Raschere Unterstützung der Geschäftsprozesse ist gefordert:
Deutsche Unternehmen planen mit Cloud Computing

von Werner Fritsch (wfritsch@weka-fachmedien.de)

02.10.2012

Cloud Computing ist nach einer aktuellen Studie des Marktforschungshauses IDC bei den hiesigen Unternehmen angekommen, wenngleich sich die Nutzungsintensität unterscheidet. Um Inseln zu vermeiden, müssen öffentliche und private Cloud Services mit den vorhandenen IT-Lösungen integriert werden.

(Fortsetzung des Artikels von Seite 1)

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Cloud Computing findet als neues Paradigma seinen Weg in die Unternehmen, Bedenken bei Security und Governance verblassen – das hat eine Befragung unter 284 deutschen Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern ergeben, die das Marktforschungshaus IDC im Sommer 2012 durchgeführt hat.

23 Prozent planen, Cloud Services in so vielen Bereichen wie möglich zu nutzen, 38 Prozent wollen Cloud Services in einigen IT-Bereichen einsetzen. Daraus schließen die IDC-Analysten, dass Cloud Computing hierzulande flächendeckend angekommen sei. Die Nutzungsintensität variiert offenbar, die Unternehmen unterscheiden sich nach Anforderungsprofil und Rahmenbedingungen. In 56 Prozent der befragten Firmen ist Cloud Computing heute Bestandteil der IT-Strategie und bei 34 Prozent sogar der Unternehmensstrategie. Das Prinzip, IT in Gestalt von Services anzubieten, dürfte die IT-Landschaften künftig wesentlich stärker prägen als bisher.

Alle drei Public-Cloud-Spielarten werden von Unternehmen genutzt, wobei SaaS (Software as a Service) mit 35 Prozent am häufigsten zum Einsatz kommt, PaaS (Platform as a Service) beziehen 25 Prozent und IaaS (Infrastructure as a Service) 17 Prozent. Private Clouds in den Ausprägungsformen Inhouse Private Cloud (33 Prozent), Provider Hosted Private Cloud (22 Prozent) und Community Cloud (25 Prozent) gibt es fast genauso häufig wie Public Clouds. Deshalb dürfte sich ein Gemisch verschiedener Bereitstellungsweisen etablieren. Private und Public Cloud Services gilt es den Experten zufolge mit vorhandenen IT-Lösungen zu verbinden, um Inseln zu vermeiden, die die Unterstützung der Geschäftsprozesse behindern würden.

Fortschritte bei Governance und Sicherheit

Wichtig sind den Unternehmen beim Cloud Computing klare Antworten auf Fragen nach Governance und Recht, Datenschutz, Sicherheit und Verwaltung. In der Mehrzahl der Fälle (86 Prozent) haben sich die Unternehmen bereits mit Cloud Governance auseinandergesetzt und entsprechende Aktivitäten eingeleitet. Cloud Governance als Teil der IT-Governance umfasst Organisationsstrukturen, Prozesse und Verantwortlichkeiten, die dafür sorgen, dass die IT und das Cloud Computing die Unternehmensstrategie unterstützen.

Die Unternehmen verfolgen bei der Cloud Governance unterschiedliche Wege: Management (42 Prozent), Prozesse (39 Prozent) oder Richtlinien (24 Prozent). Wie bei anderen IT-Themen gilt IDC zufolge auch hier: zunächst müssen Sachverhalte organisatorisch und prozessual durchdrungen werden, bevor IT-Lösungen sinnvoll eingeführt werden können.

Cloud Computing in seinen verschiedenen Ausprägungen und Bereitstellungsweisen hat Implikationen für die Sicherheit der Informationen und der IT. Sicherheitskonzepte für Clouds werden nach denn Eindrücken von Matthias Zacher, Senior Consultant bei IDC, nach wie vor stark diskutiert, gewinnen aber trotzdem an Reife. Der Befragung zufolge haben jeweils 59 Prozent der IT-Verantwortlichen in Sachen Sicherheit Analysen durchgeführt oder Anforderungen formuliert. Es geht um organisatorische, konzeptionelle und technische Maßnahmen zur Gewährleistung von Integrität, Verfügbarkeit und Vertraulichkeit der Daten. »Sicherheitskonzepte für Cloud Computing verlieren ihren taktischen Charakter und werden Bestandteil umfassender Vorgehensweisen zur IT-Sicherheit«, konstatiert Zacher.

Business-Entscheider gewinnen mehr Einfluss

IT-Verantwortliche sind in fast zwei Drittel der Unternehmen die Initiatoren für Cloud-Lösungen. Doch inzwischen artikulieren der IDC-Studie zufolge Manager in den Fachbereichen immer öfter ihre Anforderungen. So zählt für 29 Prozent der Business-Entscheider die schnelle Implementierung von Lösungen zu den relevanten Faktoren, während dieser Aspekt nur für 16 Prozent der IT-Entscheider wichtig ist. Die Fachbereiche fordern von der IT schnellere und flexiblere Umsetzung neuer Anforderungen, um die geschäftlichen Aufgaben und Abläufe besser zu unterstützen.

Wenn es zu lange dauern würde, warten die Entscheider in den Fachbereichen nicht auf ihre IT-Kollegen: 39 Prozent verwenden Cloud Services für Bürokommunikation, Projektmanagement, Datenbanken oder Collaboration, ohne die IT-Abteilung bei der Beschaffung einzubinden.

(Bildquelle: Fotolia/Imageteam)

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