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Virtualisierte IT: Von der Konsolidierung zum Cloud Computing

von Werner Fritsch (werner.fritsch@crn.de)

03.02.2011

Virtualisierung wird auch in der x86-Welt zu einer selbstverständlichen Option. Fortschreitende Automatisierung der Verwaltungsaufgaben in den Rechenzentren ebnet auf dieser Basis den Weg zum Cloud Computing. Den Partnern eröffnet der Wandel zahlreiche Möglichkeiten, zu beraten und zu implementieren.

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Der Rummel um die Virtualisierung dreht sich vor allem um das Betriebssystem Windows und die x86-Architektur. Diese Systeme sind oft schlecht ausgelastet, häufig läuft auf einem solchen Server nur eine einzige Anwendung. Der Softwarehersteller VMware hat es geschafft, für diese Plattform funktionierende Virtualisierungstechnologie zu entwickeln und einen Massenmarkt zu erschließen.

Virtualisierung ist jedoch eine Technologie, die auf die von IBM geprägte Mainframe-Ära zurückgeht. Ziel war es damals wie heute, die wertvollen Ressourcen besser auszulasten, unterschiedliche Betriebssystemversionen auf einer Maschine anbieten und vielfältige Workloads abarbeiten zu können. Auch bei den darauf folgenden Unix-Systemen war und ist Virtualisierung wie selbstverständlich möglich.

Konsolidierung, Service Levels und Clouds

Philip Dawson, Analyst bei der Marktforschungsfirma Gartner, schätzt, dass heute etwa 30 Prozent der Workloads auf virtualisierten Servern ablaufen. In ein paar Jahren würden es jedoch 70 bis 80 Prozent sein, prognostiziert er. Im ersten Schritt der Virtualisierung heißen die Ziele Konsolidierung und Nutzbarmachung. In der nächsten Etappe stehen Portierbarkeit, Service Level Agreements (SLAs) und Agilität im Fokus. Am Ende schließlich geht es um Beschaffung von IT-Leistungen im Kontext des Cloud Computings. Der Einkauf der IT-Leistungen werde sich künftig klar am Preis und an den SLAs orientieren, sagt Dawson.

Virtualisierung sei freilich kein Allheilmittel. Vielmehr gelte es, die IT-Landschaft vor der Virtualisierung aufzuräumen. Vor der technischen Umsetzung der Server-Virtualisierung seien außerdem Lizenzierungsfragen abzuklären.

Bei den Anbietern von Virtualisierungssoftware für x86-Server gesteht Wolfgang Schwab, Berater bei der Experton Group, dem Marktführer VMware weiterhin funktionale Vorteile bei den ergänzenden Management-Werkzeugen zu, etwa um Ausfallsicherheit und Hochverfügbarkeit zu bewerkstelligen. Microsofts Hypervisor, der bei Windows kostenlos mitgeliefert wird, werde jedoch nach und nach Marktanteile gewinnen. Wie so oft könnte Microsoft-Technologie sich auch bei der Server-Virtualisierung für viele Fälle als gut genug und eben kostengünstiger erweisen. Bei Citrix steht hingegen die Desktop-Virtualisierung im Zentrum. Der von Red Hat verwendete Hypervisor KVM ist auf Linux ausgerichtet, wo Virtualisierung keine so große Rolle spielt wie bei Windows. Ob der Hypervisor ins Betriebssystem integriert wird, wie bei Microsoft und Red Hat, oder eine separate Ebene bildet, wie bei VMware, ist laut Schwab eine philosophische Frage. Es sei nicht per se der eine Ansatz besser als der andere.

