Praxiswissen Navigationsgeräte:
So sparen Sie beim Update der Navi-Karten

von magnus.de

13.04.2011

Da ihnen die offiziellen Karten der Hersteller für ihr Navigationsgerät zu teuer sind, greifen immer mehr Nutzer zu Downloads aus dem Internet. Das ist jedoch meist genauso illegal wie unnötig: Denn es gibt auch ganz legale Alternativen, um günstig an frische Kartensets zu kommen.

Die offizielle Aktualisierung des Kartenmaterials auf dem Navigationsgerät ist oft so teuer, dass sie sich kaum lohnt; insbesonere wenn das Gerät schon seit einigen Jahren im Dienst ist. Manch einer greift also zum illegalen Download, aber der Preis für Karten-Updates lässt sich auch ganz legal drücken. Beginnen wir mit einem typischen Fall:

Sie haben sich vor zwei Jahren ein Navigationsgerät mit Karten von Europa gekauft. Inzwischen stellen Sie immer häufiger fest, dass das Kartenmaterial veraltet ist. So sind in den vergangenen Jahren beispielsweise viele neue Kreisverkehre gebaut worden, die Ihr Gerät noch nicht kennt.

Genauso sind Ortsumfahrungen hinzugekommen, bei denen Sie das Navi von der richtigen Strecke weglotsen will. Am besten aber folgen Sie einfach der neuen Straße und Beschilderung – so wie früher ohne Navi eben. Das alles ist kein Drama, aber es nervt doch, schließlich soll das Navigationsgerät ja den Weg weisen.

Erschwerend kommt hinzu, dass selbst das Kartenmaterial, das bei neuen Navis installiert ist, nicht ganz auf dem neuesten Stand ist. Je nachdem, wann Sie ein Navi kaufen, können die Karten ein paar Monate alt sein. Denn die Navi-Hersteller benötigen einige Zeit, um die Rohdaten der Karten für ihre Geräte aufzubereiten und die Zusatzinformationen wie Tankstellen hinzuzufügen.

Nicht an der falschen Stelle sparen

Ob 89 Euro für ein zwei Jahre altes Karten-Update gerechtfertigt sind, muss jeder selbst entscheiden. Manchmal ist ein Neukauf hier die bessere Lösung.

Welche Möglichkeiten gibt es nun, um an aktuelles Kartenmaterial zu kommen? Im Prinzip stehen zwei Optionen zur Wahl: entweder ein neues Gerät kaufen oder sich für ein Karten-Update entscheiden. Einfache Navigationssysteme von Markenherstellern wie Garmin oder TomTom gibt es inklusive Europakarten ab etwa 100 Euro. Nur unwesentlich billiger sind die DACH-Versionen, die sich auf Deutschland, Österreich und die Schweiz beschränken.

Hier allerdings 10 Euro weniger auszugeben, wäre absolut an der falschen Stelle gespart – größer ist die Preisdifferenz nicht. Bei einem Neugerät gibt es in aller Regel die neuesten Karten dazu. Die Hersteller bieten nach dem Kauf die Möglichkeit, die neuesten Karten zu installieren, auch wenn das Gerät vielleicht schon einige Zeit beim Händler im Regal liegt.

Option zwei sind neue Karten: Zwar stammen die Karten selbst fast immer von Navteq oder Teleatlas. Als Besitzer eines Navis erhalten Sie das aktualisierte Straßenmaterial aber über den Gerätehersteller. Und die gestalten ihr Geschäftsmodell höchst unterschiedlich.

Einige bieten ein Abonnement, bei dem man regelmäßig mit Updates versorgt wird. Andere verkaufen neue Karten als einmaliges Update. In den meisten Fällen steht Ihnen nur eine dieser beiden Möglichkeiten zur Verfügung, wenige Hersteller lassen ihren Kunden die Wahl.

(Hinweis: Tabelle mit einzelnen Tarifen siehe letzte Seite)

Einmal bezahlen, immer aktuell?

Wir haben die derzeit geltenden Konditionen für Karten-Updates in der Tabelle übersichtlich zusammengefasst. Daraus wird deutlich, dass die Aktualisierung im Abonnement 40 bis 60 Euro im Jahr kostet, dafür gibt es jährlich meist zwei-bis viermal neues Material.

