Systemmanagement im SaaS-Modell für Partner interessant:
Microsoft erweitert PC-Management-Dienst Windows Intune

von Werner Fritsch (werner.fritsch@crn.de)

24.11.2011

Der Softwarehersteller Microsoft hat seinen SaaS-Dienst Windows Intune zur Verwaltung von PCs um Fähigkeiten zur Softwareverteilung und Fernadministration erweitert. Erste Erfahrungen von Partnern lassen das Angebot interessant erscheinen.

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Microsoft hat bei Windows Intune auf einfache Bedienbarkeit Wert gelegt.

Die Verwaltung von Desktop-PCs sieht sich etlichen Herausforderungen gegenüber: verteilte Standorte, heterogene Umgebungen, variierende Schadsoftware, unterschiedliche Verwaltungstools, lange Bereitstellungszeiten, begrenzte Ressourcen beim Geld und beim Personal, fehlender Überblick über Lizenzen. Als Windows-Eigner ist Microsoft gewissermaßen prädestiniert, hier für Abhilfe zu sorgen.

Mit der Systemmanagement-Produktlinie System Center richtet sich der Hersteller primär an große Unternehmen. Für kleine und mittlere Firmen gibt es das Paket System Center Essentials, mit dem sich bis zu 500 Arbeitsplatzrechner und maximal 50 Server verwalten lassen.

Im März diesen Jahres hat Microsoft außerdem als Cloud-Dienst im Sinn von Software as a Service (SaaS) das Systemmanagement-Tool Windows Intune an den Start gebracht. Die Hauptzielgruppe sind mittelständische Betriebe, aber als ergänzende Option sollen auch Konzerne diesen Dienst nutzen. Microsoft denkt an Szenarien mit 50 bis 300 PCs.

Mit Intune lassen sich PCs an unterschiedlichen Standorten verwalten. Außerdem gibt es Bündelungen mit dem Upgrade-Recht auf Windows 7 Enterprise samt Features wie BranchCache, DirectAccess, BitLocker und AppLocker, Software Assurance for Volume Licencing sowie dem zugehörigen Desktop Optimization Pack. Nicht zuletzt hat Microsoft bei Windows Intune auf einfache Bedienbarkeit Wert gelegt. Neben der Administration im engeren Sinn umfasst der Dienst auch Sicherheitsfunktionen in der Art der Software Forefront und unterstützt bei der Lizenzverwaltung. Seit Oktober ist das erste Update von Windows Intune verfügbar.

Softwareverteilung und Fernadministration aus der Cloud

Die webbasierte Konsole des SaaS-Angebots Windows Intune bietet laut Microsoft Administratoren aktuelle Informationen über die Geschehnisse auf den verwalteten PCs, auch wenn auf diese gerade nicht zugegriffen werden kann. Mit dem nun verfügbaren Update kommen nützliche Funktionen zum PC-Management in der Cloud hinzu wie Softwareverteilung und Remote Tasks. Außerdem sind bereits vorhandene Features, etwa das Reporting und die Lizenzverwaltung, verbessert worden.

Im Einzelnen können mit der Softwareverteilungsfunktion nun Microsoft- und Drittanbieter-Programme über die Cloud auf die verwalteten PCs verteilt werden. Alle Arten von Systemscans kann der Administrator nun remote von der Konsole aus durchführen. So kann er auf einem bestimmten PC beispielsweise eine vollständige Malware-Überprüfung oder auch einen Neustart durchführen. Das Update ermöglicht jetzt angeblich ein stabileres Management von Microsoft-Lizenzen und Drittanbieter-Software. Neue Filter ermöglichen es, detaillierte Berichte über das Hardware-Inventar zu erstellen. Warnungen lassen sich nun anhand benutzerdefinierter Schwellwerte konfigurieren. Zum Beispiel kann die Alarmschwelle des freien Speicherplatzes angepasst und eine Warnung ausgegeben werden, wenn 75 Prozent der Festplatte belegt sind. Nicht zuletzt: Mithilfe der Silverlight-Technologie hat Microsoft die Bedienung der Administrationskonsole leichter gemacht.

