Wachstumsmarkt Software-Geschäft:
Speichereffizienz: Weniger ist mehr

von Ulrike Garlet (ulrike.garlet@crn.de)

12.05.2010

Der Speichermarkt ist im Umbruch. Während die Hardware-Umsätze stagnieren, ist das Geschäft mit Storage-Software wie auf Wachstumskurs. Auch Systemhäuser können von dem Zukunftsmarkt profitieren, müssen sich aber in Technologien wie Deduplizierung und Thin Provisioning entsprechend weiterbilden.

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IT-Verantwortliche wollen die vorhandene Hardware besser ausnutzen, Bild: Strato

Die Wirtschaftskrise hat im vergangenen Jahr zwar das Umsatzwachstum in vielen Unternehmen deutlich gebremst, nicht allerdings das Datenwachstum. Trotz Rezession ist die Menge an digitalen Informationen 2009 um 62 Prozent auf 800 Milliarden Gigabyte angewachsen. Das hat eine Studie ergeben, die das das Marktforschungsinstitut IDC im Auftrag von EMC durchgeführt hat.

Von dieser Datenexplosion leben die großen Storage-Hersteller dabei bereits seit Jahren recht komfortabel, denn Unternehmenskunden sahen sich quasi gezwungen, in immer neue Speicher-Hardware zu investieren. Sinkende Budgets zwingen IT-Verantwortliche inzwischen aber zum Umdenken: Statt in neue Hardware zu investieren suchen sie nach Wegen, die vorhandenen Speicher besser auszunutzen. »Konsolidierung auf Unified Storage und Technologien wie Snapshot, Deduplizierung, Thin Provisioning und virtuelles Klonen fragen Kunden inzwischen gezielt nach. Diese Maßnahmen reduzieren den Speicherbedarf und lassen sich schnell und einfach in Euro beziffern«, hat etwa Dieter Schmitt, Channelchef des Speicherspezialisten NetApp [1], festgestellt.

Vor allem Deduplizierung und Thin Provisioning finden gerade ihren Weg in die Rechenzentren der Kunden. Insbesondere Deduplizierung weist eine enorme Wachstumskurve auf. Die Technologie beseitigt redundante Daten und speichert nur diejenigen Informationen, die auf dem Speichermedium noch nicht existieren. »Die Kunden sind am Thema Deduplizierung sehr interessiert«, weiß etwa Hans Schramm, Field Product Manager Storage bei Dell [2]. »Die Bereitschaft es in der Praxis einzusetzen, ist allerdings noch etwas verhalten«, schränkt er jedoch ein. Auch in der Thin Provisioning-Technologie sehen Marktexperten hohes Zukunftspotential. »Thin Provisioning könnte mittelfristig noch mehr Potential haben als Deduplizierung«, sagt allerdings Wolfgang Schwab, Senior Advisor für Efficient Infrastructure bei der Experton Group [3]. Thin Provisioning, zu deutsch schlanke Speicherzuweisung, weist den Anwendern mehr Speicherkapazität zu, als im Speichersystem tatsächlich vorgehalten wird. Sobald die vom Server genutzte Kapazität einen bestimmten Schwellenwert überschreitet, wird aus einem vorhandenen Speicherpool freie Kapazität zusätzlich für den Abnehmer bereitgestellt.

Schwierige Zeiten für Hardware-Hersteller

Angesichts wachsender Datenmengen, niedriger Budgets und gesetzlicher Anforderungen an die Langzeitspeicherung und Archivierung dürfte der Wunsch von Unternehmen nach einer besseren Auslastung ihrer Hardware weiter zunehmen. »Da das Datenwachstum weiter unvermindert anhält, die Kunden-Budgets aber knapp sind, wird es hier auch in Zukunft Neu- und Weiterentwicklungen für effizientere Verfahren zur Datenspeicherung geben«, ist sich Mika Kotro, Product Marketing Manager bei EMC [4], sicher. »Aus unserer Sicht wird das stetige Datenwachstum in den nächsten Jahren nicht aufhören und nur mit entsprechenden Technologien beherrschbar sein. Dazu gehören Virtualisierung und Hierarchical Storage Management aber auch Deduplizierung und Archivierung«, sagt auch Oliver Leisering, Practice Leader Information Management & Storage Solutions beim Systemhaus Computacenter [5].

Für Hersteller, die vor allem auf das Geschäft mit Speicher-Hardware ausgerichtet sind, dürfte der Markt schwierig werden. Software-Technologien wie Deduplizierung, Thin Provisioning und Storage-Virtualisierung dagegen sind klar auf dem Vormarsch. Die Hardware bleibt zwar das Grundgerüst, dürfte künftig beim Umsatz aber eher stagnieren. »Wirklich differenzieren kann man sich als Hersteller nur über die Software. Hersteller, die vor allem Hardware anbieten, werden in Zukunft unter Preisdruck geraten «, sagt der Branchenexperte Wolfgang Schwab von der Experton Group.