Allerdings offerieren gleich mehrere Anbieter dieses Abo nur mit zwei Jahren Mindestlaufzeit, sodass sich die Kosten auf rund 100 Euro verdoppeln. Zudem darf man nicht vergessen, den Vertrag zu kündigen, wenn man das Gerät nicht mehr nutzt. Die einmalige Aktualisierung von Europakarten schlägt in aller Regel mit 60 bis 80 Euro zu Buche.

Etwas aus dieser Reihe tanzt Garmin: Der Hersteller der Nüvi-Modelle bietet für 89 Euro seine "nüMaps Lifetime Europe" an. Was angesichts der Bezeichnung "Lifetime" auf den ersten Blick recht preisgünstig klingt, entpuppt sich bei genauer Betrachtung als zweischneidig.

Denn "lebenslänglich" meint die gesamte Betriebsdauer des GPS-Geräts. Angesichts der kurzen Innovationszyklen möchte man sich aber nicht unbedingt mit einem drei Jahre alten Gerät führen lassen, wenn das neue weit mehr kann.

Gravierende Unterschiede in der Ausstattung

Da sind wir also wieder bei den neuen Lotsen, genauer bei den neuen Modellen. Während die einfachsten Marken-Navis wie erwähnt sogar schon für knapp 100 Euro zu haben sind, können die Geräte bis zu 300 Euro kosten. Schon ab etwa 130 Euro gibt es deutlich mehr Funktionen. Dazu zählen insbesondere die Ansage von Straßennamen, der Fahrspurassistent sowie TMCpro.

Die Ansage von Straßennamen sorgt dafür, dass es nicht nur "nächste Straße rechts" heißt, sondern beispielsweise "Biegen Sie in 100 Metern rechts in die Brandenburger Allee ein". Ebenfalls für mehr Orientierung auf unübersichtlichen Kreuzungen oder Autobahnverzweigungen sorgt der Fahrspurassistent.

Dieser zeigt den Fahrstreifen an, den Sie nehmen müssen, um zum Ziel zu kommen. Außerdem werden bei Ausfahrten die Original-Straßenschilder eingeblendet, um die Orientierung weiter zu erhöhen.

Beim dritten genannten Feature, TMCpro, handelt es sich um einen gegenüber dem normalen Traffic Message Channel (TMC) genaueren Verkehrsservice. So greift TMCpro auf die vielen Tausend an den Autobahnen installierten Detektoren und Induktionsschleifen zurück, welche Verkehrsfluss und -dichte auswerten. TMCpro erweist sich in der Praxis gegenüber TMC als deutlich überlegen.

Achtung: Einige Geräte beinhalten die Lizenz "TMCpro Starter", bei dem Sie nur 90 Tage diesen besseren Verkehrsdienst nutzen können. Danach müssen Sie zahlen, wenn Sie TMCpro weiter verwenden möchten.

Lieber neu kaufen als nachrüsten

Alle Hersteller bieten den Fahrspurassistenten an, der zur besseren Orientierung auch die Original-Schilder zeigt.

Wie lautet also nun das Fazit? Sollen Sie Ihr betagtes Navi mit neuen Karten aufmöbeln oder besser gleich ein neues kaufen. Die knappe Antwort lautet: Besser ein neues kaufen! Denn für Ihr einfaches, zwei Jahre altes Gerät, das in dieser Form jetzt neu um die 100 Euro kostet, erhalten Sie beim Verkauf über eBay mindestens die Hälfte.

Wenn Sie diese 50 Euro zu dem hinzuaddieren, was Sie für aktuelles Kartenmaterial auf ihrem alten Gerät ausgeben müssten, sind Sie schon bei mindestens 130 Euro – also dem Preis, für den es nicht nur ein neues Navi mit Garantie gibt, sondern eines mit deutlich mehr Funktionen und Komfort.

Wenn Sie die kleine Mühe, Ihren bisherigen Assistenten fürs Auto bei eBay einzustellen, nicht scheuen, ist diese Variante meist die bessere Wahl. Einen aktuellen Test höherwertiger Navigationsgeräte finden Sie übrigens als PDF auf der Heft-DVD.

Für den Kauf eines neuen Navigationsgerätes möchten wir Ihnen noch einen Tipp an die Hand geben. Einige Hersteller bieten neben der direkten Aktualisierungsoption das Karten-Abonnement zum Sonderpreis, falls Sie dieses kurze Zeit nach dem Gerätekauf buchen. Schauen Sie also im Karton nach, ob dort ein solcher "Gutschein" beiliegt.

