Rückkehr zur Doppelspitze:
Aus für SAP-Chef Apotheker
Auf Druck von Aufsichtsratschef Hasso Plattner zieht sich SAP-Chef Leo Apotheker mit sofortiger Wirkung zurück. Sein Vorstandsvertrag wurde überraschend nicht verlängert. Apotheker hatte SAP einen harten Sparkurs verpasst und zuletzt immer mehr Kunden verärgert. Seine Nachfolge treten Bill McDermott und Jim Hagemann Snabe an. Mit einer erneuten Doppelspitze will SAP auch technologisch wieder Näher an die Kunden rücken.
(Fortsetzung des Artikels von Seite 1)
»Die Neuaufstellung der Unternehmensspitze soll die Produktinnovationen näher mit den Kundenanforderungen zusammenbringen«, begründet Hasso Plattner, Mitbegründer von SAP [1] und Vorsitzender des Aufsichtsrats, die drastische Entscheidung. »Die neue Führung wird die strategische Ausrichtung des Unternehmens sowie den Fokus auf profitables Wachstum beibehalten und weiter vorantreiben und mit unseren Innovationen im Jahr 2010 die führende Position im Markt weiter ausbauen.«
Erhielt den Laufpass: Léo Apotheker, ehemals Vorstandssprecher von SAP.
Die Entscheidung des Aufsichtsrats von SAP, den Vertrag mit Apotheker nicht zu verlängern, kam völlig überraschend.
Der bisherige Sprecher des Vorstandes legte daraufhin mit sofortiger Wirkung sein Vorstandsmandat nieder - angesichts des Misstrauensvotums eine nachvollziehbar und notwendige Entscheidung.
Doppelspitze wird SAP führen
Künftig wird eine Doppelspitze den Softwarekonzern führen. Bill McDermott war bislang im SAP-Vorstand für den weltweiten Vertrieb zuständig. Der Amerikaner ist seit 2002 für das Unternehmen tätig.
Ein Teil der neuen Doppelspitze bei SAP: Vertriebschef Bill McDermott.
An McDermotts Seite wird der Däne Jim Hagemann Snabe stehen. Er stieß bereits 1990 zu dem Softwarehaus und ist dort für die Entwicklung der SAP-Produkte für Großunternehmen und den Mittelstand sowie der Technologieplattform verantwortlich.
Apotheker war erst 2008 an die Spitze von SAP gerückt. Unter seiner Ägide kam es zu höchst unerfreulichen Auseinandersetzungen mit Kunden und Partnern über die Neugestaltung von Enterprise-Support-Verträgen. Hinzu kam die verspätete Fertigstellung des Software-as-a-Service-Angebots »ByDesign«.
Die Grundlagen für diese Fehlentwicklungen waren allerdings bereits gelegt, bevor Apotheker 2008 von Henning Kagermann die Führung der Firma übernahm. Kenner des Unternehmens werfen dem Manager allerdings vor, die technologische Weiterentwicklung der SAP-Produkte vernachlässigt zu haben. Dies will der Konzern nun offenkundig durch die Berufung von Hagermann Snabe korrigieren.
Oracle rüstet auf
Ein weiterer Grund, der zum »Abschuss« von Apotheker geführt haben dürfte, ist das Lizenzgeschäft. Im Geschäftsjahr 2009 gingen die Software-Erlöse um 1 Milliarden Euro auf 2,606 Milliarden zurück. Im Klartext: Der Konzern verkaufte deutlich weniger neue Lizenzen als 2008.
Hinzu kommt die Expansion des Hauptkonkurrenten Oracle [2]. Durch die Übernahme von Sun Microsystems hat Oracle seine Position im Hardware- und Software-Bereich ausgebaut.
Jim Hagemann Snabe soll die Technologie-Entwicklung bei SAP vorantreiben.
Wie Oracle-Chef Larry Ellison betonte, werde sein Haus künftig Komplettpakete anbieten, die aus Hochleistungsservern von Sun und Oracle-Software bestehen. Zudem hat sich der Konzern durch den Kauf von Sun, und damit von MySQL und Solaris, eine starke Basis im Open-Source-Markt verschafft. Unter dem Strich ist Oracle damit breiter aufgestellt als SAP.
Details zum Führungswechsel will SAP heute Nachmittag bekanntgeben. Beobachter erhoffen sich unter anderem Informationen dazu, ob das Doppelgespann auf Dauer an der Unternehmensspitze etabliert werden soll.
Sowohl McDermott als auch Hagemenn Snabe gelten nicht unbedingt als Visionäre und Charismatiker. Eine starke Führungspersönlichkeit, wie sie sie Larry Ellison bei Oracle darstellt, würde SAP gut tun.
[1] http://www.sap.de/
[2] http://www.oracle.de/
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