Cloud-Computing:
Microsoft: Hohe Nachfrage nach Cloud-Angeboten in Deutschland

von Bernd Reder (bernd.reder@networkcomputing.de)

12.07.2010

Innerhalb von drei Monaten hat sich die Zahl der Anwender verdoppelt, die in Deutschland Cloud-gestützte Services von Microsoft nutzen, so das Unternehmen. Derzeit setzen 1500 Firmen die Online-Versionen von Exchange, Sharepoint und Communications ein.

Zufrieden zeigt sich Microsoft mit dem Start seiner Cloud-Computing-Angebote auf dem deutschen Markt. »Ich bin positiv überrascht, wie schnell die Angebote von unseren Kunden angenommen werden«, sagt Martin Berchtenbreiter, Senior Direktor Mittelstand & Partner von Microsoft Deutschland [1].

Microsoft setzt voll auf die Wolke - mit Angeboten für große und kleinere Unternehmen.

Innerhalb von drei Monaten hat sich die Anzahl der Kunden in Deutschland, welche die Microsoft-Online-Services verwenden, von 500 auf 1500 verdreifacht. Sie nutzen Exchange Online, Sharepoint Online sowie Communications Online.

Darüber hinaus haben sich seit dem Start des »Online-Betriebssystems« Microsoft Azure im November 2009 mehr als 10.000 Anwender für diese Cloud-Plattform entschieden. Weltweit nutzen derzeit nach Angaben des Anbieters mehr als 40 Millionen User Anwendungen, die Microsoft hostet oder Nutzern auf Mietbasis zur Verfügung stellt.

Hälfte der Entwickler arbeitet an Cloud-Lösungen

Microsoft hat im vergangenen Geschäftsjahr mehr als eine Milliarde US-Dollar in die Entwicklung von Cloud Services investiert. Die Hälfte der Entwickler des Softwarekonzerns arbeitet an Cloud-gestützten Lösungen. Dazu gehören neben den oben genannten Services die Microsoft-Online-Services, CRM Online sowie Windows Intune, das sich derzeit in der Beta-Testphase befindet.

Dieser Kraftfakt ist allerdings sicherlich nicht alleine darauf zurückzuführen, dass Microsoft in visionärer Manier den Trend Cloud-Computing frühzeitig erkannt hat. Es ist in erster Linie Google [2] mit seinen Online-Angeboten für Unternehmen, etwa »Text & Tabellen«, das den Software-Hersteller aufgeschreckt hat.

Mit Intune, das derzeit im Beta-Test ist, bietet Microsoft eine Cloud-gestützte Lösung für das Management von Client-Systemen.

Mit seinen – teilweise kostenlosen – Dienstleistungen zielt Google auf die Klientel von Microsoft und stellt für den Software-Konzern eine ernsthafte Bedrohung dar.

Daten zum deutschen Markt

Welche Bedeutung Cloud-Computing mittlerweile auch in Deutschland hat, zeigt eine Untersuchung, des Marktforschungsinstituts Techconsult. Demnach ist Cloud-Computing der gegenwärtig erfolgreichste ITK-Teilmarkt. Anwender werden 2010 etwa 386,5 Millionen Euro für Cloud-Services ausgeben.

Bis 2012 ist mit jährlichen Wachstumsraten von fast 50 Prozent zu rechnen. Den Löwenanteil bei Cloud-Services machen mit 60 Prozent Software- und Platform-as-a-Service aus.

Für alle Unternehmensgrößen tauglich

Microsoft zufolge nutzen Unternehmen aller Größen in Deutschland bereits Cloud-Services. So bietet Höltl Retail Solutions ein neues Kassensystem auf Cloud-Basis mit einem Silverlight-Client an. Im Unterschied zu herkömmlichen Kassen entfällt bei diesem System die Hardware-Installation beim Kunden.

Wo bisher ein Techniker zum Anwender fahren und vor Ort PC-Kassen installieren und konfigurieren musste, reicht heute die Eingabe einer URL in einem beliebigen Browser. Die Benutzeroberfläche der Kasse wird anschließend aus dem Netz geladen. Die Geschäftslogik läuft dagegen im Azure-Rechenzentrum.

Im Siemens-Konzern entwickelt derzeit die Tochter Siemens IT Solutions und Services (SIS) auf Basis der Windows-Azure-Plattform eine neue Generation ihrer Software-Management-Lösung cRSP. Sie dient der ferngesteuerten Softwareverteilung und -wartung für etwa 80.000 Apparate und Anlagen, die Siemens weltweit installiert hat – vom Kraftwerk bis zum Medizintechnik-System. Auch T-Systems und Daimler arbeiten an Lösungen auf Basis von Azure.

Die Cloud auf der Microsoft-Partnerkonferenz

Noch ein Tipp: CRN [3]-Chefreporterin Dr. Michaela Wurm wird in den kommenden Tagen live von der Microsoft Worldwide Partner Conference berichten, die vom 11. bis zum 15. Juli in Washington (D.C.) stattfindet. Auch dort gehört Cloud-Computing zu den zentralen Themen.

In seiner Eröffnungsrede ging Microsoft-Chef Steve Ballmer speziell auf die Chancen ein, die Cloud-Computing-Services den Partnern des Software-Riesen eröffnen. Diese könnten ihren Kunden entweder Microsoft-Lösungen weiterverkaufen oder selbst Produkte entwickeln, die auf Plattformen wie Azure bereitgestellt würden.

Auch die »Befindlichkeit« von potenziellen Cloud-Computing-Nutzern war ein Thema in Ballmers seiner Präsentation ein. Microsoft wolle dem Nutzer die Wahl lassen, wo er Geschäftsdaten lagern möchte – in der »Wolke« oder doch lieber auf Rechnern im eigenen Datacenter.

Damit ging der Chief Executive Officer von Microsoft auf Vorbehalte etlicher potenzieller Nutzer von Cloud-Services ein. Denn vor allem User aus Deutschland wollen unternehmenskritische Daten lieber nicht außer Haus geben und auf fremden Servern und Storage-Systemen speichern.

[1] http://www.microsoft.de/
[2] http://www.google.de/
[3] http://www.crn.de/

Verwandte Artikel