Warnen möchten wir Sie zudem vor Billigangeboten mit veraltetem Kartenmaterial, für die es keine kostenlose Aktualisierungsoption gibt. Schauen Sie unbedingt vor dem Kauf eines solchen "Schnäppchens" im Internet nach, indem Sie gezielt nach Problemen mit dem betreffenden Gerät googeln. Wenn Sie nämlich gleich für das Update zahlen müssen, ist das teurer als ein Marken-Navi mit aktuellen Karten.

Vorsicht: Update mit Tücken

Vorsicht bei „TMCpro Starter“: Die Weiternutzung von TMCpro kostet zwischen 30 und gut 60 Euro.

Ungeachtet der vergleichsweise hohen Preise machen es die Navi-Hersteller ihren Kunden nicht immer leicht, die richtigen aktuellen Karten für ihr Modell zu finden, zu kaufen und zu installieren. Die Liste der Tücken ist lang.

Wenn Sie Ihren Navigationslotsen von Clarion aktualisieren möchten, werden Sie zunächst auf eine englische und wenig übersichtliche Webseite geleitet. Haben Sie dort Ihr Gerät ausfindig gemacht, geht es weiter zu einem Shop eines Drittanbieters. Ein weiteres Beispiel, wie es nicht sein sollte, haben wir bei der Aktualisierung eines Falk-Gerätes erlebt: Hier haben Download und Installation trotz schneller Internetverbindung rund zehn Stunden gedauert – das ist völlig inakzeptabel.

Genauso wenig tragbar ist das Beispiel der Karten-Updates bei Teleatlas für Blaupunkt-Navis. Der Hersteller bietet allen Ernstes "aktualisierte" Karten mit der Bezeichnung 2009 für 89 Euro zum Kauf an.

Auch "das supergünstige und topaktuelle Karten-Upgrade" sagt gar nichts darüber, von wann die Karten tatsächlich stammen: Hier ist zumindest eine gewisse Vorsicht angebracht. Wenn man den Artikel online gekauft hat, sollte man ihn definitiv zurückschicken, wenn er nicht den eigenen Vorstellungen entspricht – dazu hat man 14 Tage Zeit, ohne dass die Rückgabe irgendwie zu begründen ist.

Die Aufzählung der Probleme bei der Kartenaktualisierung ließe sich fortsetzen: Sie reicht angesichts der heutigen Datenfülle von zu geringem Speicherplatz im Gerät bis zur mühsamen Handhabung. Wenn erst eine spezielle Software zum Überspielen des Kartenmaterials zu installieren ist, steigen zahlreiche "Normalanwender" schon aus.

Vergleichsweise einfach, auch das sei erwähnt, gestaltet Garmin die Aktualisierung: Hier registriert man sein Gerät, der Hersteller prüft, ob neue Karten zur Verfügung stehen und ob die bestehende Internetverbindung für den Download dieser großen Datenmengen ausreicht. Ansonsten schlägt Garmin das Verschicken auf DVD ohne Aufpreis vor.

Illegale Updates als "Sparoption"?

Die Adresseingabe bei OSM-Karten ist etwas mühsamer, dafür ist die Karte gratis

Zu Beginn haben wir von zwei Optionen zur Aktualisierung gesprochen: Karten-Update oder Navi-Neukauf. Tatsächlich existiert noch eine "dritte", illegale Möglichkeit, sich aktuelles Straßenmaterial auf sein Gerät zu laden. Bei den One-Klick-Hostern wie Rapidshare, Hotfile, Megaupload, Usenext oder Uploaded stehen die neuesten Karten für fast alle Navigationsgeräte zum Download.

Das alles ist selbstverständlich nicht erlaubt, doch wer selbst einmal mit den Problemen beim Aktualisieren zu kämpfen hatte, wird vermutlich eine gewisse Sympathie für diese Dienste nicht verhehlen können.

Schnell geht es dort allemal, sofern man einen kostenpflichtigen "Premium"-Zugang für ein paar Euro im Monat wählt. Im Nu sind die Daten heruntergeladen – so schnell, wie es der eigene Internetzugang eben zulässt.

Selbst "Gelegenheitsnutzer" dieser One-Klick-Hoster kommen schnell mit dem Herunterladen klar. Hilfreich sind dabei Tools wie der JDownloader, der über spezielle DLCDateien sämtliche Vorgänge automatisiert.

