Geschäfte bei IT-Dienstleistern wachsen:
Cloud-Projekte kommen ins Rollen

von Werner Fritsch (wfritsch@weka-fachmedien.de)

07.08.2012

Bei IT-Dienstleistern nehmen die Projekte mit Cloud-Technologien zu, die Wachstumsprognosen sind enorm. Die Aktivitäten betreffen meist Private oder Hybrid Clouds und drehen sich um die Erneuerung und den Betrieb der IT von Anwenderunternehmen.

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Bild: Fotolia, Gina Sanders

Die Cloud-Computing-Angebote einschlägiger Hersteller haben an Reife gewonnen, bei den Anwendern ist das Thema inzwischen präsent. IT-Dienstleister bestätigen diesen Megatrend. »Die Zeit des Hypes ist vorbei, die Cloud ist bei den Unternehmen angekommen«, ist sich Tobias Geber-Jauch sicher, der für den britischen IT-Dienstleister Computacenter in Deutschland als Director Solution Architecture and Development sowie CTO Managed Services arbeitet.

In einem weit gefassten Sinn sind mit Cloud Computing alle IT-Leistungen gemeint, die über das Internet erbracht werden. Unterschieden wird zwischen der Nutzung von Rechnern und Speichern (Infrastructure as a Service, IaaS), Entwicklungskapazitäten (Platform as a Service, Paas) sowie Anwendungen (Software as a Service, SaaS). Neben solchen Public Clouds finden Private Clouds vermehrt Interesse, bei denen die unternehmensinternen IT-Ressourcen virtualisiert und den Anwendungen nach Bedarf und möglichst automatisch zugeteilt werden. Die bei Public Clouds übliche Abrechnung nach Verbrauch ist bei Private Clouds bislang selten. Werden Services von Public Clouds eingebunden, spricht man von einer Hybrid Cloud.

Die Cloud-Aktivitäten von Computacenter teilt Geber-Jauch in drei Bereiche ein: Building, Integrating und Providing. In der Rolle als Builder unterstützt der Dienstleister Unternehmen beim Aufbau privater Clouds. Als Integrator macht er SaaS-Angebote in der vorhandenen ITK-Landschaft des Kunden nutzbar. Als Cloud Provider bietet Computacenter vor allem Managed Services an, wobei der Übergang zum traditionellen Outsourcing fließend ist.

»Cloud Computing ist der wichtigste IT-Trend der Zeit«, stimmt Rudolf Hotter ein, COO bei dem Münchner IT-Dienstleister Cancom. Seit zwei Jahren gibt es bei Cancom eine Tochtergesellschaft für Cloud Computing, in der rund 80 Mitarbeiter beschäftigt sind. Unterstützt werden sie bei Bedarf durch weitere Fachkräfte aus dem Konzern, der knapp 2000 Angestellte hat und überwiegend im deutschsprachigen Raum agiert. »Gegenwärtig trägt das Cloud-Geschäft 15 bis 20 Prozent zu unserem Ergebnis bei«, gibt Hotter gegenüber CRN kund. Mittelfristig erwartet er starkes Wachstum in diesem Bereich. Bislang hat Cancom rund 50 Cloud-Projekte durchgeführt, 50 weitere sind in der Pipeline.

Für Hotter gehört zu einer Cloud neben Virtualisierung auf jeden Fall Automatisierung, durch die bei Bedarf IT-Ressourcen für ausgewählte Lasten hinzugenommen werden. Definierendes Merkmal einer Cloud ist für ihn, dass sich unterschiedliche Anwendungen die IT-Ressourcen teilen können. Wichtig sei für einen wirtschaftlichen Betrieb außerdem Standardisierung im Sinn einer Reduzierung der Vielfalt bei Rechnern, Betriebssystemen, Datenbanken und Applikationen.

Renovierung und Betrieb von IT-Infrastrukturen

»Gegenwärtig liegt der Anteil Cloud-basierter Lösungen an unserem Geschäft bei 25 Prozent.« Rudolf Kergaßner, Managing Director Germany, IPSoft (Bild: IPsoft)

Der in New York beheimatete IT-Dienstleister IPsoft hat mit Technologien der Künstlichen Intelligenz eine Plattform entwickelt, die es erlaubt, IT-Landschaften mit einem höheren Automatisierungsgrad als üblich zu betreiben. »56 Prozent der Change Requests können wir ohne menschliche Eingriffe erledigen«, sagt Rudolf Kergaßner, der seit April als Managing Director die deutsche Niederlassung in Frankfurt leitet. Managed Service Providing ist die ursprüngliche Ausrichtung des Unternehmens. Doch Cloud-Projekte nehmen zu: »Gegenwärtig liegt der Anteil Cloud-basierter Lösungen an unserem Geschäft bei 25 Prozent. In zwei Jahren erwarten wir einen Anteil von 40 bis 45 Prozent«, teilt Kergaßner CRN mit.