Storage-Software wird wichtiger

Bei den großen Storage-Herstellern spielt das Software-Geschäft deswegen eine immer wichtigere Rolle. So hat etwa der Storage-Marktführer EMC in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe Software-Spezialisten übernommen. Mit Angeboten wie Deduplizierung, FAST (Fully Automated Storage Tiering) oder auch Virtual Storage hilft EMC den Anwendern, eine höhere Effizienz ihrer Speicherumgebungen zu erreichen. »Mit diesen Technologien werden wir weiterhin den Markt in der Breite adressieren«, sagt Mika Kotro.

Auch NetApp schreibt sich bereits seit längerem das Thema Speichereffizienz auf die Fahnen. Die Unified Storage-Architektur des kalifornischen Speicherherstellers ist dank Multiprotokollfähigkeit und Data Sharing auf Storage-Effizienz ausgelegt. »Wir haben die Architektur und die Software-Funktionen konsequent in Richtung Effizienz weiter entwickelt. Dadurch können wir unseren Kunden garantieren, dass sie 50 Prozent weniger Speicher brauchen, wenn in virtualisierten Umgebungen NetApp statt herkömmlichem Storage zum Einsatz kommt«, erklärt Channelchef Dieter Schmitt.

Auch HP entwickelt im Rahmen seiner »Convereged Infrastructure«-Strategie das Portfolio an Speicher-Hard- und Software weiter. Dazu zählen etwa SAS-, FC- und iSCSI-basierte Speicherarrays zur konsolidierten Datenspeicherung, Datensicherungslösungen mittels Disc-to-Disc- und Bandtechnologie, Backup- und Archivierungssoftware sowie übergreifende Managementlösungen. »Künftig wird die bislang oft getrennte Betrachtung von Speicher, Applikationen, Server und Management stärker von einer Gesamtbetrachtung abgelöst. Beispielsweise erfordert die Virtualisierung im Serverbereich zwangsläufig auch eine konsolidierte viel höher verfügbare Speicherlandschaft«, sagt Ingo Kraft, Business Manager für HPs LeftHand Storage-Lösungen.

Aber auch Systemhäuser stehen vor neuen Herausforderungen - und vor neuen Umsatzmöglichkeiten. Während das Storage-Geschäft früher eine abgegrenzte Welt war, sollten sich Systemhäuser heute mit Servern, Applikationen, Netzwerk, Speicher, Software und Management sowie deren Zusammenspiel auskennen. »Die Servervirtualisierung erfordert, dass auch Vertriebspartner ganzheitliche Lösungen anbieten und umsetzen müssen. Reine Hardwarefeatures, egal ob bei Server oder Speicher, verlieren an Bedeutung. In den Vordergrund tritt viel mehr, wie die Komponenten in einer Lösungsbetrachtung zusammenspielen«, sagt Ingo Kraft von HP. Das bestätigt auch Computacenter. »Es wird es notwendig sein, das Rechenzentrum ganzheitlich zu betrachten. Besonders bei der Optimierung der operativen Aufgaben wird Software im Allgemeinen und Datenmanagement-Software im Speziellen benötigt. Der Kunde erwartet folglich entsprechendes Know-how auf Reseller-Seite«, so Oliver Leisering.

CRN-Interview

Im CRN-Interview erklärt Andreas Bechter, Spezialist für Rechenzentren bei Symantec, mit welchen Technologien Unternehmen versuchen der wachsenden Datenflut Herr zu werden.

CRN: »Stop buying Storage« rät Symantec Unternehmenskunden plakativ: Ist diese Botschaft bei den IT-Verantwortlichen in der Praxis schon angekommen?

Bechter: Die »Stop Buying Storage«-Kampagne haben wir ins Leben gerufen, weil in der Wirtschaftskrise bei vielen Kunden das Bewusstsein gewachsen ist, auf Speichereffizienz zu achten. In der Vergangenheit haben Kunden dagegen oft eher ein neues Disk-Array dazugekauft, weil das einfach ist.

CRN: Die Konjunktur zieht langsam wieder an. Befürchten Sie, dass die Kunden wieder in ihr altes Kaufverhalten zurückfallen?

Bechter: Nein. Nachdem das Bewusstsein bei den IT-Verantwortlichen geweckt ist, gehe ich davon aus, dass sie diesen Weg auch weiter verfolgen. Die Datenmengen nehmen zu. Da kommt irgendwann der Punkt, an dem klassisches Speichern an seine Grenzen stößt.

Bis diese Technologien in großem Stil eingesetzt werden, dürfte es allerdings noch einige Jahre dauern.

CRN: Welche Technologien werden von den Kunden zurzeit am häufigsten nachgefragt?

Bechter: Definitiv Virtualisierung und Deduplizierung. Inzwischen laufen bereits viele Virtualisierungsprojekte. Im Backup-Bereich wird auch Deduplizierung von den Kunden schon nachgefragt. Nachdem beim klassischen Speichern Informationen bis zu 15fach gespeichert werden, ist Deduplizierung gerade für Daten interessant, die über lange Zeit nicht verändert werden.

[1] http://www.netapp.com/de
[2] http://www.dell.de/
[3] http://www.experton-group.de/
[4] http://www.emc2.de/
[5] http://www.computacenter.de/