Zwischen Bundesliga und Kreisklasse:
Thema der Woche: Storage und Mittelstand
Das Datenaufkommen im Mittelstand hat längst Volumen erreicht, die unlängst noch denen von Großkonzernen entsprachen. Die Probleme und Herausforderungen sind aber nur teilweise die gleichen.
(Fortsetzung des Artikels von Seite 4)
Network Computing stellt Ihnen heute ein paar Aussagen von Dell [1], HP [2], IBM [3], Quantum [4] und TIM [5] zum Thema Storage und Mittelstand vor. Diese sind aus einem Storage-Roundtable, zu dem Network Computing eingeladen hatte. Ein Artikel dazu erschien in den »IT-Solutions Storage 3«, S. 36ff.
Dr. Wolfgang von Königslöw, Projekt Development bei TIM Distribution
Dr. Wolfgang von Königslöw, Projekt Development bei TIM Distribution: »Wir haben vor vielen Jahren mit der Speicher-Virtualisierung angefangen. Jetzt geht es in die Richtung Server-, Desktop- und, was besonders wichtig ist, auch File-Virtualisierung. Letztere ist sehr stark im Kommen. Wer heute eine File-Migration ausführt und keine Möglichkeit der File-Virtualisierung nutzen kann, der hat es schon schwer.«
Jürgen Schelbert, Produktmanager Storage bei Dell: »Der Mittelstand hat viele Technologien noch nicht mangels Kenntnis oder Beratung eingeführt. Aber er ist immer mehr gezwungen, neue Dinge einzuführen, um seine Datenmengen effizienter zu verwalten. Ganz wichtig ist das Thema Infrastruktur. Wir sehen, dass die Iscsi-Technologie gerade im Mittelstand sehr gut angenommen wird. Ich treffe immer wieder auf Kunden, die noch direkt angeschlossenen Speicher haben. Mittlerweile besitzen sie diverse Server mit verschiedenen Storage-Systemen und scheuen bis jetzt eine Konsolidierung. Hierfür sind Kosten, aber auch die Komplexität verantwortlich.«
Peter Gottwalz, Manager Storage-Growth bei Hewlett-Packard
Peter Gottwalz, Manager Storage-Growth bei Hewlett-Packard: Mittelständer sollten sich gerade im Kontext von Backup & Recovery mit Datendeduplizierung und Backup-to-Disk auseinandersetzen. Beide Technologien reduzierten das zu speichernde Datenvolumen und verkürzten die Backup- und Restore-Zeiten signifikant: »ein wirklicher Mehrwert, auch für den Mittelstand. Weitere Themen für diesen sind Archivierung, Backup-Recovery-Optimierung sowie das Protokoll SMB 2, das mit Vista Einzug gehalten hat. Es verbessert die Client-Kommunikation im LAN & WAN.«
Frank Herold, Manager Presales & Consulting CEE bei Quantum: »Ich bringe die Erwartungshaltung der Kunden und der Partner an uns Anbieter auf den Punkt: Der Trend geht heute in allen Storage-Bereichen zur Vereinfachung der einzelnen Produkte.« Es gehe um »die Lösungsvereinfachung für den Partner und für den Kunden. Daran müssen wir noch arbeiten. Hier muss sicherlich auch die Standardisierung Einzug halten. Da sind wir mit einigen Insellösungen heute schon angekommen, aber noch nicht in der breiten Masse.«
Benedikt Braun, Produktmarketing bei IBM Deutschland
Benedikt Braun, Produktmarketing bei IBM Deutschland: »Was bislang relativ wenig beachtet wurde, sind die rechtlichen Aspekte in der IT, insbesondere beim Thema Archivierung, Compliance und der elektronischen Steuerprüfung.« Hier seien etwa das HGB (Handelsgesetzbuch), GDPdU (Grundsätze zum Datenzugriff und zur Prüfbarkeit digitaler Unterlagen) und GoBS (Grundsätze ordnungsmäßiger DV-gestützter Buchführungssysteme) relevant. »Dabei steht zum Teil der Geschäftsführer mit persönlicher Haftung hinter diesen Vorschriften. Das ist wohl oft ein schwarzes Loch für Mittelständler. Es gibt nur wenige Experten für IT-Recht, und die sind hier gefragt.«
Dr. Wolfgang von Königslöw: Ein zentrales Problem sei das Data-Handling: Dieses müsse natürlich immer in Bezug auf die Geschäftsanforderungen gesehen werden. »Denn die IT ist kein Selbstzweck, sie muss immer irgendwelche Anforderungen erfüllen. Wenn wir das berücksichtigen, dann können wir auch eine passende Lösung umsetzen.«
Frank Herold, Manager Presales & Consulting CEE bei Quantum
Herold: Beim Mittelstand gebe es ein Manko im Bereich der Prozess- und der Datenklassifikation: »Dieser ist sich natürlich im Klaren darüber, dass IT-Systeme die Geschäftsprozesse abbilden und unterstützen sollen. Allerdings kennt er die betrieblichen Prozessanforderungen und deren maßgebliche Zielsetzungen wie die Service-Level-Agreements zu wenig.« Deshalb sei es zu schwierig für ihn, »die technischen Parameter für seine Backup-Lösung festzulegen.«
Braun: Die Probleme variierten bei mittelständischen Unternehmen stark: »Zum Teil fehlen wirklich existenzielle Dinge. Das kann mal ein nicht vorhandenes Backup-Konzept sein oder es sind die rechtliche Aspekte , die nicht beachtet wurden. Es kommt auch vor, dass es ein ganz gutes Konzept gibt.« Ein genauerer Blick zeige dann etwa aber, »dass wichtige Komponenten nicht redundant ausgelegt wurden. Es kommt darauf an, auf jedes Detail zu achten. Es fehlt oft wirklich an Basisdingen. Diese individuellen Defizite herauszufinden, ist Aufgabe der entsprechenden Berater.«
Jürgen Schelbert, Produktmanager Storage bei Dell
Schelbert: Zwei Themen seien ihm besonders wichtig: »Einmal die Konsolidierung der Infrastruktur und natürlich auch die Datensicherung. Da sehe ich noch einige Defizite, insbesondere beim Mittelstand.«
Gottwalz: »Im Mittelstand gibt es sicherlich die IT-Bundesliga genauso wie IT- Kreisklasse, das hängt wirklich ganz stark vom einzelnen Unternehmen ab.« Beim Thema Compliance fehle es sehr häufig am grundsätzlich notwendigen Bewusstsein: »Was sich verbirgt sich dahinter und welche Konsequenzen kann das haben. Ein Thema, bei dem ich häufig Handlungsbedarf und Chancen sehe, ist die Verbesserung der Infrastruktur. Da kommen viele Themen und Technologien in Frage: Datendeduplikation oder Virtualisierung, aber auch das Thema Services spielt sicher eine Rolle.«
[1] http://www.dell.de
[2] http://www.hewlett-packard.de
[3] http://www.ibm.de
[4] http://www.quantum.com/de/
[5] http://www.tim.de/tim/Default.aspx
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