Einzug von Backup-to-Disk:
Thema der Woche: Backup - Teil 1: Stand der Dinge

von Werner Veith (werner.veith@networkcomputing.de), Engelbert Hörmannsdorfer

16.06.2008

Backups sind eines der essenziellen IT-Aufgaben im Unternehmen. Mittlerweile ist es aber nicht mehr allein die klassische Speicherung auf Tapes. Eine bunte Mischung findet sich in den Firmen wieder.

Network Computing hat sich mit verschiedenen Firmen aus dem Storage-Bereich über die aktuelle Situation bei Backups in den Unternehmen unterhalten. Lesen im ersten Teil die Statements von CA, Falconstor, Fast Lane, Fujitsu Siemens Computers, Kroll Intrack Medien, Quantum, Netapp, Symantec, TIM und Transtec.

Im zweiten Teil folgen dann CA, Fast Lane, Quantum, Symantec, TIM und Transtec Aussagen zur Frage von Compliance. Von Falconstor, Fujitsu Siemens Computers, Netapp, Symantec und Transtec gibt es Aussagen zu Recovery.

Schließlich hat Network Computing die Unternehmen zu pragmatischen Ansätzen im Backup-Bereich befragt. Im dritten Teil finden Sie die Antworten von CA, Falconstor, Fast Lane, Fujitsu Siemens Computers, Kroll Intrack Medien, Quantum, Netapp, Symantec und TIM.


Stefan Ehmann, Business-Technology-Mann bei CA

Stefan Ehmann, Business-Technology-Mann bei CA: »Die Bedeutung von Tapes hat sich in der letzten Zeit sicherlich gewandelt. Noch vor fünf Jahren war es das einzige Medium, das ein Anwender hatte, um vernünftige Backups zu machen. Mittlerweile gibt es sehr viele Wahlmöglichkeitn. Wir stellen ganz klar fest, dass sich nun bei den ersten Kunden eine Storage-Hierarchie (Tiering) mit mehren Ebenen aufbaut: Also Backup-Daten in einem ersten Schritt auf eine Virtual-Tape-Library (VTL), auf Backup-to-Disk oder mit CDP-Technologien (Continous-Data-Protection) speichern. Dann erst werden sie in einem zweiten oder dritten Schritt auf Band gesichert. Eigentlich ist Backup heute eine Kombination aus vielen solcher Technologien.«


Guy Berlo, Geschäftsführer Falconstor Software

Guy Berlo, Geschäftsführer Falconstor Software: »Vor allem größere Unternehmen, die über Filialen, Geschäftsstellen oder weitere Standorte verfügen, setzen dort neuerdings vermehrt kleinere VTLs (Virtual-Tape-Library) ein.« Das seien oft Systeme, die nicht mehr als zwei Terabyte Kapazität hätten. »Diese Systeme übermitteln dann die Daten für das eigentliche Backup an das zentrale Rechenzentrum. Der Vorteil ist: Für ein schnelles Recovery in den Außenstellen stehen die Daten dort nach wie vor kostengünstig zur Verfügung. Und keine Sekretärin muss hierbei noch einen Autoloader füttern.«


Wolfgang von Königslöw, Senior-Manager
Projektdevelopment bei TIM

Wolfgang von Königslöw, Senior-Manager Projektdevelopment bei TIM

»Wir trennen Backup und Archivierung noch strikt und betonen: Backup ist keine Archivierung. Bei der Archivierung sind doch heute die unstrukturierten Daten und deren extrem schnelles Wachstum das Hauptproblem. Für die strukturierten Daten gibt es schon gescheite Lösungen.«

Florian Wörndle, Supervisor Data-Recovery-
Engineering bei Kroll Ontrack

Florian Wörndle, Supervisor Data-Recovery-Engineering bei Kroll Ontrack: Wenn bei einem Datenrettungsunternehmen wie Kroll Ontrack Medien landeten, spiele es eigentlich keine Rolle, ob man Archiv- oder Backup-Daten rette. »Interessant ist es aber schon, dass wir immer wieder Bänder oder andere Medien mit zehn Jahre alten Daten bekommen. Sind das jetzt Backup- oder Archivdaten? Der Grund, warum wir sie zum Retten bekommen, ist aber meist der, dass die Laufwerke in den Unternehmen nicht mehr vorhanden sind.«


Detlef Lieb, Senior-Product & Program-Manager
Storage-Systems bei Fujitsu Siemens Computers

Detlef Lieb, Senior-Product & Program-Manager Storage-Systems bei Fujitsu Siemens Computers (FSC): »Ich predige immer wieder: Drei Dinge muss der Storage-Verantwortliche tun: migrieren, migrieren, migrieren – und zwar Medium, Gerät und Format.« Backup und Archiv seien noch getrennte Disziplinen, obwohl sich beides sich zu vermischen scheine. »Zum einen gibt es Unternehmensdaten, die jederzeit schnell verfügbar sein müssen. Zum anderen sind da Daten, die nicht täglich gebraucht werden, aber aus Sicherheits- und Compliance-Gründen lang vorgehalten werden müssen. Erst wenn alle Unternehmensdaten in diese zwei Kategorien eingeteilt sind, lässt sich die passende Speichertechnologie bestimmen.«