Gratis und legal: OpenStreetMap

Schließlich haben die Besitzer der weit verbreiteten Navigationsgeräte von Garmin die Möglichkeit, die kostenlosen "OpenStreetMap"-Karten (OSM) aus dem Internet zu verwenden. Das OSM-Projekt ist vergleichbar mit Wikipedia: Die Inhalte – hier Lexikonartikel, dort Karten – werden von Freiwilligen erstellt und stehen dann allen anderen Nutzern gratis zur Verfügung.

Ursprünglich waren die OSM-Karten für das Wandern und Radfahren gedacht, doch inzwischen existieren spezielle Auto-Karten. Diese lotsen Sie genauso über Autobahnen und Schnellstraßen wie die im Navi integrierte Landkarte.

Auf der Heft-DVD der PC Go [1] finden Sie zwei aktuelle Auto-Karten, eine für Deutschland sowie eine für Europa. Der Kasten "Kostenlose Karten auf Navis von Garmin" erklärt, wie Sie diese ständig aktualisierten Karten verwenden.

Info: Navigation auf dem Handy

Navigation auf dem Handy

Die meisten Handys ab gut 100 Euro haben einen GPS-Empfänger integriert. Für die Navigation im Auto benötigt man aber noch eine Software, die entweder auf dem Gerät installiert ist (onboard) oder per Mobilfunk über einen Server abgerufen wird. Ein Beispiel einer solchen Offboard- Navigation ist die von Google: Sie ist im Prinzip "kostenlos", allerdings fallen Verbindungsgebühren an. Insbesondere im Ausland ist das unter Umständen teuer.

Keine Mobilfunkgebühren fallen bei der Lösung mit Onboard-Software an, die wie im Navi nur mit dem GPS-Chip funktioniert, dafür aber einmalig zwischen 40 und 100 Euro kostet. Eine Besonderheit stellt das Nokia-Programm "Ovi Maps" dar, das der Hersteller seit genau einem Jahr vielen seiner Mobiltelefone beilegt.

Ovi Maps navigiert durch rund 70 Länder, darunter Europa und Nordamerika. Die preiswertesten Handys mit diesen Karten sind das Nokia 2710 (ab ca. 90 Euro) sowie das Nokia 5230 (ab ca. 125 Euro).

Mini-Workshop: Kostenlose Karten auf Navis von Garmin

Waren die Karten des OpenStreetMaps-Projekts ursprünglich für Outdoor-Aktivitäten und GPSHandgeräte konzipiert, lassen sie sich als spezielle Karten für Autos auch auf den Navigationsgeräten von Garmin verwenden.

Speichern Sie entweder die Deutschlandoder die Europakarte von der Heft-DVD (Software/Tool-Pakete/Navi-Update-Pack) im Verzeichnis "Garmin" auf einer SD- oder MicroSD-Karte, die Sie ins Nüvi stecken. Die ursprüngliche geräteinterne Karte lassen Sie unangetastet! Stand der Karte ist Januar 2011. Die jeweils aktuelle Versionen gibt es über die Direktlinks http://tinyurl.com/3yeo77f und [2]http://tinyurl. com/3ykc7j9 [3].

Schalten Sie das Navi ein und rufen Sie die Karteninformation auf: Beim "Nüvi 255" heißt die Tippfolge auf dem Navi "Extras/Einstellungen/Karte/Karten-Info". An dieser Stelle sehen Sie beide Kartensätze, also die installierte und die neue OSM-Karte von Ihrer Heft-DVD.

Da die Adresseingabe bei der OSM-Karten bei den Auto-Navis nicht wie gewohnt funktioniert, aktivieren Sie hier beide Karten, gehen zurück zur "Zieleingabe" und tippen das Ziel ein. Um nun mit der neuen Karte zu routen, deaktivieren Sie über "Extras/Einstellungen/ Karte/Karten-Info" die ursprüngliche Karte und rufen das Ziel über "Ziel/Kürzlich gefunden" erneut auf.

Das dauert nur 15 Sekunden, ein Neustart ist nicht erforderlich. Dies ist sicher nichts für Berufsfahrer, die ihr Navi täglich im Einsatz haben. Wer sein Navi aber nur ab und zu benötigt, hat somit gratis stets aktuelle Karten – wenn auch über den 15-Sekunden-Umweg.

[1] http://www.pcgo.de/
[2] http://tinyurl.com/3yeo77fundhttp:/tinyurl.com/3ykc7j9
[3] http://tinyurl.com/3ykc7j9

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