Studie: Business Intelligence in der Praxis:
Anspruch und Wirklichkeit klaffen bei BI weit auseinander

von Lars Bube (lars.bube@crn.de)

04.05.2010

Eine Studie der Ludwig Maximilians Universität München beleuchtet den Einsatz von Business Intelligence Lösungen in deutschen Unternehmen. Dabei zeigt sich deutlich, dass Anspruch und Wirklichkeit meist weit auseinanderklaffen, eine übergreifende BI-Strategie haben nur die wenigsten Firmen.

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Verschiedene Systeme und schlechte Datenqualität verhindern in vielen Unternehmen eine optimale Ausnutzung der BI. (Bild: Claudia Paulussen, Fotolia.com)

Das IT-Beratungshaus Cirquent [1] und Professor Arnold Picot, Leiter des Instituts für Information, Organisation und Management [2] der Ludwig-Maximilians-Universität München, haben mit »BI Challenge« eine umfassende Studie zum Einsatz von Business Intelligence in deutschen Unternehmen veröffentlicht. Dazu wurden über 150 Firmen aus den Branchen Banken, Versicherungen, Handel und Dienstleistung eingehend befragt. Dabei zeigte sich eine enorme Diskrepanz zwischen den Zielen und Anforderungen der Verantwortlichen und dem tatsächlich durch BI erzielten Effekt.

So steht BI als Management-Tool zwar für die meisten Verantwortlichen klar ganz oben auf der Liste der strategischen Themen. Gleichzeitig zeigen sich jedoch im praktischen Einsatz oft erhebliche Defizite, die eine volle Ausschöpfung der Vorteile der BI verhindern. Meist geben sich die Verantwortlichen bereits damit zufrieden, dass die eingesetzte BI-Lösung organisatorisch und technisch den Basisanforderungen entspricht. Oft ist die BI ein ungeliebtes Kind, mit dem man sich gar nicht allzu genau befassen will. Neueren Konzepten wie Echtzeit-BI oder der Auslagerung von BI-Funktionalität stehen die Befragten dementsprechend allgemein sehr skeptisch gegenüber und warten lieber ab, als neue Techniken (vor)schnell einzuführen.

Damit wird deutlich: Den meisten IT-Verantwortlichen ist zwar die strategische Bedeutung der BI durchaus bewusst, allerdings führt dies nur selten zu einer eigenen konsistenten BI-Strategie im Unternehmen. »Es gibt zwar jede Menge Studien über die strategische Bedeutung von BI, doch kaum eine geht der Frage nach, warum sich so wenig tut in deutschen Unternehmen, wenn es um das rasche Bereitstellen entscheidungsrelevanter Informationen geht«, resümiert Ulrich Auer, Vice President Finance Transformation von Cirquent.

Fehlende BI-Strategie und schlechte Datenqualität

Die Befragten äußerten sich nahezu einheitlich, dass Business Intelligence Anwendungen ein wesentlicher Faktor für leistungsfähiges Reporting und damit fester Bestandteil der IT-Unterstützung der Unternehmenssteuerung sind. Die entsprechenden fachlichen Grundanforderungen an das Reporting werden in den meisten Fällen auch erfüllt. Allerdings entsteht oft ein gewisser Wildwuchs, indem beispielsweise mehrere BI-Lösungen gleichzeitig eingesetzt werden. Das resultiert jedoch schnell in Mängeln in Bezug auf Konsistenz, Datenqualität sowie Effizienz in der Bereitstellung der Berichte und erfordert somit einen hohen Nachbearbeitungsaufwand, um zu einer einheitlichen und verbindlichen Interpretation der Daten kommen zu können.

Eine der Lösungen, welche die befragten Unternehmensverantwortlichen selbst für dieses Dilemma sehen, ist die Einrichtung einer zentralen Stelle für Business Intelligence im Unternehmen. Von dort aus könnten die Anforderungen über alle Hierarchieebenen und Unternehmensfunktionen hinweg abgeglichen, priorisiert, umgesetzt und gesteuert werden. Doch obwohl sie selbst darin ein probates Mittel für eine effizientere IT sehen, fehlen solche Business Intelligence Competence Center in den meisten Unternehmen noch. Dies ist ein typisches Zeichen für die oft fehlende oder nur unzureichende übergreifende BI-Strategie.

Ein Grund für diese fehlende Gesamtstrategie ist, dass die BI für die meisten Verantwortlichen lediglich dazu dient, effiziente und valide Reportings zu erstellen. Weiterführende Analyse- und Reportingfunktionen werden zwar gewünscht, entsprechende Weiterentwicklungen wie Closed Loop BI stoßen allerdings auf viel Unkenntnis und Ablehnung. Auch unmittelbar effizienzsteigernde Möglichkeiten wie Real Time Reporting werden von den Verantwortlich zwar als interessante Möglichkeiten beschrieben, finden aber den Weg den Weg in die Unternehmen bisher nur sehr spärlich. Ebenso stehen die meisten Befragten einer wie auch immer gearteten Auslagerung von BI-Systemen und –Prozessen äußerst kritisch gegenüber, da ihnen das Risiko zu groß ist, ihre Unternehmensdaten in fremde Hände zu legen.

Fazit: Unternehmen verschenken viel Potential

Alles in allem kann damit zusammengefasst werden, dass die Datenqualität bei einem Großteil der befragten Unternehmen weit hinter den Anforderungen an ein leistungsfähiges Berichtswesen zurückbleibt. Entsprechend dieser Abneigungen bleiben auch der weitere Ausbau der Analysefunktionalität, etwa in Bezug auf Szenariotechniken, sowie die Steigerung der Anwenderfreundlichkeit der BI-Werkzeuge derzeit meist noch auf der Strecke. Die Studie nennt als weiteren wichtigen Faktor hier die Systemintegration von Daten, die zur strategischen Steuerung benötigt werden. Wie es heißt, erkennen die Unternehmen die genannten Mängel durchaus, zögern aber, sie dann auch entschlossen mit neuen BI-Konzepten anzugehen.

Das Dilemma, vor dem viele Unternehmen stehen, lautet somit: Ist es sinnvoller die bestehende heterogene Landschaft von BI-Werkzeugen weiterzuentwickeln und besser miteinander zu verknüpfen, oder sollte man in dieser Hinsicht doch lieber einen völligen Neuanfang machen und neue einheitliche Verfahren einführen, die dem aktuellen Bedarf besser gerecht werden? Die Autoren der Studie schlagen hier vor, zuallererst die betreffende BI-Lösung grundlegend darauf zu überprüfen, welchen Reifegrad sie fachlich, technisch und organisatorisch erreicht hat. Auf dieser Basis ließen sich dann gezielt Maßnahmen planen, um die Lösung auf einen insgesamt hohen Stand zu bringen, der die aktuellen und künftigen Erfordernisse adressiert.

[1] http://www.cirquent.de/de/index.html
[2] http://www.iom.bwl.uni-muenchen.de/index.html

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