Praxis: USB-Sticks:
Datenfallen bei USB-Sticks vermeiden

von Lars Bube (lars.bube@crn.de)

21.05.2010

Die praktischen kleinen USB-Sticks sind heute zum universalen Datentransportmittel auch in vielen Unternehmen geworden. Doch bei schlechtem Material oder unsicherer Konfiguration kann es schnell zu bösen Überraschungen und herben Datenverlusten kommen. Sieben Tipps helfen, den richtigen Stick zu finden.

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USB-Sticks sind zum führenden Transportmedium für Daten aller Art geworden. (Bild: Andrey Armyagov, fotolia.de)

Sie sind praktisch, klein und handlich und bieten trotzdem riesige Datenspeicherkapazitäten. Mit diesen Vorzügen ausgestattet, haben sich USB-Sticks in den letzten Jahren zu einem festen Bestandteil des IT-Alltags entwickelt. Sowohl im Privaten wie auch im Geschäftsumfeld werden täglich unglaubliche Datenmengen auf USB-Sticks gespeichert und transportiert, oft bewegen sich die Minispeicher auch beinahe unkontrolliert zwischen diesen Bereichen.

Ohne eine entsprechende Absicherung können so schnell auch sensible Firmendaten mehr oder weniger aus Versehen verschwinden oder in falsche Hände geraten. Aber auch Probleme mit Hard- und Software können schnell einen Datenschaden verursachen. Eines der bekanntesten Beispiele sind hier USB-Sticks, deren Kapazität auch dem System gegenüber falsch angegeben wird, wodurch Daten beim Schreiben und Kopieren darauf verloren gehen können. »Um den USB-Flash-Controller zu überlisten und mehr Speicher an das Betriebssystem zu melden, als tatsächlich vorhanden ist, muss schon ein gewisser Aufwand betrieben werden. Hier wird offensichtlich mit krimineller Energie großer Schaden in Kauf genommen«, kritisiert George Linardatos, Leiter der deutschen Niederlassung des Stick-Herstellers Transcend [1] in Hamburg, solche Methoden mancher Konkurrenten.

Doch auch in anderen Hinsichten unterscheiden sich die praktischen Helferlein teilweise recht deutlich. Für den Einsatz im Unternehmensumfeld sollten darüber hinaus Faktoren wie Geschwindigkeit, Energieverbrauch und die Sicherheit eine Rolle spielen. Denn nicht jeder Stick hält, was er auf den ersten Blick verspricht. Auf den folgenden Seiten haben wir einige Hinweise zusammengefasst, wie sich unter den Sticks solide Arbeitsmittel von faulen Plastikeiern unterscheiden lassen.

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Kapazität und Geschwindigkeit

George Linardatos warnt vor gefährlicher Sparsamkeit bei USB-Sticks und ihrer Absicherung.

1. Kapazität:
Manche USB-Sticks werden so manipuliert, dass dem Nutzer bewusst eine falsche Speichermenge vorgegaukelt wird. Dieser Betrug kann im schlimmsten Fall zu unwiederbringlichen Datenverlusten führen, indem dabei vorhandene Daten mit neuen überschrieben werden.

Bereits vorab helfen Informationen und Bewertungen zu Hersteller, Modell und Verkäufer aus dem Internet meist, Betrüger zu entlarven. Auch bei Sticks kann der Gang zum Fachhändler sich lohnen. Bei bereits gekauften Sticks lässt sich mit diesem Tool [2] der tatsächliche Speicherbedarf ermitteln, um von bösen Daten-Überraschungen verschont zu bleiben. Die gefälschten Sticks können zurückgegeben werden.

2. Die Geschwindigkeit des Datenaustausches:
Beim Datenaustausch spielt die Geschwindigkeit zwischen PC/Laptop und dem USB-Stick eine wichtige Rolle, im Arbeitseinsatz gilt für Geräte klar Zeit ist Geld. Somit kostet ein Stick, der häufig benutzt wird und dabei Verzögerungen verursacht auf Dauer eine Menge Zeit, die durch eine minimal geringere Anfangsinvestition nicht gerechtfertigt ist.

Wichtigster Aspekt ist hier die Lese- und Schreibgeschwindigkeit. Die Lese- ist immer höher als die Schreibgeschwindigkeit. Wenn nur eine Angabe auf der Verpackung zu lesen ist, handelt es sich normalerweise um die (höhere) Lesegeschwindigkeit. Da der Datentransfer bei manchen günstigen Anbietern deutlich länger dauert als bei hochwertigen Produkten, sollte man vor dem Kauf unbedingt nach beiden Geschwindigkeiten fragen.