Wichtige Rolle für die Partner

»Ohne Partner kann die Positionierung im Markt nicht gelingen.« Anna Fetzer, Produktmanagerin für Virtualisierung und Private Clouds bei Microsoft

Den Partnern der Hersteller kommt eine wichtige Rolle zu: »Nur wenige Unternehmen virtualisieren ihre Server in Eigenregie«, weiß Schwab. Oft übernehmen Dienstleister neben dem indirekten Vertrieb auch die Implementierungsarbeiten. Im Mittelstand sei das Thema mittlerweile ebenfalls angekommen. Allerdings bestünden Einsparpotenziale erst ab etwa 500 Mitarbeitern. Die beiden Softwarehersteller und Virtualisierungsprotagonisten VMware und Citrix vertreiben ihre Produkte nahezu ausschließlich indirekt. »Die Partner haben Zugang zu den Kunden. Sie besitzen Know-how und haben ihr Vertrauen«, sagt Carsten Böckelmann, bei Citrix Country Manager für Deutschland. »Ohne Partner kann die Positionierung im Markt nicht gelingen«, betont auch Anna Fetzer, Produktmanagerin für Virtualisierung und Private Clouds bei Microsoft.

Für Partner, die einfach nur Produkte verkaufen wollen, stellt das Cloud Computing Dawson zufolge eine ernste Bedrohung dar. Partnern, die sich vom traditionellen indirekten Vertrieb abwenden und zu Cloud-Resellern und -Dienstleistern wandeln, biete es hingegen gute Chancen. Fetzer sieht bei den Anwendern außerdem viel Bedarf an Beratung und Implementierung bei Virtualisierungsprojekten und damit ein großes Betätigungsfeld für Partner. Fortbildungsangebote und Vermittlungsprämien sollen die IT-Dienstleister locken. Reseller, die zum Beispiel Microsofts Exchange oder Sharepoint als Online-Services verkaufen, können dies mit Hilfe eigener Betriebsmittel tun. Sie können aber auch Ressourcen eines Rechenzentrums mieten, das ein anderer Anbieter bereitstellt.

Automatisierung im Rechenzentrum schreitet voran

»Im Hosting ist Linux mehr gefragt als Windows.« Stefan Hölzl, General Manager EMEA von Parallels

Einen besonderen Weg eingeschlagen hat der Softwarehersteller Parallels. Im Fokus sind vor allem Hoster und Cloud Provider. Zu den Kunden gehört 1&1, Europas größter Hoster. Die hauseigene Technologie zur Server-Virtualisierung arbeitet mit sogenannten Containern, die nicht unmittelbar auf der Hardware, sondern auf dem Betriebssystem aufsetzen. Damit lassen sich pro Server nur unterschiedliche Versionen desselben Betriebssystems verwenden, aber dafür ist eine höhere Dichte möglich. Zusätzlich zur Virtualisierung bietet Parallels Werkzeuge, um die Provisionierung und die Zuteilung der Ressourcen im Rechenzentrum zu automatisieren. »Im Hosting ist Linux mehr gefragt als Windows«, weiß Stefan Hölzl, General Manager EMEA von Parallels.

Den Aspekt der Automatisierung im Rechenzentrum hat freilich auch VMware mit Produkten wie vSphere und vCloud Director im Visier. Das Unternehmen ist mit mehr als 80 Prozent Marktanteil und umfangreichen Technologien die Nummer eins bei Server-Virtualisierung. »Jede unserer Technologien kann sowohl beim Kunden als auch beim Service Provider eingesetzt werden«, erklärt Thomas Kühlewein, Vice President DACH und Osteuropa bei VMware. Private Clouds stellen sich technisch betrachtet als Rechenzentren dar, in denen ausgiebig virtualisiert und automatisiert und an den Benutzerschnittstellen mit Web-Technologien gearbeitet wird.

Ein ähnliches Bild zeichnet Fetzer, Virtualisierungsmanagerin beim Herausforderer Microsoft. Es gelte, beim Management eine einheitliche Sicht auf physische und virtuelle Ressourcen zu gewährleisten. Neben Grundfunktionen zur Verwaltung, die im Hypervisor Hyper-V enthalten sind, soll hier künftig die hauseigene Systemmanagement-Software System Center zum Tragen kommen. Ursprünglich ausschließlich auf die Microsoft-Welt ausgerichtet, können inzwischen auch einige Technologien einiger anderer Hersteller mitverwaltet werden – zum Beispiel virtuelle Maschinen von VMware.

