Differenzierte Betrachtung bei Unified-Storage notwendig:
Thema der Woche: Mittelstand mit dem Thema SAN konfrontiert
Storage-Area-Networks (SANs) sind bisher eher eine Domäne der großen Unternehmen gewesen. Doch auch im Mittelstand steigen die Anforderungen an Speicherlösungen. Geht es nun auch für diesen eindeutig in Richtung SAN? Wie soll ein Mittelständler mit diesem Thema umgehen? Network Computing sprach darüber mit Adiva, Gingcom, Hewlett-Packard, Open E und Maxdata.
Network Computing: Unterscheiden sich die Storage-Installationen eines Mittelständlers noch von denen von größeren Unternehmen? Gibt es bevorzugte Architekturen im Mittelstand?
Michael Schwend, Technical-Sales-Manager bei Gingcom
Michael Schwend, Technical-Sales-Manager bei Gingcom [1]: Ganz klar ja. Gerade im Mittelstand ist die IT nicht Selbstzweck, sondern das unterstützende Gerüst für den wesentlich wichtigeren Produktionsbetrieb. Es ist verbreitete Praxis, dass IT-Infrastrukturprojekte zumeist nur dann angegangen werden, wenn die Wachstumsschmerzen ein Handeln absolut zwingend erforderlich machen.
Martin Spiekmann, Produktmanager Storage bei Maxdata International [2]: Die Anforderungen im Mittelstand unterscheiden sich in keiner Weise von denen größerer Unternehmen. Es gibt einen Bedarf nach möglichst hoher Verfügbarkeit. Auch das Streben nach effizienter Auslastung von Ressourcen und die immer kürzeren Backup-Fenster haben längst Einzug in mittelständische IT-Architekturen gehalten. SAN-Systeme auf Basis von FC-Komponenten (Fibre-Channel) sind dabei vorrangige Wahl.
Janusz Bak, CTO bei Open-E [3]: Storage-Lösungen für den Mittelstand unterscheiden sich in drei wesentlichen Aspekten von denen größerer Unternehmen: Kapazität, Verfügbarkeit und Ausbaufähigkeit. Für KMUs (kleine und mittelständische Unternehmen) sind Kapazitäten im Gigabyte- oder einstelligen Terabyte-Bereich in der Regel völlig ausreichend.
Network Computing: In den letzten Jahren haben sich die großen Storage-Hersteller stark auf den Mittelstand fokussiert. Wie kamen Aktionen wie »My first SAN« oder »Simple SAN« beim Kunden an?
Martin Spiekmann, Produktmanager Storage bei Maxdata International
Spiekmann: Kampagnen wie »Simple SAN« von Microsoft haben in Teilen des Mittelstands sicherlich dazu beigetragen, die Hürden für SANs zu nehmen. Es sind nur vermeintlich komplexe Technologien. SANs mit stabilen Technologien sind dadurch stärker und schneller für eine breite Masse zugänglich geworden. Das gilt auch für, hochverfügbare Komponenten wie FC-Switches und HBAs (Host-Bus-Adapters) mit redundanten Datenanbindungen.
Nikolai Stöter, Account-Manager bei Adiva Computertechnologie [4]: Die Reaktion auf diese Einstiegsbundles war eher verhalten. Gerade bei einer Storage-Lösung kommt es darauf an, die Systemlandschaft des Kunden detailliert zu analysieren und den Bedarf zu bestimmen. Das funktioniert bei Standard-Lösungen leider nur in beschränktem Maß. Trotzdem haben diese Bundles im Mittelstandssegment dazu beigetragen, die SAN-Lösung als erschwinglich zu betrachten und in den Fokus zu rücken.
Schwend: Ein Mittelstandsunternehmen wird natürlich genau analysieren, welche Vorteile sich durch eine SAN-Lösung ergeben. Diesen Vorteilen stehen nicht unerhebliche Investitionen in Bezug auf Installation, Betrieb und Wartung gegenüber. Eine weitere Komponente in diesem Entscheidungsprozess, die nicht übersehen werden darf: Kann das Mittelstandsunternehmen sein bestehendes IT-Personal weiterbilden?
Network Computing: Sind neue Applikationen/Anforderungen wie E-Mail-Archivierung schon ein Thema für den Mittelstand? Oder drücken eher ganz klassische Probleme?
Nikolai Stöter, Account-Manager bei Adiva Computertechnologie
Stöter: Gerade E-Mail- und File-Archivierung sind definitiv schon ein Thema des Mittelstands. Die Vorteile einer vernünftigen Archivierungsstrategie wirken sich schon in kleineren Bereichen sehr stark aus. Mit einer gut konzipierten Archivierungslösung lassen sich genau die klassischen Probleme wie Zeitfenster beim Backup (langsame Produktivumgebung) größtenteils lösen.
