Disk-Backup kann Bandarchiv nicht ersetzen:
Thema der Woche: Disk-Backup versus Bandarchive, Teil 1

von Werner Veith (werner.veith@networkcomputing.de)

07.07.2008

Disk-Backup ist fast Standard in Unternehmen. Das Bewusstsein für eine ordentliche Archivierung scheint aber auf der Strecke geblieben zu sein. Oft meint der Anwender, Backup ersetze Archivierung.

Gesetzliche Regeln zwingen Firmen zum Umdenken und handeln, denn in Kosteneffizienz, Lagerfähigkeit und Langlebigkeit sticht das Band die Festplatten aus. Network Computing stellte Gingcom [1], Hewlett-Packard [2], Overland [3], Starline [4] und TIM Storage Solution [5] fünf Fragen. Lesen im Teil 1 die ersten Antworten. Die restlichen folgen dann im zweiten Teil.

Network Computing: Wo sehen Sie aktuell die Probleme bei den Datensicherungsstrategien kleiner und mittelständischer Unternehmen?


Stefan Walliser, Leiter Vertrieb bei Gingcom

Stefan Walliser, Leiter Vertrieb bei Gingcom: »Die Probleme im SMB-Markt (Small- and Medium-Business) in Bezug auf Datensicherung haben sich aus unserer Sicht im Jahr 2007 kaum verändert. Durch steigende Datenvolumen und virtualisierte Serverlösungen haben sie sich nur verschärft. Dinge wie der Wegfall von Backup-Zeitfenstern oder steigende Verfügbarkeitsanforderungen sind Herausforderungen für die IT-Leiter. Dazu gehört auch der Bedarf an schnelleren Wiederanlaufverfahren und Gewährleistung von Datenintegrität.«

Guido Ockenfels, Teamleiter Consulting bei TIM Storage Solutions: »Viele KMUs (kleine und mittelständische Unternehmen) betreiben das Thema Backup immer noch ohne Konzept. Sie nutzen die vorhandene Hard- und Software nicht vollständig aus. Dadurch wird eine schlechte Produktivität und ein großes Ausfallrisiko in Kauf genommen, was erst nach einem Datenverlust erkannt wird. Außerdem kommen – auch bei KMUs – höhere Anforderungen an die Datensicherheit wie die Auslagerung hinzu, die aktuell nicht zufriedenstellend erfüllt werden.«

Network Computing: Welche Bedeutung haben Disk-Backup und Virtual-Tape-Library-Szenarios? Beides wird von Herstellern und Medien diskutiert, auch vom Anwender?


Thomas Störr, Sales-Director Central-Europe bei Overland Storage

Thomas Störr, Sales-Director Central-Europe bei Overland Storage: »VTLs (Virtual-Tape-Library) sind eine sehr gute Lösung für Unternehmen, die Tape nicht ganz ablösen wollen beziehungsweise eine komplette Umstellung auf Disk scheuen. Im Betriebssystem unserer REO-Produkte ist eine kostenlose VTL-Funktion enthalten. Wir schätzen allerdings, dass bisher nur rund 30 Prozent der Installationen diese einsetzen. Da ist noch sehr viel Potenzial da.«

Bernd Widmaier, Director Sales bei Starline Computer: »Meist ergibt sich dies aus wirtschaftlichen Überlegungen. Heutige Plattensysteme schneiden bei rein finanzieller Betrachtung der Lösung immer besser ab als Bandroboter. Wir müssen den Händlern und die wiederum den Kunden Vor- und Nachteile erläutern. Ideal ist ein zweistufiges Backup, da Tapes, vor allem was lange Aufbewahrung angeht, die bessere Technik sind und sich in der Regel auch leichter auslagern lassen.«

Network Computing: Werden Backups auch zur Archivierung missbraucht? Wo liegt der Fehler?


Guido Ockenfels, Teamleiter Consulting bei TIM Storage Solutions

Ockenfels: »Gerade bei KMUs wird das Backup auch zur Archivierung genutzt. Probleme ergeben sich hier aus den mangelnden Möglichkeiten, Daten gezielt wiederherzustellen und zu finden. Zudem werden gesetzliche Vorgaben an die Archivierung nicht erfüllt, selbst wenn für die Backups WORM-Medien (Write-Once-Read-Many) eingesetzt werden. Es existieren aber gerade für kleinere Firmen mittlerweile Lösungen, die Backup und Archivierung kombinieren können.«

Ingo Kraft, Business-Manager Storage-Solutions bei HP: »Auch hier gilt es wieder ,die Begriffe zu definieren und die wirklichen Anforderungen zu kennen. Gerade bei Band und CD/DVD-Sicherungen gehen viele Nutzer davon aus, dass die Aufbewahrung solcher Medien auch eine Form von Archivierung ist. Vorgaben wie die GDPdU (Grundsätze zum Datenzugriff und zur Prüfbarkeit digitaler Unterlagen) erfordern, dass man gezielt Daten suchen und finden kann. Das wäre bei solchen Datensammlungen nur mit großem personellen und zeitlichen Aufwand möglich.«

Network Computing: Welchen Einfluss haben die in den letzten Jahren verschärften gesetzlichen Vorgaben auf das Archivierungsverhalten der Unternehmen?


Bernd Widmaier, Director Sales bei Starline Computer

Widmaier: »Generell müssen sie sich einfach mehr Gedanken machen, wie sie die Daten archivieren. Diese sollen auch in zehn, 20 oder noch mehr Jahren noch lesbar sein. Das Thema Archivierung ist für viele Unternehmen komplett neu und nur an ganz wenigen Stellen schon wirklich umgesetzt.«

Walliser: »Viele Firmen beschäftigen sich nun mit Archivierung. Die verschärften Vorgaben sind Motor für die Aufklärung und die Entwicklung von Lösungen. Das bekannteste Segment ist die E-Mail-Archivierung, welche nur einen Bruchteil der Archivierung abdeckt. In der Vergangenheit lag der Fokus auf strukturierten Daten, während zunehmend auch unstrukturierte Daten in die Konzepte mit einfließen. Auch hierfür bieten wir ein Produkt.«

Network Computing: Disksysteme liegen mit angestammten Archivierungslösungen in einem harten Wettbewerb. Wie sehen Sie hier die Entwicklung in den kommenden Jahren?


Ingo Kraft, Business-Manager Storage-Solutions bei HP

Kraft: »Die Entwicklung geht dahin, traditionelle Disk-Systeme künftig für Archivierungszwecke mit einzubinden. So gibt es beispielsweise für die All-in-One-Storage-Systeme mittlerweile E-Mail-Archivierungs-Lösungen, die speziell auf KMUs zugeschnitten sind. Derartige Systeme werden somit für Kundensegmente interessant, die sich bislang aus Kosten und/oder Komplexitätsgründen nicht damit beschäftigt haben.«

Störr: »Disk-Systeme mit intelligenter Software werden für Archivierung vor allem in großen Unternehmen immer beliebter: Sie sind bei Performance, Skalierbarkeit und Administration optischen Systemen deutlich überlegen. Außerdem bieten sie eine langfristige Lesbarkeit ohne Migrationsaufwand. Sie sind aber in der Regel kostspielig und für KMUs kaum rentabel. Hier und auch für Desaster-Recovery in großen Unternehmen bleibt Tape das beste Medium.«

[1] http://www.gingcom.de/
[2] http://welcome.hp.com/country/de/de/welcome.html
[3] http://www.overlandstorage.com/german/
[4] http://www.starline.de/
[5] http://www.tim.de/tim/Default.aspx