IPSoft mietet auch Kapazitäten bei Rechenzentrumsanbietern wie Amazon, Colt oder Wusys, um dort die IT von Anwenderunterunternehmen zu hosten. Die Management-Plattform kann als Service aus dem Internet genutzt werden. Doch meist arbeiten die Consultants im Rechenzentrum des Kunden und implementieren dort alles, was nötig ist, um den Anwendern deren IT als Managed Service zu liefern. Vorherrschend sind Private Clouds, der Trend geht zu hybriden Lösungen. Die Einnahmen von IPSoft stammen in erster Linie aus dem Betrieb von Rechenzentrumsinfrastrukturen. Die Kunden sind sowohl Großunternehmen als auch Mittelständler mit einigen hundert Angestellten.

»Wir entwerfen, bauen und betreiben IT-Landschaften«, sagt programmatisch Cancom-Manager Hotter. Angebote aus öffentlichen Clouds werden bei Beratungen und Implementierungen einbezogen. Der Schwerpunkt des IT-Unternehmens liegt jedoch bei privaten Clouds, darauf sind die Dienstleistungen ausgerichtet. Sein Unternehmen unterstütze die Anwender bei der Transformation hin zur Cloud. Um diesen Weg planbar und kalkulierbar zu machen, hat die Firma beispielsweise ein detailliertes Angebot für eine private Desktop Cloud zusammengestellt. Typische Cloud-Projekte haben bei Cancom ein Volumen von zirka 0,5 bis 2,5 Millionen Euro. Bedient wird vor allem der Mittelstand mit 500 bis 10.000 IT-Arbeitsplätzen. Wenn gewünscht, betreibt der Dienstleister die IT des Kunden wahlweise vor Ort, aus der Ferne oder auch im Cancom-Rechenzentrum.

Cloud-Technologien in zahlreichen Anwenderprojekten

»Cloud Computing ist ein Mittel, kein Ziel.« Eberhard Wolff, Architecture and Technology Manager bei Adesso (Bild: Adesso)

Auch für Eberhard Wolff, Architecture and Technology Manager bei dem Dortmunder IT-Dienstleister Adesso, ist Cloud Computing ein strategisches Thema. »Cloud Computing ist ein Mittel, kein Ziel«, betont der Manager jedoch. In den Projekten seines Unternehmens, das den Schwerpunkt bei Anwendungsentwicklung und Beratung hat, heißt der Zweck: Flexibilisierung der IT durch Continuous Deployment. Virtualisierung und darauf aufbauende Werkzeuge sollen es erlauben, Updates für Applikationen schneller und häufiger aufzuspielen, ohne den laufenden Betrieb zu beeinträchtigen. In Private-Cloud-Projekten bei Kunden, wo oft die Technologie von VMware die Basis bildet, sorgen die Adesso-Leute dafür, dass Einstellungen für Anwendungen, Applikationsserver und Datenbanken automatisiert vorgenommen werden. »Softwareentwicklung und Betrieb wachsen zusammen«, kommentiert Wolff.

Niedrigere Kosten und mehr Flexibilität

»Der Reifegrad der Angebote steigt und das Interesse der Kunden wächst.« Steffen Müller, Cloud Service Manager bei Logica (Foto: Logica)

Der britische IT-Dienstleister Logica führt in diesem Jahr zirka 100 Projekte durch, bei denen Cloud-Technologien eine nennenswerte Rolle spielen. Steffen Müller ist dort seit drei Jahren als Cloud Service Manager für das Thema Cloud Computing in Deutschland verantwortlich. »Der Reifegrad der Angebote steigt und das Interesse der Kunden wächst«, urteilt Müller. Wenn es um die Auswahl von Cloud-Technologien geht, halten sich nach seinen Eindrücken viele Anwenderunternehmen an ihre strategischen IT-Lieferanten. Davon profitieren große Anbieter wie Microsoft oder IBM. Vor allem in den IT-Abteilungen spielen langjährige Kundenbindungen eine wesentliche Rolle. »Die Business-Leute probieren eher mal etwas Neues aus«, hat Müller beobachtet.

Die CRM-Software des SaaS-Vorreiters Salesforce.com etwa könne eine Brücke zwischen den IT- und den Fachabteilungen bilden. Einer gewissen Beliebtheit erfreuen sich außerdem die IaaS-Angebote von Amazon. Allerdings gebe es bei IaaS-Lösungen oft Probleme mit I/O-Prozessen, wenn Hochverfügbarkeit benötigt wird – und damit Aufgaben für externe Spezialisten. Nicht alle Applikationen lassen sich ohne weiteres in die Cloud verschieben. Sie im Hinblick darauf anzupassen, ist ebenfalls eine Aufgabe für Dienstleister.

