Gastkommentar: »I like your hairdo, too«:
Plattner vs Ellison: And the winner is...

von Lars Bube (lars.bube@crn.de), Ulrich Beckmann, (mh)

23.06.2010

Um seine Meinung zum jüngsten Streit zwischen Larry Ellison und Hasso Plattner befragt, muss QlikTech-Chef Ulrich Beckmann seiner »Verwunderung darüber Ausdruck verleihen, wie ignorant Larry Ellison dieses Thema mit einer nicht nachvollziehbaren Argumentation von Komplexität gleich für die nächsten Jahrzehnte vermeintlich vom Tisch wischt.«

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In zwei fast schon skurrilen Interviews haben sich die beiden ewigen Streithähne Larry der IT-Branche, Hasso Plattner (SAP [1]) und Larry Ellison (Oracle [2]), kürzlich heftig gegenseitig zum Zulkunftsthema der In-Memory-Datenbanken abgewatscht (siehe: Interview-Schlammschlacht: Plattner vs Ellison [3]). Während Ellison Plattner dabei unter anderem flapsig als weltfremden Kauz bezeichnete und dessen Ideen zur neuen Technologie für völlig abstrus hielt, schoss das SAP-Urgestein mit einem perfide durchdachten Interview seiner selbst souverän zurück.

Um herauszufinden, wer bei all dem Getöse und Gelächter nun tatsächlich noch die besseren Argumente hatte und wer hat sich vor lauter Streitlust vergaloppiert hat, haben wir einige ausgewiesene Datenbank-Experten um ihren Rat und ihre Meinung gefragt.

Während sich dabei die drei technischen Spezialisten Daniel Palme (Diplom-Informatiker und Softwareentwickler), Markus Palme freiberuflicher Softwareentwickler und Matthias Kolonko (Diplom-Wirtschaftsinformatiker (FH) und Softwareentwickler) von der AraCom Software GmbH mehr auf die Erklärung der technischen Hintergründe und Machbarkeit der In-Memory-Datenbank-Technologie konzentrieren (siehe: In-Memory-Datenbanken - Traum und Wirklichkeit [4]), kommentiert Ulrich Beckmann, Geschäftsführer der QlikTech GmbH und VP D/A/CH im Folgenden den heiteren Streit der beiden Segel- und Verbal-Rivalen. Für ihn war dabei der »doppelte Hasso« der klare Sieger - inhaltlich wie unterhalterisch:

I like his hairdo, too oder: Nicht nur die Frisur ist klasse

Ulrich Beckmann kann sich über die Äußerungen von Larry Ellison nur wundern.

Es ist eine große Kunst und sehr selten, Intelligenz, Witz und auch ein wenig Häme in der richtigen Mischung so rüberzubringen, dass eine echte Botschaft daraus wird. Eine, bei der man genau hinhört. Eine, bei der man unweigerlich schmunzeln muss, wenn man sie vernimmt. Hasso Plattner ist dies mit seinem Film »Hasso über Hasso« (Glückwunsch zu dieser genialen Idee!) als Antwort auf den Verbalangriff von Larry Ellison mit Bravour gelungen – chapeau.

Es verwundert sicherlich nicht, dass mich die Aussagen Plattners freuen. QlikView gilt als Pionier der In-Memory-Technologie, und ich kann Plattner in seinen Aussagen zu hundert Prozent Recht geben. Ich möchte bestimmt nicht vermessen sein, aber genau genommen setzt er unsere Botschaft ab.

Mit In-Memory lassen sich alle Daten eines Unternehmens in einen Kontext bringen und in Sekundenschnelle analysieren. Sie stellen eine Frage und erhalten die Antwort. Und die Antwort inspiriert zur nächsten Frage – gerne auch zu einer, die Sie vorher noch gar nicht antizipiert haben. Beispielsweise haben wir gerade zur WM eine Applikation entwickelt, die Ihnen nicht nur Statistiken über die Spielergebnisse liefert. Dort können Sie auch nachfragen, wie groß die Spieler waren, die die meisten Kopfballtore erzielt haben, oder wer an den Fouls beteiligt war.

Die wundersame Ignoranz des Larry Ellison

»Im richtigen Leben« sind den Anwendungen keine Grenzen gesetzt - beispielsweise können Sie feststellen, welche ihrer Getränkeprodukte sich an welchem Wochentag am besten verkaufen, und mit welchem Vorlauf Sie Ihr Lager füllen müssen, wenn der Wettergott gutes Wetter vorhersagt. Die In-Memory-Technologie läutet eine Ära im Geschäftsleben ein, die viel Neues entstehen lassen wird und ein gänzlich anderes Arbeiten ermöglicht. Ich kann dies sagen, weil wir schon viele Jahre mit In-Memory arbeiten, weil wir viel Erfahrung damit haben und dadurch einfach schon einen Schritt weiter sind als SAP.

Aber noch mal: es freut mich sehr, dass der schlafende Riese von In-Memory so überzeugt ist. Wie heißt es doch so schön: besser spät als nie. Und ich möchte auch meiner Verwunderung darüber Ausdruck verleihen, wie ignorant Larry Ellison dieses Thema mit einer nicht nachvollziehbaren Argumentation von Komplexität gleich für die nächsten Jahrzehnte vermeintlich vom Tisch wischt. Jede Technologie hat ihre Zeit, und herkömmliche Datenbanken machen da sicher keine Ausnahme. Hasso Plattner hingegen lade ich hiermit herzlich ein, sich persönlich anzuschauen, was mit In-Memory alles möglich ist. Und warum es den Tatsachen entspricht, wenn wir sagen, dass diese Technologie »denkt« wie das menschliche Gehirn. Am Ende des »Hasso über Hasso« Films gratuliert der »Journalisten-Hasso« dem »SAP-Hasso« zu dessen Frisur: »I like your hairdo.« Dem kann ich nur hinzufügen: »I like your thinking, too.«

*Ulrich Beckmann, ist Geschäftsführer der QlikTech GmbH und VP D/A/CH.

[1] http://www.sap.com/germany/index.epx
[2] http://www.oracle.com/de/index.html
[3] http://www.informationweek.de/panorama/artikel-83521.html
[4] http://www.informationweek.de/infrastruktur/hard-und-software/artikel-84147.html