MLC oder SLC Chip?

auch biometrische Sensoren gehören in der Oberklasse zur Ausstattung. (Bild: Transcend JetFlash220)

3. Chip Chip Hurra:
Solche Unterschiede bei den Datenübertragungsraten rühren von unterschiedlichen Komponenten im Innenleben her, insbesondere der verwendete Flash Chip entscheidet über schnell oder langsam, hungrig oder sparsam.

Je nach den Anforderungen für einen USB-Stick, sollte man sich zwischen den Angeboten mit Single-Level-Cell (SLC) oder Multi-Level-Cell (MLC) NAND Flash Chips entscheiden. Sind die Anschaffungskosten das wichtigste Argument bei der Anschaffung, so ist der MLC-Chip die richtige Wahl. Werden jedoch schnelle Datenübertragungsraten, ein geringerer Stromverbrauch und eine längere Lebensdauer des Sticks gewünscht, so lohnt sich Investition in USB-Sticks mit SLC-Chips.

4. Sicherheitsfragen:
Im Unternehmensumfeld werden USB-Sticks zwar inzwischen genauso selbstverständlich eingesetzt wie im privaten Umfeld, oft auch vermischt miteinander, ohne dass jedoch eine entsprechende Sicherheits-Policy entwickelt und umgesetzt wurde. Ob durch physischen Verlust eines Sticks mit Daten, durch bewussten Diebstahl oder durch nicht autorisiertes kopieren: auch Datenverluste gehen mit USB-Sticks schneller als je zuvor.

Wer wichtige Daten mit seinem USB-Stick transportiert, sollte deshalb darauf achten, dass dieser zumindest über einen passwortgeschützten Sicherheitsbereich verfügt. Damit sind die Dateien bei Verlust oder Diebstahl rudimentär gesichert. Jedoch bleibt zu bedenken, dass kein Passwort absolut sicher ist.

Wesentlich mehr Sicherheit bieten verschlüsselte USB-Sticks, sei es durch bereits enthaltene Software, oder durch externe Programme wie TrueCrypt oder Bitlocker (Windows 7). Manche Anbieter haben darüber hinaus auch Sicks mit einem Fingerabdrucksensor im Angebot. Da sich jedoch auch hier manche Modelle aushebeln lassen, empfiehlt sich dennoch zusätzlich eine Verschlüsselung des Datenträgers zu nutzen.

Auf der anderen Seite muss natürlich von der IT auch eine entsprechende Sperre vorhanden sein, damit nicht wahllos und nicht nachvollziehbar Unternehmensdaten kopiert werden können.

Kompatibilität und Garantie

5. Kompatibilität:
Jeder USB-Stick sollte die aktuellsten Versionen des Betriebssystems »Windows« unterstützen. Meist erkennt man bessere USB-Sticks daran, dass diese zusätzlich auch ältere Betriebssysteme wie Windows 98 SE noch unterstützen. Probleme kann es hier mit weniger verbreiteten Geräten, beispielsweise von Apple, geben. Wenn ein USB-Stick sogar unter Mac OS und Linux läuft, kann man somit relativ sicher sein, Qualität in den Händen zu halten.

6. Zuverlässigkeit und Garantie:
Auch wenn wohl kein Stick je solange im Einsatz bleiben wird, zeigt es doch Vertrauen in die eigenen Produkte und Komponenten, dass manche Hersteller bis zu 30 Jahre Garantie geben. Es lohnt sich also gerade für Unternehmen auch nach den Garantiebedingungen zu Fragen.

7. Kostenloser Mehrwert:
Der Interessierte sollte sich nach den zusätzlichen Features eines USB-Sticks erkundigen. Viele Anbieter verkaufen nur einen »nackten« USB-Stick. Markenhersteller bieten in der Regel dazu noch kostenlosen Mehrwert wie eine auf den jeweiligen USB-Stick angepasste Software, Online-Speicherplatz oder praktische Tools. So bietet beispielsweise die von Transcend beigefügte Software »JetFlash Elite« eine Funktion um Daten auf dem Stick zu komprimieren und verschlüsseln, ein Backup-Tool, eine mobile Email-Lösung und erlaubt es, den Stick als Zugangsschlüssel für einen PC zu konfigurieren.

»Mit USB-Sticks werden heute Informationen weitergegeben, die für die Nutzer oftmals von entscheidender Bedeutung sind. Ob es nun die wichtige Präsentation ist, die sich ausgerechnet im Konferenzraum des Kunden nicht öffnen lässt, die Bewerbungsunterlagen, die sich nicht abrufen lassen, bis zur „zerschossenen" Examenshausarbeit – wer heute bei USB-Sticks sparen will, muss später oft teuer bezahlen.«, warnt Linardatos davor, die möglichen Auswirkungen der kleinen Sticks zu unterschätzen.

[1] http://www.transcend.de/
[2] http://www.heise.de/software/download/h2testw/50539