Praxis: Rettungstools für Windows 7 erstellen:
Notfall-Rettung von Stick und CD für Windows 7

von magnus.de

31.01.2011

Auch wenn Systemausfälle immer seltener werden, so ist man im falle eines Falles doch auf hilfreiche Tools angewiesen. Wir zeigen Ihnen wie Sie ganz einfach einen auf ihre Bedürfnisse angepassten das System USB-Stick oder eine CD für den Notfall erstellen, mit denen Sie bockende Rechner auch ohne Linux-Kenntnisse wiederbeleben können.

(Fortsetzung des Artikels von Seite 5)

Rettungs-CDs auf Linux-Basis haben das Problem, dass Sie ohne Linux-Kenntnisse keine Kontrolle darüber haben, welche Tools integriert sind. Mit einer kleinen Windows-Version bauen Sie hingegen ganz leicht eine eigene Rettungs-CD mit selbst ausgewählten Tools. Basis einer solchen Rettungs-CD oder eines entsprechenden -USB-Sticks ist die Mini-Windows-Version Windows Preinstallation Environment (Windows PE) 3.0. Bei Windows PE 3.0 handelt es sich um eine Minimalversion von Windows 7, welche die Kernelfunktionen des Betriebssystems enthält. Auch die Basisinstallation von Windows 7 basiert auf Windows PE.

Während der Installation von Windows 7 lädt die Installationsroutine die Windows PE-Version von der Installations-DVD, über die Imagedatei boot.wim im Verzeichnis Sources. Auf dieser Basis wird dann Windows 7 installiert. Sie können diese Minimalversion als Basis für eine eigene Rettungs-CD verwenden und diese auch als USB-Stick anlegen. Dafür benötigen Sie das Windows Automated Installation Kit (WAIK), welches Microsoft kostenlos online zur Verfügung stellt.

Laden Sie aus Sicherheitsgründen das WAIK für Windows 7 nur bei Microsoft herunter. Den Downloadlink finden Sie am schnellsten, wenn Sie WAIK und Windows 7 in Google eingeben. Der Download besteht aus einer etwa 1,7 GByte großen ISO-Datei. Nach dem Download brennen Sie diese entweder auf CD, allerdings nicht als ISO, sondern mit dem ISO-Brenner in Windows 7 oder einem anderen ISO-fähigen Brennprogramm als Abbild. Alternativ entpacken Sie die ISO-Datei mit einem Packprogramm, zum Beispiel mit 7-Zip (www.7-zip.org [1]). Es gibt auch Tools, die ISO-Dateien direkt als DVD-Laufwerk in Windows einbinden, etwa IsoBuster, (www.isobuster.com [2]) oder Virtual CloneDrive (www.slysoft.com/de/virtual-clonedrive.html [3]).

Installieren Sie zunächst das WAIK auf dem Rechner, auf dem Sie das Rettungsmedium zusammenstellen wollen. Die Installation starten Sie über die Datei StartCD.exe. Wenn Sie die ISO-Datei des WAIK nicht auf eine CD entpacken wollen und CloneDrive installiert haben, finden Sie in der Taskleiste ein Symbol für virtuelle Laufwerke. Auf diese Weise können Sie die ISO-Datei des WAIK als Laufwerk einbinden. Nach dem Aufruf von StartCD.exe starten Sie die Installation über den Link Windows AIK-Setup. Klicken Sie sich durch die Fenster und schließen Sie die Installation ab.

Windows PE per USB-Stick starten

Installieren Sie das Windows Automated Installation Kit (WAIK) auf einem Computer: Die 1,7 GByte großen ISO-Datei könne Sie entweder brennen und danach starten oder als Image-Datei laden.

Verbinden Sie den USB-Stick am besten mit einem Windows-7-Computer. Sie benötigen für den Betrieb das Befehlszeilen-Tool Diskpart: Starten Sie eine Befehlszeile über das Kontextmenü im Administratormodus ([Strg-Umschalt] beim Programmaufruf cmd) und dann Sie die Festplattenverwaltung in der Befehlszeile mit dem Befehel diskpart.