Wer den Dienst abonniert hat, bekommt automatisch die neue Version. Microsoft verlangt für die Nutzung des SaaS-Dienstes Intune pro PC pro Monat 11 Euro, für das Optimization Pack kommen 95 Cent dazu. Ab 250 PCs gewährt der Anbieter Mengenrabatte auf die Subskriptionsgebühren.

Neue Geschäftsmöglichkeiten

Für Microsoft-Partner eröffnen sich mit Windows Intune neue Geschäftsmöglichkeiten. Partner, die Intune verkaufen, bekommen im ersten Jahr 18 Prozent des Umsatzes und in den Folgejahren 6 Prozent. Bei Kunden, die erstmals ein Enterprise Agreement mit Microsoft abschließen, erhalten Partner 50 Prozent Umsatzbeteiligung, wenn sie dort Windows Intune verkaufen und bereitstellen. Außerdem können sie Managed Services anbieten, um Kunden standortunabhängig bei der Administration der PC-Landschaft zu unterstützen.

»Mehr als 80 Prozent unserer Kunden, denen wir Windows Intune vorgestellt haben, hatten Interesse an einem Test«, erzählt Peter Schröder, Geschäftsführer des Hannoveraner Microsoft-Partners Elanity, der sich auf IT-Infrastrukturen fokussiert und etwa 25 Mitarbeiter beschäftigt. Windows Intune stoße auf gute Resonanz, die Updates würden das Angebot noch interessanter machen. Von positiven Erfahrungen berichtet auch Michael Gerdes, Vertriebsleiter bei dem Karlsruher Microsoft-Partner assapp. Das Unternehmen beschäftigt 12 Mitarbeiter und konzentriert sich auf unabhängige Versicherungsmakler. Laut IHK gibt es in Deutschland rund 45.000 solcher Unternehmen. Bislang versorgt assapp die Kunden mit gehosteten Varianten von Microsoft Dynamics CRM, die mit Outlook integriert sind. Intune ist für Gerdes eine willkommene Upsell-Möglichkeit. Seinen Kunden, die ganz überwiegend IT-Laien sind, verkauft er Intune als »Krankenversicherung für PCs«, die sie für 60 bis 70 Cent pro Gerät und Monat bekommen können.

Cloud-Programme für die Partner

Oliver Gürtler, Leiter des Windows-Geschäftsbereichs in Deutschland

Microsoft unterstützt die Partner bei Windows Intune mit Trainings, Schulungen und Vertriebsmaßnahmen sowie den Programmen Cloud Essentials und Cloud Accelerate, über die für Partner weitere Werkzeuge und Ressourcen zugänglich sind. »Gegenwärtig hat Microsoft in Deutschland rund 37.000 Partner, 2.400 davon nutzen das Paket Cloud Essentials«, sagt Oliver Gürtler, der hierzulande bei Microsoft den Windows-Geschäftsbereich leitet. Intune wird so zusammen mit Office 365, Dynamics CRM Online und Azure in die Cloud-Offerten des Software-Riesen eingereiht. Die Dienstleistungen bei den Kunden würden weniger, räumt Gürtler ein, doch die Cloud-Lösungen böten den Partnern stattdessen alternative Geschäftschancen. Unternehmen wie assapp zeigen, dass sich Cloud-Geschäfte für Partner rechnen können.

Weitere Ergänzungen absehbar

Mit dem aktuellen Update für Windows Intune ist sicher nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Denn die Wunschliste ist lang, wie Mathias Schmidt bestätigt, Partner-Technologieberater bei Microsoft. Wenn größere Unternehmen Intune mit System Center kombinieren wollen, müssen diese Produkte integriert werden – entsprechende Schnittstellen muss Microsoft offenbar erst noch erarbeiten. Immer häufiger werden außerdem in den Unternehmen neben den traditionellen PCs mobile Endgeräte verschiedenster Art eingesetzt, die sich bislang systematischem Management entziehen.