Management-Studie:
Manager vertrauen mehr auf ihr Bauchgefühl als auf BI

von Matthias Hell (matthias.hell@crn.de)

24.02.2010

Der Einsatz moderner Business Intelligence-Lösungen als Grundlage für Geschäftsentscheidungen ist in den Unternehmen heute Standard. Trotzdem – oder gerade deshalb – vertraut eine Mehrheit der Führungskräfte im Zweifelsfall ihrem Bauchgefühl, so eine aktuelle Studie.

Deutschlands Manager stützen sich bei ihren Entscheidungen trotz immer umfangreicherer Faktenanalysen weiterhin gerne auf ihr Bauchgefühl – so das Ergebnis einer Vergleichserhebung, die das Hamburger Beratungsunternehmen Novem Business Applications [1] seit 2006 durchführt. Demzufolge haben die Unternehmen in den letzten Jahren zwar erheblich in moderne Computertechniken wie Business Intelligence-Lösungen zur Analyse der wichtigen betriebswirtschaftlichen Daten investiert, doch bleiben die Manager ihrer Intuition treu: 51 Prozent der Befragten gibt an, mittels Bauchgefühl die erfolgreicheren Entscheidungen getroffen zu haben. Das ist im Vergleich zu 2006 ein Zuwachs von vier Prozent. Dagegen geben aktuell nur 42 Prozent an, sie hätten die besonders guten Entscheidungen typischerweise auf Basis sachlicher Fakten getroffen.

Bei seinen Entscheidungen fühlt sich dennoch nur jeder vierte Manager dabei immer sehr sicher. Dies sind zwar sieben Prozent mehr als vier Jahre zuvor, aber dem steht eine Gruppe von 35 Prozent (2006: 39 Prozent) an Business-Verantwortlichen gegenüber, die sich bei ihren Entscheidungen oftmals unsicher fühlen. Die subjektiv empfundene Entscheidungssicherheit ist damit bei den Führungskräften in den letzten Jahren nicht wesentlich größer geworden.

Der Wald ist vor lauter Bäumen nicht zu sehen

Wie die Studie zeigt, können Manager heute auf eine höhere Informationsqualität zugreifen als noch 2006: Damals vermissten mehr als zwei Drittel der Manager Informationen in einer notwendigen Aktualität und Genauigkeit für sichere Business-Entscheidungen, inzwischen wird dies nur noch von der Hälfte der Befragten problematisiert. Dagegen sehen sich derzeit 70 Prozent der Führungskräfte – 2006 waren es 62 Prozent – bei ihren Entscheidungen mit einer zu großen Informationskomplexität konfrontiert. Als weitere drängende Schwierigkeit nennen mehr als die Hälfte einen hohen Zeitdruck. Andererseits sagt heute jeder fünfte Business-Manager in der Novem-Erhebung, dass er im Regelfall über günstige Entscheidungsverhältnisse verfügt; 2006 zeigte sich nur jeder Achte damit zufrieden.

»In den letzten Jahren haben die Unternehmen einen ganz erheblichen Aufwand beim Einsatz von Analyse- und Reporting-Lösungen betrieben, um günstigere Entscheidungsgrundlagen zu schaffen«, erklärt Novem-Geschäftsführer Anastasios Christodoulou. Die positiven Effekte dieses Engagements zeigten sich beispielsweise darin, dass inzwischen weniger Manager die Informationsqualität kritisierten und umgekehrt mehr Führungskräfte als noch vor vier Jahren mit ihren Entscheidungsbedingungen zufrieden seien. »Allerdings darf nicht übersehen werden, dass sich durch den Einsatz solcher modernen Technologien auch die Entscheidungsgewohnheiten der Menschen ändern«, so Christodoulou. Nicht jeder vertraue direkt den Analysetools, mit denen aus äußerst komplexen Sachverhalten die relevanten Fakten herausgearbeitet und leicht verständlich präsentiert werden. »Da ist es nachvollziehbar, dass sich Manager zusätzlich auf ihre Intuition stützen möchten. Allerdings steigen in den Unternehmen die Zwänge, eine möglichst hohe Entscheidungsqualität zu erreichen. Dies macht die Nutzung intelligenter Technik unumgänglich.«

[1] http://www.novemba.de/

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