Geben Sie hintereinander list disk, den Befehl select disk , clean und create partition primary ein. Dann noch activ, um die Partition zu aktivieren, das wird für den Bootvorgang benötigt. Formatieren Sie den Datenträger mit format fs=fat32 quick. Geben Sie den Befehl assign ein. Beenden Sie Diskpart mit exit.

Kopieren Sie den Inhalt der erstellten Windows-PE-Installation in das Stammverzeichnis des USB-Sticks. Verwenden Sie dazu am besten den Befehl

Codebeispiel:

xcopy C:\winpe\iso\*.* /e :\

Verbinden Sie den USB-Stick mit dem Computer [4] und stellen Sie im BIOS oder dem Bootmenü die Option ein, dass der Rechner von USB bootet. Starten Sie den Rechner und stellen Sie sicher, dass der Bootvorgang über USB startet. Nach dem Booten steheln alle lokalen Partitionen des Computers zur Verfügung, das gilt auch für CD- oder DVD-Laufwerke.

Das Dateisystem des USB-Sticks lädt Windows PE ebenfalls, sodass Sie auch Daten zwischen den lokalen Festplatten und dem USB-Stick kopieren können. Zusätzlich richtet Windows PE ein Laufwerk X ein. Hierbei handelt es sich um ein virtuelles Laufwerk im Arbeitsspeicher, in dem Windows PE seine Systemdateien lädt. Alle Programme die Sie direkt in Windows PE bereitstellen, stehen dann performant über dieses virtuelle Laufwerk zur Verfügung.

USB-Stick erweitern, Treiber einbinden

Standardmäßig startet Windows PE nur mit einer Befehlszeile, der Start der Windows-Oberfläche ist in Windows PE nicht vorgesehen. Sie können aber von den unten genannten Seiten verschiedene Fenstermanager und Ersatzanwendungen für den Explorer herunterladen. Die Maus ist verfügbar und die meisten portablen Anwendungen lassen sich starten. Außerdem können Sie auf die lokalen Festplatten zugreifen und auch auf das Netzwerk.

Es lassen sich eigene Programme in Windows PE einbinden und diese per Skript starten, oder nur auf dem Stick verfügbar machen. Wollen Sie ein bestimmtes Programm, zum Beispiel einen eigenen Explorer-Ersatz, automatisch starten lassen, erzeugen Sie eine Textdatei mit der Bezeichnung winpeshl.ini. Fügen Sie in der Datei die folgenden Zeilen ein:

Codebeispiel:

[LaunchApp]

AppPath =

Die Datei müssen Sie im Verzeichnis \windows\system32 der Windows-PE-Installation auf Ihrer Festplatte speichern. Das System32-Verzeichnis der Windows-PE-Installation erreichen Sie, wenn Sie die Wim-Datei, in diesem Beispiel boot.wim, auf der Festplatte mounten. Den Befehl sehen Sie weiter unten bei der Einbindung von Treibern.

Sobald Sie die Wim-Datei bereitgestellt haben, steht diese im entsprechenden Verzeichnis zur Verfügung und Sie können in die Windows-PE-Installation mit dem normalen Windows-Explorer Dateien kopieren. Anschließend müssen Sie die Änderungen noch bestätigen. Auch diesen Befehl finden Sie weiter unten. Natürlich können Sie auch direkt auf den Stick in ein beliebiges Verzeichnis Programme und Daten kopieren.

Diese stehen dann über den verwendeten Explorer zur Verfügung, aber nicht über das virtuelle Laufwerk, das Windows PE beim Starten einrichtet. Neben dieser Datei können Sie auch die Batch-Datei Startnet.cmd im System32-Verzeichnis der Windows PE-Installation bearbeiten. Ist die Datei winpeshl.ini vorhanden, übergeht Windows PE beim Systemstart die Datei. Sie können auf dem Stick beliebig weitere portable Tools installieren und testen ob diese funktionieren.