Bak: Anforderungen wie E-Mail-Archivierung kommen bisher nur sehr selten vom Mittelstand. Die »klassischen« Probleme überwiegen. Dazu zählen beispielsweise die Beschleunigung von Backups und unzureichender Speicherplatz für Sicherungen. NAS- und iSCSI-Systeme (Internet-SCSI) bieten hier einfache und kostengünstige Lösungen.
Ingo Kraft, Senior-Business-Manager Storage-Solutions bei HP [5]: Vielfach suchen Mittelstandskunden eine Lösung für eine ganz spezielle Aufgabenstellung. Sie schauen zuerst nach einem Produkt, das sich scheinbar genau für diesen Zweck eignet. Wir erleben vielfach, dass diese Kunden keine dezidierte IT-Abteilung haben, die sich kontinuierlich mit Storage-Themen und Lösungsansätzen beschäftigt. Somit wird die Problemstellung oft nicht in ihrer Gesamtheit behandelt.
Network Computing: Ist SAN – eventuell über iSCSI – endlich ein Thema für den Mittelstand? Oder wird es eher NAS bleiben?
Ingo Kraft, Senior-Business-Manager Storage-Solutions bei HP
Kraft: SAN ist mittlerweile definitiv ein Thema, das den Mittelstand erreicht hat. Das gilt erst recht im Hinblick auf die stärker gewordene Nutzung von auf Datenbank basierende Geschäftsanwendungen und Virtualisierungsansätzen mit Vmware. Mittelfristig bekommt es auch für den Windows-Server-2008 Bedeutung. Inzwischen gibt es Lösungsansätze, die teilweise beide Aufgabenstellungen – SAN und NAS – in einem einzigen Speichersystem vereinen.
Schwend: Wo immer es auf hohe Verfügbarkeit und Performance ankommt, wird der Einsatz von SANs vorteilhaft sein. Trotzdem muss man genau trennen: Auf der einen Seite steht die interne Rechenszentrumslösung mit einem klar eingegrenztem Einsatzzweck. Auf der anderen Seite gibt es die generelle Anbindung von Arbeitsgruppen oder Abteilungen im Unternehmen. Im Mittelstand bleibt nach unserer Beobachtung deshalb i die klassische Netzwerkinfrastruktur mmer noch die erste Wahl.
Spiekmann: Besonders in IT-Abteilungen des Mittelstands ist das Einsparen von Kosten ein vorrangiges Thema. Für eine möglichst gute Ressourcenauslastung mit reduziertem operativen Aufwand und daher reduzierter TCO ist der Einsatz eines SANs unbedingte Voraussetzung. Das ist unabhängig davon, ob es traditionell auf Basis von Fibre-Channel oder iSCSI eingesetzt wird.
Network Computing: Auf was sollte ein Mittelständler achten, wenn er vor hat, seine Storage-Infrastruktur zu konsolidieren?
Janusz Bak, CTO bei Open-E
Bak: Eine Konsolidierung der Storage-Infrastruktur setzt eine Virtualisierung voraus. In vielen Fällen ist jedoch das nötige Know-how in den Unternehmen nicht vorhanden. So ist beispielsweise häufig nicht klar, dass für File-Sharing mit einem SAN Cluster-Filesysteme nötig sind. Es sollte also Zeit eingeplant werden, um Erfahrungen mit den komplexen Virtualisierungslösungen zu sammeln.
Stöter: Ist das Storage-Array in der Lage, alle Applikation – eventuell auch Cluster – in einem Array abzubilden? Welche Applikationen haben den höchsten Verwaltungsaufwand, Kosten- und Platzbedarf? Wo ist das Wachstum am größten? Welche Applikationen sind absolut überlebenswichtig?
Schwend: Eine Entscheidung wird natürlich von einer ganzen Reihe von Faktoren beeinflusst. Zuvor müssen diese erfasst, deren Veränderung für eine bestimmte Zeit beobachtet und dann bewertet werden. Konkret können beispielsweise neue Technologien dem Mittelständler helfen, seine bestehende Infrastruktur über einen längeren Zeitraum hinweg weiter zu nutzen. Das können Single-Instancing oder Deduplikation sein.
[1] http://www.gingcom.de/
[2] http://www.maxdata.de/
[3] http://www.open-e.de/
[4] http://www.adiva.de/
[5] http://www.hewlett-packard.de/
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