Neue Logistiksoftware für die Bundeswehr:
SAP hält Panzer in Schwung

von Lars Bube (lars.bube@crn.de)

03.02.2010

Als erster Verband im Heer nutzt die 1. Panzerdivision seit Anfang Februar das von SAP neu entwickelte Computerprogramm SASPF in der Logistik. Die Lösung bündelt über 1.000 bisher genutzte Einzellösungen in einem einzigen Programm- und Prozessablauf.

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Übergabe des Staffelstabes an den Kommandeur der 13. Panzergrenadier-Division (Bild: Bundeswehr)

Die Bundeswehr [1] rüstet auf – allerdings gibt es statt neuer Transportflugzeuge oder Luftabwehrsysteme diesmal eine neue Software. Auch die soll jedoch die Einsatzbereitschaft der Streitkräfte, insbesondere logistisch, wesentlich effizienter werden lassen. Zum ersten Februar wurde dazu bei der 1. Panzerdivision am Standort Augustdorf die von SAP [2] Software entwickelte Standard-Anwendungs-Software-Produkt-Familie (SASPF) eingeführt und der Öffentlichkeit vorgestellt. Sie bündelt alles, was bisher von bis zu 1.000 verschiedenen Softwareprogrammen bewältigt werden musste, künftig zentral in einem einzigen Programm- und Prozessablauf. Die anwesenden Vertreter aus Politik, Militär und Wirtschaft zeigten sich von einer Demonstration im laufenden System begeistert und hoffen nun auf eine zeitliche wie finanzielle Optimierung vieler interner Vorgänge der Streitkräfte.

SASPF verringert nach Angaben der Bundeswehr vor allem nachhaltig den Koordinationsaufwand und setzt damit Ressourcen frei, die an anderer Stelle dringend benötigt werden. Damit ist für die Streitkräfte einhergehend mit dem Wandel ihrer Einsätze und Aufträge auch ein Ende der zahlreichen bisher eingesetzten Software-Insellösungen in Sicht, von denen viele untereinander nicht kompatibel waren. An 18 Standorten in 70 Dienststellen im Bereich der 1. Panzerdivision wurden rund 1.200 Nutzer auf das neue Informationssystem umgestellt. Damit verbunden war eine intensive Überprüfung und Erfassung der Datenbestände, die ebenfalls erfolgreich abgeschlossen wurde.

Durch die SASPF-Einführung wird der Wartungs- und Regenerationsaufwand wesentlich verringert und die Arbeitsabläufe können effizienter aufeinander abgestimmt werden. Langfristiges Ziel ist die »Instandsetzung auf Knopfdruck!«. Für Staatssekretär Rüdiger Wolf ist die neue Software ein Meilenstein auf dem Weg in die digitale Zukunft der Bundeswehr: »Mit dem Projekt SASPF wollen wir auch in der Bundeswehr einführen und nutzen, was in weiten Bereichen der Wirtschaft bereits die Bewährungsprobe bestanden hat«.

Schnelle Hilfe für den Marder

Schützenpanzer Marder (Bild: emeraldphoto, fotolia.com)

Was diese neuen Möglichkeiten im täglichen Einsatz bedeuten, verdeutlichten Oberleutnant Schlink und Srabsfeldwebel Pippert bei der Vorstellung der Lösung am praktischen Beispiel eines liegengebliebenen Schützenpanzers des Typs Marder.

Nach einer Schadensmeldung durch die Panzerbesatzung kann der Schirrmeister eine Schadensbegutachtung am Fahrzeug vornehmen und die entsprechende Schadensmeldung direkt in seinen Computer eingeben. Diese Meldung wird an die Logistische Steuerstelle weitergeleitet, wo automatisch ermittelt wird, welche Instandhaltungseinrichtung freie Kapazitäten hat, um den Panzer zu reparieren. Sollten neue Teile wie ein Ersatzmotor benötigt werden, kann das System gleich einen entsprechenden Auftrag an die für die Beschaffung zuständigen Stellen weiterleiten. Sollte das nötig sein, wird gleichzeitig auch das Bundeswehrdienstleistungszentrum darüber informiert, dass bei dieser Reparatur eine größere Menge Öl abgelassen wird. So kann direkt eine zivile Firma mit der fachgerechten Entsorgung des Altöls beauftragt werden.