Auf den Seiten http://portableapps.com/apps oder www.pendri veapps.com finden Sie dazu eine Vielzahl von Erweiterungen. Auch die komplette Microsoft Sysinternals-Suite (www.sysinternals.com ) funktioniert vom Stick. Über die Seite http://de.wikipedia.org /wiki/Portable_Software erhalten Sie zusätzliche Informationen und Links zu weiteren portablen Anwendungen.

Treiber in Windows PE einbinden

Eine typische Hardware-Umgebung

Normalerweise sind in Windows PE schon einige Treiber enthalten. Sie können aber beliebig weitere Treiber in Windows PE integrieren. Sie brauchen dazu lediglich den entsprechenden Treiber und dessen Inf-Datei, welche die Informationen zur Installation enthalten. Im laufenden Betrieb von Windows PE laden Sie einen Treiber mit dem Befehl drvload .

Den passenden Treiber speichern Sie entweder auf dem USB-Stick oder binden ihn in Windows PE ein, wie nachfolgend beschrieben. Wollen Sie fest einen Treiber integrieren, müssen Sie die Datei winpe.wim wieder mounten, um den Treiber zu integrieren. Geben Sie dazu folgenden Befehl ein:

Codebeispiel:

Dism /Mount-WIM /WimFile:c:\winpe\

iso\sources\boot.wim /index:1 /MountDir:c:\winpe\mount

Ist das Image bereitgestellt, fügen Sie Treiber hinzu:

Codebeispiel:

Dism /image: /

Add-Driver /Driver:

Auch hier müssen Sie die Änderungen wieder bestätigen. Geben Sie dazu folgenden Befehl ein:

Codebeispiel:

dism /unmount-wim /Mountdir:c:\

winpe\mount /commit

Anschließend müssen Sie die Datei wieder auf den USB-Stick kopieren. Mehr zu den Möglichkeiten der Treiberintegration finden Sie auf der Seite http://technet.microsoft.com/en-us/ library/dd799258%28WS.10%29.aspx [5].

Eigene Windows-PE-CD erstellen

Erster Schritt auf dem Weg zur Rettung: Erstellen der Windows-PE-CD in der Befehlszeile.

Im ersten Schritt starten Sie eine Befehlszeile, die für das Anlegen einer solchen Windows PE-CD optimiert ist. Klicken Sie auf Alle Programme/Windows AIK/Eingabeaufforderung für Bereitstellungstools. Führen Sie den Befehl copype.cmd aus.

Als Systemvariante können Sie entweder x86 (32-Bit), amd64 (64-Bit) oder ia64 (Itanium 64-Bit) verwenden, abhängig davon, welches System Sie einsetzen. Als Verzeichnis geben Sie ein beliebiges Verzeichnis auf der Festplatte des PC an, zum Beispiel C:\winpe. Ein Beispiel für die Eingabe des Befehls ist:

Codebeispiel:

copype.cmd x86 c:\winpe

Das Verzeichnis müssen Sie vorher nicht erzeugen, der Assistent legt es und die Dateien im Anschluss in diesem Verzeichnis ab.Als nächstes benennen Sie die Datei winpe.wim im Stammverzeichnis der WinPE-Daten in boot.wim um und kopieren die Datei in das Verzeichnis \winpe\ISO\sources.

Der nächste Schritt besteht darin, die Grundstruktur der Windows-PE-Version noch etwas auszubauen. Dazu müssen Sie das Image boot.wim öffnen und mit Daten füllen. Zum Öffnen mounten Sie mit dem Windows-Tool dism.exe das Image. Verwenden Sie die Eingabeaufforderung für Bereitstellungstools und geben Sie folgendenden Befehl ein:

Codebeispiel:

Dism /Mount-Wim /WimFile:C:\winpe\ISO\sources\boot.wim /

index:1 /MountDir:C:\winpe\mount

Der nächste Schritt besteht darin, dass Sie zusätzliche Komponenten in die Datei einbinden. Diese Komponenten laden möglichst viele echte Windows-Komponenten in die stark eingeschränkte Windows-PE-Version. Geben Sie dazu folgende Befehle ein:

Codebeispiel:

