Partner implementieren Business-Intelligence-Lösungen:
Datenauswertung ohne Hype

von Werner Fritsch (werner.fritsch@crn.de)

23.01.2012

Die Landschaft der Dienstleister im Business-Intelligence-Umfeld ist vielfältig. Die aktuellen Hype-Themen der Hersteller werden irgendwann auch in der Praxis ankommen, bislang spielen sie in ihren Geschäften allerdings noch keine große Rolle.

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Bild: N-Media-Images, Fotolia

Wenn es um konkrete Lösungen bei Anwenderunternehmen geht, kommen bei Business Intelligence (BI) Beratungsfirmen ins Spiel, die die Produkte der einschlägigen Hersteller gut kennen und implementieren können. Außerdem verfügen sie über betriebswirtschafliches Know-how. Hier finden sich breit aufgestellte internationale IT-Dienstleister ebenso wie mittlere Häuser und kleine, auf ein Land ausgerichtete Spezialisten. Der Weiterverkauf (Reselling) von Lizenzen spielt für diese Unternehmen nur eine marginale Rolle, ihre Einnahmen kommen aus dem Dienstleistungsgeschäft.

Ein Beispiel aus der ersten Gruppe ist der amerikanische Branchenriese CSC. Dieses Unternehmen verspricht potenziellen Kunden, große Datenmengen in komplexen Umgebungen und überschaubaren Zeiträumen in den Griff zu bekommen und für geschäftliche Entscheidungen nutzbar zu machen. »Neue Technologien wie mobile Endgeräte und soziale Medien führen zu einer Datenflut«, sagt Andreas Hufenstuhl, der hierzulande den BI-Bereich von CSC leitet, im Hinblick auf aktuelle Trends. Neben Managern und Controllern gebe es inzwischen außerdem weitere Nutzergruppen. Auf Wunsch werde eine umfassende BI-Strategie aus einer Hand geliefert. Weltweit sind bei CSC rund 3.400 Mitarbeiter im BI-Bereich tätig, der Beitrag zum Gesamtumsatz liegt bei 10 Prozent.

Spezialisten mit Profil

Rainer Unsöld, Prokurist bei Woodmark Consulting

Das in Grasbrunn bei München ansässige Beratungshaus Woodmark gehört zu den kleinen BI-Spezialisten und liegt damit am anderen Ende der Skala. Das Unternehmen beschäftigt etwa 35 Mitarbeiter und erzielte im letzten Geschäftsjahr einen Umsatz von 4,2 Millionen Euro. 95 Prozent des Umsatzes kommen aus dem Consulting, nur 5 Prozent aus dem Lizenzvertrieb. Beraten wird auf Business- und auf IT-Ebene, Ansprechpartner sitzen in den IT- und in den Fachabteilungen. »Wir holen die Kunden dort ab, wo sie sind, und geben ihnen das, was sie wollen«, umreißt Rainer Unsöld, Prokurist bei Woodmark Consulting, die Vorgehensweise. Auch Projektmanagement und Implementierung übernimmt diese Beratungsfirma. Um möglichst nahe an den Kundenwünschen zu bleiben, wird in Projekten die Methode der agilen Softwareentwicklung praktiziert.

Abgedeckt werden bei BI Strategie und Organisation, Analyse, Planung und Steuerung, Datenintegration und -qualität, Architektur und Technologie. Die bei einem Kunden vorhandenen Prozesse und Systeme werden analysiert, Kennzahlen (Key Performance Indicators, KPIs) erarbeitet und vereinheitlicht, Systeme für Berichte und multidimensionale Analysen entworfen und implementiert, ferner Planungsprozesse eingerichtet, Data Warehouses und Data Marts aufgebaut sowie Dashboards realisiert. Als Highlight betrachtet Unsöld die Kompetenz für Multi-Touch-Oberflächen.

Der kleiner Dienstleister Woodmark verspricht ebenso wie der große CSC BI aus einer Hand. Bei den Produkten indes haben die Grasbrunner eine besondere Beziehung zu den Herstellern IBM mit der Cognos- und SAP mit der Business-Objects-Software. Bei IBM ist man Premier und bei SAP Advanced Partner. Für IBM-Software hat Woodmark 45 aktuell gültige Zertifizierungen, Mitarbeiter werden zuweilen auch in Projekten eingesetzt, die IBMs Dienstleistungssparte GBS durchführt. Aber auch Datenbanken von Oracle oder Teradata beherrschen die Experten, ferner Datenintegrationswerkzeuge von Informatica und Talend. Wichtig ist Unsöld, dass die Mitarbeiter über Zertifizierungen im Hinblick auf Herstellerprodukte hinaus sich fachlich, technisch, persönlich und sozial weiterentwickeln können.