Viele dieser Schritte, vor allem diejenigen zwischen den einzelnen Systemen und Stellen, mussten bisher von Hand ausgeführt oder übertragen werden. Künftig minimiert sich dank SASPF der Verwaltungsaufwand in solchen Fällen und unnötige Transport- und Liegezeiten entfallen. Damit kommt der Schützenpanzer schneller wieder zurück zur Einheit und die Armee spart gleichzeitig Geld und Manpower.

Neben den Soldaten profitiert von diesen wesentlich verbesserten Abläufen durch die neue Software auch das Rechnungswesen: Indem bei jedem Arbeitsschritt Kosten und Arbeitsaufwand in einem System registriert werden, ist am Ende leicht nachvollziehbar, wie viel die Reparatur gekostet hat und welche Ausgaben dieses Gerät seit der Anschaffung verursacht hat.

Entwicklungszeit über 10 Jahre

Auch wenn die Geräte selbst etwas angestaubt sind - wenigstens die Software ist jetzt auf aktuellem Industrie-Stand (Bild: Bundeswehr)

Die Vorteile der neuen zentralen Datenlagerung und –Verarbeitung sind also enorm. Damit stellt sich natürlich auch die Frage, warum die Bundeswehr nicht bereits viel früher auf ein effektiveres System umgestiegen ist. Hierzu kann festgehalten werden, dass die Bundeswehrführung bereits vor zehn Jahren damit begonnen hatte, die Industrie mit der Einführung von betriebswirtschaftlichen Standardsoftware-Produkten zu beauftragen.

In einer eingehenden Entwicklungsphase wurden zunächst die wichtigsten Prozesse und Anforderungen wie etwa Umweltschutz, Rechnungswesen oder Controlling identifiziert und untersucht. Die wichtigsten Arbeitsabläufe wurden anschließend als Wertschöpfungskette standardisiert und in der Software exakt nachgebildet. Im Jahr 2004 konnte dann in Augustdorf mit der Einführung der SASPF-Anwendungen für den Bereich der Instandhaltungslogistik begonnen werden.

Jetzt sind die Entwickler mit ihrem Mammutwerk fertig und haben dabei trotz der Größe und des Zeitaufwandes offenbar einiges richtig gemacht. »Das System SASPF ist für meine Soldaten modern, attraktiv und wirtschaftlich, es ist durchgängig bei allen Nutzern gleich, es verbindet Einsatz und Heimat – wir bearbeiten mit diesem System dieselben logistischen Verfahren und Vorgänge in Afghanistan, auf dem Balkan, wie zu Hause«, betonte der Kommandeur der 1. Panzerdivision, Generalmajor Markus Kneip in seiner Rede.

Und auch die Entwickler zeigen sich zufrieden, wie Werner Dilzer von der SAP Deutschland AG nach der langen, aber letztlich erfolgreichen Entwicklungsphase betont: »Mit mehr als 38.000 produktiven Anwendern auf einer stabilen und zukunftsfähigen Lösung darf und muss man hier von einem sehr erfolgreichen Projekt sprechen. Darauf sind wir stolz«.

Leipzig und Sigmaringen kommen als nächste dran

Staatssekretär Rüduiger Wolf zeigte sich begeistert vom Effizienzgewinn durch SASPF (Bild: Bundeswehr)

Die SASPF-Lösung soll bei der Bundeswehr hauptsächlich in Prozessen der Bundeswehrplanung, des Controllings, der Gesundheitsversorgung, der Individualausbildung, der Infrastruktur und des Umweltschutzes, der Organisation, des Personalwesens, des Rechnungswesens und der Rüstung/Logistik eingesetzt werden. Als nächstes ist die Einführung in der 13. Panzergrenadierdivision in Leipzig und der 10. Panzerdivision in Sigmaringen geplant.

»Ich kann feststellen, dass die Zusammenarbeit mit dem Heer, der Streitkräftebasis, der Territorialen Wehrverwaltung und der Realisierungsorganisation des IT-Amtes eine sehr positive Erfahrung für die BWI war. Der Rollout in der 1. Panzerdivision ist wegweisend für die Einführung von SASPF in den Streitkräften. Hier wurden wichtige Grundlagen geschaffen und wesentliche Erfahrungen gesammelt«, ist das positive Resümee des Geschäftsführers der BWI Systeme GmbH, Herrn Christoph Dibon.

[1] http://www.bundeswehr.de/
[2] http://www.sap.com/germany/index.epx

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