Dism /image:C:\winpe\mount /Add-Package /PackagePath:"C:\

Program Files\Windows AIK\Tools\PETools\x86\WinPE_FPs\

winpe-wmi.cab"

Dism /image:C:\winpe\mount /Add-Package /PackagePath:"C:\

Program Files\Windows AIK\Tools\PETools\x86\WinPE_FPs\

de-de\winpe-wmi_de-de.cab"

Dism /image:C:\winpe\mount /Add-Package /PackagePath:"C:\

Program Files\Windows AIK\Tools\PETools\x86\WinPE_FPs\

winpe-hta.cab"

Dism /image:C:\winpe\mount /Add-Package /PackagePath:"C:\

Program Files\Windows AIK\Tools\PETools\x86\WinPE_FPs\

de-de\winpe-hta_de-de.cab"

Dism /image:C:\winpe\mount /Add-Package /PackagePath:"C:\

Program Files\Windows AIK\Tools\PETools\x86\WinPE_FPs\

winpe-scripting.cab"

Dism /image:C:\winpe\mount /Add-Package /PackagePath:"C:\

Program Files\Windows AIK\Tools\PETools\x86\WinPE_FPs\

de-de\winpe-scripting_de-de.cab"

Von der Datei zur CD / zum Stick

Hinzufügen von Paketen zu Windows PE und aktivieren der deutschen Sprache

Mit dem Befehl

Codebeispiel:

Dism /image:c:\winpe_x86\mount /Get-Packages

lassen Sie sich alle geladenen Pakete anzeigen. Mehr Informationen zu den Paketen erhalten Sie auf der Seite http://technet.microsoft.com/en-us/library/dd744533%28WS.10%29.aspx [6] . Auf Wunsch können Sie auch mehr Pakete laden. Als nächstes müssen Sie in Windows PE noch die gewünschte Sprache hinterlegen, in diesem Beispiel also Deutsch. Geben Sie dazu folgende Befehle ein:

Codebeispiel:

Dism /image:C:\winpe\mount /Add-Package /PackagePath:"C:\

Program Files\Windows AIK\Tools\PETools\x86\WinPE_FPs\

de-de\lp_de-de.cab"

Dism /image:C:\winpe\mount /Set-AllIntl:de-de

Mit dem Befehl

Codebeispiel:

Dism /image:c:\winpe\mount /Get-Intl

lassen Sie sich die aktuelle Sprache der Windows PE-Installation anzeigen. Haben Sie diese Änderungen vorgenommen, müssen Sie diese noch mit dem Befehl

Codebeispiel:

Dism /unmount-Wim /MountDir:C:\winpe\mount /Commit

bestätigen. Im nächsten Schritt erstellen Sie die ISO-Datei wenn Sie Windows PE als CD erstellen wollen. Geben Sie den Befehl

Codebeispiel:

Oscdimg -n -bc:\winpe\etfsboot.com c:\winpe\ISO c:\winpe\winpe.iso

ein. Sollten Sie die Fehlermeldung bekommen, dass der Befehl unbekannt ist, wechseln Sie (mit CD und CD..) in den Ordner C:\programme\windows aik\tools\x86 (bzw. amd64 oder ia64). Achten Sie darauf, das Verzeichnis ISO auch mit Großbuchstaben zu schreiben. Brennen Sie im Anschluss diese ISO-Datei als Abbild auf CD. Wollen Sie statt einer CD einen bootfähigen USB-Stick erstellen, müssen Sie keine ISO-Datei anlegen. Wie Sie einen solchen USB-Stick erstellen, steht am Anfang des Artikels.

[1] http://www.7-zip.org/
[2] http://www.isobuster.com/
[3] http://www.slysoft.com/de/virtual-clonedrive.html
[4] http://www.pc-magazin.de/ratgeber/rettungs-cds-usbs-fuer-win-7-1000737,180.html
[5] http://technet.microsoft.com/en-us/library/dd799258%28WS.10%29.aspx
[6] http://technet.microsoft.com/en-us/library/dd744533%28WS.10%29.aspx

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