Partnerprogramme sehr ähnlich, weiche Faktoren maßgeblich

Nach seiner Meinung sind es meist weiche Faktoren, die die Zusammenarbeit mit einem Hersteller erfolgreich machen. »Ein Partnerprogramm eines Herstellers ist meist nicht wesentlich besser oder schlechter als das eines Mitbewerbers«, sagt er. Worauf es ankomme, sei, wie das Programm von den beteiligten Personen gelebt werde. »Woodmark ist an einer langfristigen Zusammenarbeit interessiert. Wir haben keine Quartals- oder Jahresdenke«, betont Unsöld. Dem steht entgegen, dass Hersteller partnerschaftliche Zusammenarbeit meist nichtsdestoweniger auf der Basis von Zahlen und mit Bezug auf Quartale definieren.

Kompetenz in breiterem Rahmen

Klaus-Dieter Schulze, Senior Executive Manager und Leiter Business Intelligence und Datenmanagement bei Steria Mummert Consulting

In der Größe zwischen Woodmark und CSC liegt das Beratungsunternehmen Steria Mummert. Der Bereich Business Intelligence und Data Management, den Klaus-Dieter Schulze verantwortet, macht dort rund 10 Prozent des Umsatzes aus, der im letzten Geschäftsjahr bei rund 1,7 Milliarden Euro lag. Der Konzern hat seinen Sitz in Paris und gehört zu den zehn größten Systemintegratoren in Europa. Die 2005 übernommene deutsche Firma Mummert hatte hierzulande in Sachen BI einiges Renommee aufgebaut. Zu den Tätigkeiten gehört neben strategischer Beratung auch die Realisierung konkreter Projekte.

Ein wichtiger Trend ist für Schulze Agilität: BI-Lösungen sollen Anwenderunternehmen in die Lage versetzen, relevante Informationen rasch auszuwerten und in Entscheidungen für operatives Agieren zu nutzen. Ein Steuerinstrument, um Ordnung in die Überfülle zu bringen, bilden KPIs. Allerdings ändern sich die Anforderungen rasch, sodass auch die KPIs angepasst werden müssen.

Eine Möglichkeit, Daten zeitnäher auszuwerten, stellt die Datenhaltung im Arbeitsspeicher (in memory) dar. Schulze hat auf diese Technologie, die von diversen Anbietern wie Qliktech, Oracle oder IBM schon viele Jahre verfügbar ist und derzeit vor allem von SAP stark beworben wird, eine pragmatische Sicht: Man sollte diese Technologie, die es natürlich nicht umsonst gibt, nur einsetzen, wenn die dadurch mögliche Beschleunigung von Datenanalysen tatsächlich benötigt wird und geschäftlichen Nutzen bringt.

Neben vergangenheitsbezogenem Reporting und multidimensionaler Analyse (Olap) breitet sich Data Mining aus, um Tendenzen herauszulesen und nach vorne zu schauen. Zurzeit spricht man hier auch von Predictive Analytics.

Noch kaum Projekte mit Big Data

Das gegenwärtig von Herstellern und Analysten in den Blick gerückte Thema Big Data sieht er ebenfalls als Trend. Schließlich ist nicht von der Hand zu weisen, dass die relevanten Datenmengen immer größer werden, aus verschiedenen Quellen einschließlich Weblogs und sozialen Netzwerken kommen und unterschiedliche Strukturen aufweisen. Konzeptionell werden betriebswirtschaftliche Daten aus relationalen Datenbanken, wie sie bei BI normalerweise vorkommen, und textuelle Informationen aus Systemen des Enterprise Content Management (ECM) bereits seit Jahren als Enterprise Information Management (EIM) zusammengefasst. Doch für den Experten und Manager ist dieses Thema noch klar im Hype-Status ohne reales Projektgeschäft. BI und ECM finden bei den Anwenderunternehmen meist in getrennten Projekten statt.

»Data Warehouses sind teuer und der Nutzen ist oft nicht transparent«, sagt Schulze über die Versuche, systematisch möglichst viele Unternehmensdaten in einem Topf zu sammeln. Doch unkoordinierten Datensilos will er auch nicht das Wort reden. Stattdessen plädiert er für »logische Transparenz«. Bei den Kunden habe sich vielerorts eine ganzheitliche und strategische Herangehensweise an die Themen Datenmanagement und BI durchgesetzt. Andererseits konstatiert er: »Quick and dirty kommt wieder in Mode.« Die Fachabteilungen wollen rasch Lösungen bekommen und umgehen deshalb zuweilen die zentralen IT-Abteilungen oder preschen unkoordiniert vor. Bei der von manchen Herstellern propagierten »Self Service BI« glauben sie, tun und lassen zu können, was sie wollen. »Hersteller wie Qlikview und Tibco haben mit diesem Ansatz eine zweite Olap-Welle ausgelöst«, meint Schulze.