Sinisa Susovic, Principal-Sales-Consultant
bei Symantec

Sinisa Susovic, Principal-Sales-Consultant bei Symantec: Der Tiering-Gedanke sei interessant. »Beispielsweise kann man bei einem Exchange-Server sagen, dass man ein Backup auf Band für eine Wiederherstellungsszenerie in einem Katastrophenfall anlegt. Aber auf Disks erstellt man zunächst einzelne Pools, die sich auch einzeln sichern lassen. Im Fall des Falles muss das Unternehmen dann nicht mehr sofort einen 100 Gigabyte großen Exchange-Server wiederherstellen. Stattdessen kann der Administrator erstmal die eigentliche Kommunikation eines Unternehmens schnell wiederherstellen. Hauptsache, der Exchange-Server mit seiner Datenbank ist wieder da. Und danach lassen sich nacheinander ältere Teile der E-Mail-Kommunikation aus der Vergangenheit zurücksichern.«

Frank Herold, Manager Presales und
Consulting Central-Europe bei Quantum

Frank Herold, Manager Presales und Consulting Central-Europe bei Quantum: »Wir sehen heute beim Kunden sehr häufig fest vorgefertigte Meinungen über die Produkte, die er einsetzen möchte. Das sind dann oft abstrakte Diskussionen, ob das nun eine Library, eine VTL (Virtual-Tape-Library) oder Replikation oder Archivierung ist. Wir versuchen deshalb, den Kunden nicht über eine E-Mail-Archivierung anzusprechen, sondern über die Prozesse, die hinter seiner Anwendung und seiner Betriebsführung stehen. Wenn man dann ein gemeinsames Verständnis für die Anforderungen getroffen hat und die Gesamtszenerie betrachtet, dann stellt sich oft heraus, dass die pragmatischste Lösung eine Kombination aus den verschiedenen Technologien ist.« VTLs seien beispielsweise ein modernes Hilfsmittel um ganz bestimmte Sachen zu vereinheitlichen und zu verschlanken. »Aber es ist keine Wunderwaffe für die vielen Anforderungen draußen beim Anwender.«


Robert Hasenstab, Product-Marketing-Manager bei Netapp

Robert Hasenstab, Product-Marketing-Manager bei Netapp: »Man kann in der Tat nicht sagen: Tape-Backup gehört in die eine Ecke und Backup-to-Disk in die andere. Laut Umfragen führen bereits 92 Prozent der Firmen Backup-to-Disk in der einen oder anderen Weise durch. Aber es kommt hierbei sehr auf die Anforderungen an: Geht es nur um Backup? Oder auch um (schnelles) Recovery? Um das Einhalten von Service-Level-Agreements (SLAs)? Und wenn es um virtualisierte Systeme geht, dann ist dort Bandbreite ein ganz großes Thema. Ich denke, das Medium Tape kann man nicht so einfach in die Archiv-Ecke schieben. Es hat weiter seine Berechtigung, je nachdem, wo die Anforderungen liegen. Viele unserer Kunden haben am Ende noch eine Tape-Library. Aber das Thema Kurzzeit-Backup und Recovery wird jetzt über Snapshots auf Disk-Systemen realisiert.«


Steffen Rieber, Product-Manager bei Transtec

Steffen Rieber, Product-Manager bei Transtec: »Das Medium Band wird durch neue Technologien wie Snapshots auf Disk-Systemen sehr gut ergänzt, aber nicht substituiert. Das Verhalten der Anwender ändert sich in der Tat dahingehend, dass Disk-Systeme für ein Kurzzeit-Backup und Restores verwendet werden. Für das klassische Backup wird nach wie vor auf Band geschrieben. Der einzige wesentliche Unterschied zu früher ist bei Kleinstunternehmen wie Handwerkern oder Ärzten festzustellen: Die Backups landen jetzt ausschließlich auf einer Wechselfestplatte, die sie in einen Schrank oder Tresor stellen können.«


Joe Plaschke, Enterprise-Business-Director
bei Fast Lane

Joe Plaschke, Enterprise-Business-Director bei Fast Lane: »Wir beraten und trainieren im Moment große Konzerne in Themen wie Virtual-Tape-Libaries (VTLs) und Spiegelung von Rechenzentren. KMUs (kleine und mittelständische Unternehmen) aber haben häufig nicht diese Infrastruktur. Für die bleibt Band weiterhin eine kostengünstige Möglichkeit der Datensicherung. Unternehmen haben durch die Verwendung von Bändern die Möglichkeit, ihre Daten in einen anderen Raum oder Banksafe sicher auszulagern. Es ist wie eine Art Versicherung: Administratoren haben ein besseres Gefühl, wenn kritische Daten zusätzlich außerhalb gelagert werden können.«