich ausgewählte Verzeichnisse auf die zweite Festplatte spiegeln. So bietet Selective Mirroring die Vorzüge einer Festplattenspiegelung, ohne dass Sie deswegen gleich auf die Hälfte des im NAS verbauten Speicherplatzes verzichten müssen, wie das bei einem normalen Mirroring der Fall wäre.

LG N2A2 im Test

Platz 4: LaCie Network Space V2 1TB (79 Punkte)

Mit seinem in Klavierlack-Optik gehaltenen Gehäuse ist das LaCie ein echter Hingucker. Es integriert zwar nur eine Festplatte, erlaubt dafür aber automatisierte Backups auf einen angeschlossenen USB-Speicher. Auch in der Benutzeroberfläche macht das NAS auf Individuell: Sie können die Web-Oberfläche mittels Widgets so anpassen, dass sie Ihnen optimal in der Hand liegt. So entschädigt das LaCie zumindest in Ansätzen für die fehlende Online-Hilfe.

Wer den Stromverbrauch seines NAS bestmöglich kontrollieren möchte, der wird mit dem LaCie glücklich. Hier können Sie den Start des Schlafmodus ebenso konfigurieren, wie Sie Uhrzeiten für das Aus- und Einschalten vorgeben können. Auch aus dem Tiefschlaf lässt sich das LaCie per Wake-on-LAN aufwecken.

Als im Funktionsumfang leicht kastriert erweist sich der USB-Anschluss des LaCie. Möchten Sie diesen nutzen, um darüber Daten auf das NAS zu kopieren, müssen Sie dafür schon bei der Einrichtung des Gerätes Speicherplatz auf einer eigenen Partition reservieren. Mit einem Preis um 100 Euro liegt das LaCie im unteren Preissegment.

LaCie Network Space V2 im Vergleichstest

Platz 5: Seagate GoFlex Home 3TB (75 Punkte)

Das NAS, das Festplatten-Hersteller Seagate anbietet, sieht ein wenig zusammengewürfelt aus. Es besteht aus einer NAS-Basiseinheit, in die eine 3,5 Zoll GoFlex-Festplatte eingesteckt wird. Der Funktionalität tut die ungewöhnliche Optik aber keinen Abbruch.

Seagate liefert eine Reihe von Tools mit, die die Bedienung des NAS erleichtern. Dazu gehört die Software Dashboard, mit der man die Erstkonfiguration vornimmt. Mithilfe von Memeo Instant Backup lassen sich bequem Datensicherungen von Computern auf das NAS konfigurieren.

Gelungen ist Seagate auch die komfortable Medienverwaltung SeagateShare, zu deren Funktionsumfang ein DLNA-Server zählt. Dank der Fernzugangsfunktion ist der Zugriff auf Daten von unterwegs kein Problem. Er gelingt, ein entsprechendes Gerät vorausgesetzt, sogar vom Smartphone aus.

Beim Lesen von Daten erzielt das NAS eine Geschwindigkeit von 50 MB/s, beim Schreiben immerhin noch 30 MB/s. Der Preis von rund 200 Euro ginge für das GoFlex Home ganz und gar in Ordnung, wäre da nicht die nervige Beschränkung auf maximal fünf Benutzer. Weitere Nutzer erfordern die Buchung eines Premium-Abos.

Seagate GoFlex Home 3TB im Test

Fazit: Auf den zweiten Blick

Auf den ersten Blick ähneln sich NAS wie ein Ei dem anderen. Festplatte drin, Netzwerkkabel dran - fertig. Erst auf den zweiten Blick zeigen sich fundamentale Unterschiede. Das beginnt bei der Zahl der Festplatteneinschübe und erstreckt sich über die Datentransferrate bis hin zum Umfang der Zusatzfunktionen. Negativ fällt auf, dass WD und Seagate versuchen, auch nach dem Verkauf des NAS noch damit Geld zu verdienen, indem sie dem Kunden Zusatzverträge aufbürden für Funktionen, die andere Anbieter ab Werk mitliefern.

Bleibt die Frage: Welches NAS für wen? Das beste Gesamtpaket liefert Synology, wenngleich dieses NAS etwas teurer ist. Das NAS von Western Digital hingegen wartet mit dem besten Preis-/Leistungsverhältnis auf. Legen Sie besonderen Wert auf Geschwindigkeit, dann ist das LG das interessanteste Gerät für Sie. LaCie ist das perfekte Gerät für Energiesparer, die genau festlegen möchten, wann ihr NAS an- und wann es ausgeschaltet sein soll. Im Vergleich mit diesen vier Geräten fällt das Seagate-NAS etwas ab.

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