Als Vorteile, die Cloud-Lösungen für die Anwenderunternehmen bringen können, nennt Hotter niedrigere Kosten durch effizientere Auslastung der IT-Ressourcen, höhere Agilität etwa bei der Integration zugekaufter Unternehmen, größere Flexibilität beispielsweise bei der Einführung neuer Applikationen. Als zusätzlichen Treiber sieht er die mobilen Endgeräte, namentlich Smartphones und Tablets. Immer mehr Angestellte in den Fachbereichen wollen damit ihre Unternehmensanwendungen von überall her nutzen, was am besten mit einer zentralisierten IT funktioniert.

Als Referenzkunden nennt der Cancom-Manager den Stuttgarter Automobilzulieferer Mahle. Das Unternehmen hat weltweit betriebswirtschaftliche Anwendungssoftware von SAP im Einsatz, die Server im zentralen Rechenzentrum sind mit Hilfe von Software des Marktführers VMware virtualisiert. Cancom hat für das Unternehmen eine private Desktop Cloud aufgebaut, die mit Hilfe von Virtualisierungssoftware des Herstellers Citrix Zugriff auf die zentralen SAP-Anwendungen erlaubt. Dabei kommt für manche Benutzer ein voller virtueller Desktop zum Einsatz, für andere werden lediglich einzelne Applikationen virtualisiert.

Viel Integrationsbedarf mit der vorhandenen IT

»Die Integrationsmöglichkeiten bei aktuellen SaaS-Lösungen sind begrenzt.« Tobias Geber-Jauch, Director Solution Architecture and Development, Computacenter (Bild: Computacenter)

Beim Aufbau privater Clouds sieht Computacenter-Mitarbeiter Geber-Jauch einen Trend zu Komplettsystemen oder Appliances, die Mainframes vergleichbar sind. Manche Anbieter wie IBM oder Oracle wollen alles aus einer Hand in einem integrierten System liefern, andere wie Cisco arbeiten mit Bausteinen unterschiedlicher Hersteller. Als Vorteil sieht Geber-Jauch, dass sich Anwender viel Detailarbeit ersparen können, um gewünschte Leistungen sicherzustellen. Als Nachteil räumt er eine größere Abhängigkeit vom Hersteller ein. Consultants von Computacenter arbeiten bei Kunden jedenfalls auch weiterhin mit den inzwischen gängigen Virtualisierungstechnologien von VMware, Citrix und Microsoft. Die Einbindung von IT-Management-Software hält er für wichtig.

Um etwa Office 365 einsetzen zu können, müssen Netzwerkzugänge sichergestellt sowie die Benutzerverwaltung und die Service-Prozesse darauf abgestimmt werden. »Die Integrationsmöglichkeiten bei aktuellen SaaS-Lösungen sind begrenzt«, weiß Geber-Jauch. Mit eingeschränkten Wahlmöglichkeiten und strikten Vorgaben können viele Mittelständler leben, aber für Großunternehmen kommt ein solches Angebot bislang kaum in Betracht. Diese erwarten etwa, dass vorhandene Fax-Lösungen und Telefonanlagen integriert werden können.

So ist es auch zu erklären, dass Computacenter als Hoster individueller E-Mail-Lösungen auf Basis von Microsofts Exchange agiert – was Geber-Jauch unter Cloud Providing subsumiert. Computacenter hat auch ein fixes E-Mail-Hosting mit bestimmten Technologien und Service Level Agreements konfiguriert, um selbst Skaleneffekte erzielen zu können.

Enge Zusammenarbeit mit Herstellern

»Wir entwerfen, bauen und betreiben IT-Landschaften.« Rudolf Hotter, COO, Cancom (Bild: Cancom)

Die Zusammenarbeit mit den IT-Herstellern ist für die Dienstleister wesentlich. Cancom-COO Hotter etwa schätzt die Partnerprogramme für das Cloud Computing, denn: »Die Software ist von hoher Komplexität.« Man benötige deshalb viel Knowhow und müsse in den Projekten mit den beteiligten Herstellern »Schulter an Schulter« arbeiten. Zertifizierungen verlangen einerseits die Hersteller, ehe sie umfangreich unterstützen, andererseits helfen sie auch, um Kunden zu gewinnen.

Die weiteren Aussichten sind vielversprechend. Das Marktforschungshaus Experton prognostiziert für den Cloud-Markt im Unternehmensbereich hierzulande für das Jahr 2016 ein Volumen von mehr als zehn Milliarden Euro, rund die Hälfte davon soll auf Integrations- und Beratungsdienstleistungen entfallen. Für dieses Jahr gehen die Analysten von zirka 500 Millionen Euro Dienstleistungsumsatz aus bei einem Marktvolumen von drei Milliarden. Der Branchenverband Bitkom schätzt, dass sich der deutsche Cloud-Markt bis 2016 auf insgesamt zirka 17 Milliarden Euro verdreifachen wird.