Illegale Softwarekäufe:
Wie Agenturen und Ingenieure Aushilfen ausnutzen

von Elke von Rekowski (rekowski@tellyou.de)

08.08.2012

Viele Schüler und Studenten verdienen sich in der Urlaubszeit mit Aushilfsjobs etwas hinzu. Einige der Arbeitgeber nutzen das schamlos aus: Sie sehen diese Ferienjobber als Quelle illegaler Softwarekäufe.

Zu früh gefreut: Nicht selten werden Werksstudenten nur ausgenutzt, um an günstige Edu-Lizenzen heranzukommen (Foto: ehrenberg-bilder - Fotolia.com).

Die Masche ist einfach: Die Firmen nutzen die Schüler- oder Studentenausweise der jungen Mitarbeiter, um verbilligte Edu-Lizenzen (Lizenzen für Schüler und Lehreinrichtungen) einzukaufen. Vor allem leistungsstarke Grafik- und CAD-Software steht jedes Jahr wieder auf der Einkaufsliste. Dass sich die Unternehmen eines Lizenzbetruges schuldig machen, kümmert die wenigsten, so die BSA. »Es passiert gerade in der Agenturenbranche, in Ingenieurbüros oder aber auch bei Architekten erschreckend häufig, dass Arbeitgeber Edu-Lizenzen einsetzen, die sie sich über ihre Volontäre, Werksstudenten oder Aushilfen besorgt haben. Dabei missbrauchen sie das Abhängigkeitsverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, gerade wenn es sich dabei um junge Menschen am Anfang ihres Berufswegs handelt«, sagt Georg Herrnleben, Senior Director EMEA bei der BSA. Er rät den Betroffenen kritisch nachzufragen, wenn Schüler oder Studentenausweise verlangt werden und gegebenenfalls an die zuständigen Behörden zu wenden.

Laut der BSA liegen Agenturen übrigens bereits seit mehren Jahren vorne, wenn es um Fälle von unlizenzierter Software in deutschen Unternehmen geht. 2011 waren sie mit 14 Prozent aller Fälle auf Rang zwei hinter der Dienstleistungsbranche. Gründe dafür sind die hohen Anforderungen an die Software, die gerade in der Video- und Bildbearbeitung gestellt werden und die deswegen zu hohen IT-Ausgaben in diesem Sektor führen, sowie die hohe Dynamik der Unternehmensentwicklung. Oft werden Arbeitsplätze kurzfristig auf- oder abgebaut, ohne die Lizenzsituation zu bedenken.