SaaS für Vertrieb, Marketing und Personalverwaltung:
Salesforce kündigt soziale Features für betriebswirtschaftliche Applikationen an

von Werner Fritsch (wfritsch@weka-fachmedien.de)

25.09.2012

Salesforce-CEO Mark Benioff hat auf seiner Hausmesse wie schon im vergangenen Jahr »Social Business« als dominierendes Thema dargestellt. Soziale Features durchziehen künftig die SaaS-Offerten des kalifornischen Softwareherstellers.

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Mark Benioff, CEO von Salesforce, bei seinem Vortrag auf der Hausmesse Dreamforce 2012 (Foto: Salesforce.com)

Salesforce.com, Vorreiter bei Software as a Service (SaaS), hat mittlerweile mehr zu bieten als Vertriebsunterstützung. Ebenfalls im Portfolio sind Cloud-Angebote für Kundendienst, Marketing, Personalverwaltung, Datenhaltung und Softwareentwicklung. Auf der Hausmesse Dreamforce 2012 vergangene Woche in San Francisco kündigte Salesforce zahlreiche soziale Erweiterungen in diesen Bereichen an. Einmal mehr ist Salesforce damit den On-Premise-Konkurrenten Oracle und SAP, die inzwischen ebenfalls in SaaS-Angebote investieren, einen Schritt voraus. Ein übergreifendes Identity Management soll den Kunden außerdem Single Sign-on ermöglichen.

Vertrieb wird sozial und mobil

Unternehmen, die neben dem direkten auch einen indirekten Vertriebskanal haben, können künftig mit dem Online Angebot Chatter Communities Partner-Portale einrichten. Damit sollen sich Abschlüsse erfassen und Vertriebsinformationen besser nutzen lassen. Die Pilotphase für diese SaaS-Offerte beginnt noch in diesem Herbst, die allgemeine Verfügbarkeit ist für die zweite Hälfte des nächsten Jahres vorgesehen.

Mit Social Key als weiterer Neuheit, die ebenfall in der zweiten Hälfte des Jahres 2013 allgemein nutzbar sein wird, des auch als Sales Cloud bezeichneten Angebots können Informationen aus sozialen Netzwerken mit traditionellen betriebswirtschaftlichen Daten verbunden werden. So sollen Firmen die Beziehungen zu ihren Kunden intensivieren und mehr Geschäft machen, verheißt der Softwareanbieter.

Für die Service Cloud, das Kundendienstangebot, hat Salesforce Chatter Communities for Service angekündigt. Über dieses Portal können ab der zweiten Hälfte des Jahres 2013 Kunden mit Fachleuten im Unternehmen in Kontakt treten. Angekündigt für die zweite Hälfte des kommenden Jahres hat Salesforce ferner die Software Chatterbox, die Dropbox ähnelt und Unternehmen sicheren Dateiaustausch erlauben soll. Auf der Website Chatter.com können Unternehmen seit dem vergangenen Jahr soziale Netzwerke aufbauen, die an Facebook erinnern.

Mit der neuen HTML-5-Technologie Touch schließlich lassen sich künftig Smartphones und Tablets einbeziehen. So können Vertriebsmitarbeiter bei Abschlüssen jederzeit und überall mobil zusammenarbeiten. Außerdem sollen sie auch kurze Pausen für produktive Notizen nutzen oder währenddessen wichtige Präsentationen einsehen. Zugleich sollen sie dadurch mehr Zeit für Kundenkontakt und Verkaufsgespräche bekommen. Für das iPad ist Touch sofort verfügbar, Versionen für iPhone und Android sollen Mitte nächsten Jahres folgen.

Marketing und Personalverwaltung nutzen soziale Netzwerke

Die Marketing Cloud stärkt Salesforce durch die Integration der Zukäufe der Social-Monitoring-Plattform Radian 6 (für 340 Millionen Dollar im März 2011) und der Social-Media-Account-Management-Software Buddy Media (für 689 Millionen Dollar im August 2012). Die Kosten für die Nutzung beginnen bei 5.000 Dollar pro Monat. Im Einzelnen lassen sich dem Hersteller zufolge über 400 Millionen soziale Quellen auswerten, darunter Facebook, LinkedIn, Youtube, Twitter, Online Communites und Blogs. Die Software unterstützt für das sogenannte Social Media Listening 17 Sprachen und ist per iOS App auch mobil verfügbar. Außerdem können Unternehmen jetzt alle Inhalte, die sie etwa auf Webseiten oder sozialen Netzwerken erzeugen, mit sozialen Komponenten anreichern. Dafür gibt es Social Apps etwa für Fotogalerien oder Preisausschreiben und einen einheitlichen Markenauftritt. Ferner können sich Unternehmen mit ihren Kunden sozial vernetzen (Social Engagement), in sozialen Medien Anzeigen schalten und Sponsored Stories platzieren (Social Advertising). Die Wirkung von Kampagnen kann der Community Manager oder der Chief Marketing Officer in einem Dashboard verfolgen (Social Measurement). Salesforce hat seine Partner aufgefordert, die neue Marketing Cloud bekannt zu machen und Kunden zu gewinnen. Offenbar muss dieser Markt erst aufgebaut werden.

Die Ende 2011 durch die Übernahme des Start-ups Rypple erworbene Software zur Personalverwaltung wird im vierten Quartal unter dem Namen Work.com verfügbar sein. Auch hier sind soziale Aspekte wesentlich, im Vordergrund stehen kontinuierliche Rückmeldungen und Belohnungen. Die Personalsoftware ist zu diesem Zweck mit den Salesforce-Clouds für Sales, Service, Marketing und Collaboration (Chatter) integriert. Außerdem gibt es eine Integration des Social Performance Management Layer von Salesforce mit der Personalverwaltungssoftware (Human Capital Management) des SaaS-Anbieters Workday. Belohnungen für besondere Arbeitsleistungen werden durch eine Partnerschaft mit Amazon unterstützt. Die Angestellten sammeln Punkte, die ihnen Vorgesetzte und Kollegen verleihen, und können diese auf dem weltgrößten Online-Marktplatz nach Belieben einlösen. Außerdem sollen sich neue Mitarbeiter mit Work.com schneller einarbeiten lassen.

PaaS auch für Java

Nicht zuletzt eine Neuerung im Bereich Softwareentwicklung und Platform as a Service (PaaS): In der Heroku Cloud, die bislang auf leichtgewichtige Web-Programmiersprachen wie Ruby und Perl ausgerichtet war, können Entwickler künftig auch Java-Anwendungen erstellen. Die Preise für Heroku Enterprise for Java beginnen bei 1.000 Dollar pro Monat und Applikation. Daneben gibt es für ergänzende CRM-Applikationen weiterhin Force.com mit einer proprietären Sprache von Salesforce.