Unterschiedliche Virtualisierungsweisen bei den Desktops

»Bei den Kunden wird es auch in Zukunft auf den Desktops einen Virtualisierungsmix geben.« Carsten Böckelmann, bei Citrix Country Manager für Deutschland

Neben den Servern in den Rechenzentren erfasst die Virtualisierung inzwischen auch die Desktops. Sowohl Schwab als auch Dawson sind der Überzeugung, dass Kosteneinsparungen entgegen anfänglichen Erwartungen hier kaum möglich sind. Laut einer Umfrage von CMP-WEKA unter rund 300 Fachhändlern, System- und Softwarehäusern sowie Systemintegratoren erwarten 76 Prozent der Partner hierzulande in diesem Jahr dennoch ein Wachstum dieses Marktsegments.

Bei der Desktop-Virtualisierung im engeren Sinn (Virtual Desktop Infrastructure, VDI) im Unterschied zur älteren Applikationsvirtualisierung beziehen die Geräte an den Arbeitsplätzen – statt normaler PCs oft Thin Clients – nicht nur einzelne Anwendungen von einem zentralen Rechner, sondern die komplette Software-Umgebung samt Betriebssystem und Einstellungen. Als Vorreiter dieses Ansatzes hat sich VMware betätigt. Ein Vorteil für die Endanwender liegt darin, dass sie von unterschiedlichen Arbeitsplätzen und Endgeräten aus auf ihre gewohnten Daten und Anwendungen, die auf Servern liegen, zugreifen können. Desktop-Virtualisierung fügt sich damit in den Trend zum Cloud Computing ein, bei dem IT-Leistungen generell über das Internet genutzt statt auf lokalen Rechnern erbracht werden. Die von CMP-WEKA befragten Partner nennen außerdem einfachere Administration (39 Prozent) sowie Ressourcenoptimierung und Sicherheit (36 Prozent) als Vorzüge für die Kunden.

Ein Unternehmen, das sich von Anfang an der Idee verschrieben hat, Software von den Clients zu den Servern zu verlagern, ist Citrix. Durch die Übernahme von Xen Source vor dreieinhalb Jahren hat man sich Zugang zu Virtualisierungstechnologie verschafft. Die Server-Seite dient allerdings nur »zur vertrieblichen Unterstützung der Desktop-Lösung«, wie Citrix-Manager Böckelmann einräumt. Nichtsdestotrotz hat auch der alte Ansatz, der auf Microsofts Terminal Services beruht, weiterhin Bedeutung. Bei den Kunden werde es auch in Zukunft auf den Desktops einen Virtualisierungsmix geben. Das sieht auch Microsoft-Managerin Fetzer so und wird durch die Umfrage von CMP-WEKA bestätigt.

Virtualisierung und Clouds haben Grenzen

Virtualisierung ist bekanntlich nicht auf die Rechner beschränkt. Mit dem Aufkommen von Speichernetzwerken kam Virtualisierung beim Storage ebenfalls in Gang. Inzwischen rückt außerdem bei Netzwerkressourcen Virtualisierung in den Blick, etwa um verfügbare Bandbreiten flexibel verwalten und einsetzen zu können.

Im Cloud Computing stellt Virtualisierung eine Voraussetzung dar, um Ressourcen nach Bedarf zuweisen und abrechnen zu können. In den Private Clouds entziehen sich allerdings die zunehmenden integrierten und dedizierten Komplettsysteme, Appliances genannt, der Virtualisierung. Bei Public Clouds wiederum sollten die Anwenderunternehmen in jedem Einzelfall prüfen, ob sich ein solches Mietmodell mittel- und langfristig tatsächlich rechnet.

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