Disk-Backup kann Bandarchiv nicht ersetzen:
Thema der Woche: Disk-Backup versus Bandarchive, Teil 2

von Werner Veith (werner.veith@networkcomputing.de)

14.07.2008

Disk-Backup ist fast Standard in Unternehmen. Das Bewusstsein für eine ordentliche Archivierung scheint aber auf der Strecke geblieben zu sein. Oft meint der Anwender, Backup ersetze Archivierung.

(Fortsetzung des Artikels von Seite 3)

Gesetzliche Regeln zwingen Firmen zum Umdenken und handeln, denn in Kosteneffizienz, Lagerfähigkeit und Langlebigkeit sticht das Band die Festplatten aus. Network Computing stellte Gingcom [1], Hewlett-Packard [2], Overland [3], Starline [4] und TIM Storage Solutions [5] fünf Fragen.

Lesen jetzt den zweiten Teil der Antworten. Die ersten Antworten finden Sie hier [6].

Network Computing: Wo sehen Sie aktuell die Probleme bei den Datensicherungsstrategien kleiner und mittelständischer Unternehmen?


Bernd Widmaier, Director Sales bei Starline Computer

Bernd Widmaier, Director Sales bei Starline Computer: »Das erste Problem zeigt sich darin, dass Datensicherung immer noch zu wenig beachtet wird. Die zu sichernden Kapazitäten sind meist auch so groß, dass ein vernünftiges Backup-Konzept realisiert werden müsste. Oft werden diese aus finanziellen Gründen dann schnell verworfen. Im Prinzip müssen Dinge wie schnelles Restore der Daten ebenso umgesetzt werden wie eine sehr gut auslagerbare Datensicherung.

Ingo Kraft, Business-Manager Storage-Solutions bei HP: »KMUs (kleine und mittelständische Unternehmen) haben häufig heterogene Systeme. Sicherungen beschränken sich vielfach auf einzelne Server oder Kopien von Datenbereichen auf unterschiedlichen Medien. Dabei wird vernachlässigt, dass das Sichern einzelner Dateien oder Verzeichnisse nicht mit einem Backup- und Restore-Konzept gleichzusetzen ist. Speziell die Wiederherstellung im Schadensfall wird oft sträflich vernachlässigt.«

Network Computing: Welche Bedeutung haben Disk-Backup und Virtual-Tape-Library-Szenerien? Beides wird von Herstellern und Medien diskutiert, auch vom Anwender?


Stefan Walliser, Leiter Vertrieb bei Gingcom

Stefan Walliser, Leiter Vertrieb bei Gingcom: »Herkömmliche Lösungen können die beschriebenen Probleme meist nicht abdecken. Disk-Backups und VTLs (Virtuell-Tape-Library) werden in der Tat bei Kunden eingesetzt. Die Vorteile in den Bereichen Backup-Performance und Recovery-Time-Objective-Zeiten (RTO) liegen auf der Hand. Bei uns im Unternehmen setzen wir auf ein mehrstufiges, automatsiches Konzept mit Disk und Tape, kombiniert mit modernen Verfahren wie Deduplizierung, NCDP und Indizierung.«

Guido Ockenfels, Teamleiter Consulting bei TIM Storage Solutions: »Backup-to-Disk in allen Varianten, auch VTL, stellt mittlerweile die beste Methode dar, Backups zu erstellen, unabhängig von den notwendigen hohen Durchsatzraten der aktuellen Bandlaufwerke. Dabei taucht die Frage für den Anwender die Frage auf, wie er dieses neue Bandlaufwerk dazubringt, dass es als Streamer arbeitet. Dieser Zusammenhang ist inzwischen auch den meisten Usern bewusst.«

Network Computing: Werden Backups auch zur Archivierung missbraucht? Wo liegt der Fehler?


Thomas Störr, Sales-Director Central-Europe bei Overland Storage

Thomas Störr, Sales-Director Central-Europe bei Overland Storage: »Es besteht immer noch Verwechslungsgefahr. Backups sind kurzfristige Notfall-Kopien, die wahrscheinlich nie gebraucht werden. Unternehmen sollten aber die Daten nicht nur sichern, sondern auch die sorgfältig archivieren. Sie müssen diese vielleicht viele Jahre später schnell finden und vorlegen. Diese Information in Tausenden von Backup-Dateien zu suchen, wäre ein langwieriger und kein zuverlässiger Prozess.«

Walliser: »Backup ist die Datensicherung für den Fall des Datenverlustes. Backups länger aufzubewahren, ist keine Archivierung. Dies bedeutet eine langfristige, ordnungsgemäße Datenaufbewahrung. Dabei sind sowohl gesetzliche als auch innerbetriebliche Regeln und Vorschriften zu beachten. Der Prozess umfasst den gesamten Lebenszyklus einer Information. Durch die Komplexität scheuen viele Firmen jedoch vor Archivierungsprojekten zurück.«

Network Computing: Welchen Einfluss haben die in den letzten Jahren verschärften gesetzlichen Vorgaben auf das Archivierungsverhalten der Unternehmen?


Ingo Kraft, Business-Manager Storage-Solutions bei HP

Kraft: »Kleinere Unternehmen werden sich langsam der Bedeutung solcher rechtlicher Vorgaben für ihr Geschäft bewusst. Da dieses Kundensegment sehr preisbewußt ist, verlangen sie besonders kostengünstige Ansätze. Wir adressieren dies mit Lösungen, die genau darauf zugeschnitten sind und verzeichnen mittlerweile eine stetig wachsende Nachfrage.«

Störr: »Unternehmen werden dazu gezwungen, sich mit der langfristigen Datenaufbewahrung auseinander zu setzen. Compliance ist zu einem der wichtigsten Themen in der deutschen Wirtschaft geworden. Wir sehen ein verstärktes Interesse an unseren Tape-Lösungen für Archivierungszwecke. Bei den wachsenden Mengen an Daten, die archiviert werden müssen, stellt das Band die eindeutig kostengünstigste Methode dar.«

Network Computing: Disksysteme liegen mit angestammten Archivierungslösungen in einem harten Wettbewerb. Wie sehen Sie hier die Entwicklung in den kommenden Jahren?


Guido Ockenfels, Teamleiter Consulting bei TIM Storage Solutions

Ockenfels: »WORM-fähige (Write-Once-Read-Many) Disksysteme werden in den nächsten Jahren eine größere Rolle bei der Langzeitarchivierung spielen. Themen wie Medienauslagerung und Langzeitzuverlässigkeit sind dabei noch nicht endgültig gelöst. Gründe dafür liegen im sinkenden Preis und im Einsatz neuer Technologien wie Deduplizierung oder Solid-State-Disk. Tape und optische Medien werden beispielsweise für Auslagerungen allerdings ihren Wert behalten.«

Widmaier: »Durch Sata-Festplatten wird ein Kostenvorteil erreicht, der trotz steigenden Tape-Kapazitäten weiterhin bestehen bleibt. Anwender vergessen dadurch die klassischen Vorteile von Band- oder kombinierter Technik. Wir sehen aber das steigende Bewusstsein für Themen wie Auslagerung der Daten, standortübergreifende Speicherkonzepte oder I-SCSI. So wächst die Nachfrage nach I-SCSI-Lösungen.«

[1] http://www.gingcom.de/
[2] http://welcome.hp.com/country/de/de/welcome.html
[3] http://www.overlandstorage.com/german/
[4] http://www.starline.de/
[5] http://www.tim.de/tim/Default.aspx
[6] thema-der-woche-disk-backup-versus-bandarchive-teil-1/

Verwandte Artikel