Bilanz des IT-Jahres 2008: Microsoft:
Jahresrückblick 2008: Die interessantesten Storys rund um Microsoft

von Bernd Reder (bernd.reder@networkcomputing.de)

29.12.2008

Sind die Entwicklungen bei und rund um Microsoft im Jahr 2008 einen separaten Artikel wert? Wir glauben ja. Nicht nur, weil Firmengründer Bill Gates ins zweite Glied rückte und der Kauf von Yahoo daneben ging.

William »Bill« Gates geht von Bord

Im Juli war es so weit: Microsoft-Mitbegründer Bill Gates sagte »Good Bye«. Künftig will sich der ehemalige Chef des weltweit größten Softwarehauses verstärkt um seine »Bill & Melinda-Gates [1]«-Stiftung kümmern, die sich dem Kampf gegen Krankheiten wie Aids, Tuberkulose und Malaria widmet.

Will sich zusammen mit seiner Frau verstärkt umseine Stiftung kümmern: Bill Gates.

Gates wird nicht nur als »Mr. Microsoft« in Erinnerung bleiben. Fast schon legendär sind die Pannen, die ihm bei einigen Präsentationen neuer Windows-Versionen unterliefen. Wir haben die besten davon in einem unserer Lazy-Friday-Beiträge [2] zusammengestellt.

Immerhin schaffte es Gates 2008 auf Platz eins in der Rangliste der Fortune-400-Liste der reichsten Amerikaner – mit einem Vermögen von etwa 57 Milliarden Dollar.

Mit Steve Ballmer hat Bill Gates einen Nachfolger ausgewählt, der sich vor allem durch sein robustes Auftreten auszeichnet. Ob er auch als Vordenker von Microsoft überzeugen kann, wie das Gates tat, wird sich zeigen müssen.

Die Schlacht um Yahoo

Apropos Steve Ballmer: Der Mann mit der Figur eines Football-Spielers musste im Kampf um die Internet-Firma Yahoo [3] eine Niederlage einstecken. Besser gesagt: Microsoft hat eine Schlacht verloren, aber nicht den Krieg.

Widersetzte sich den Kaufabsichten von Microsoft: Jerry Yang,Mitbegründer und ehemaliger CEO von Yahoo. Er trat nach derÜbernahmeschlacht zurück.

Microsofts Werben um Yahoo zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Jahr 2008: Anfang Februar legt die Softwarefirma ein Angebot in Höhe von fast 45 Milliarden Dollar vor. Das reichte Yahoo-Chef Jerry Yang nicht. Microsoft besserte nach, bekam erneut einen Korb und wollte dann nicht mehr.

Jetzt dürfte Yahoo deutlich billiger zu haben sein – nach einer rasanten Talfahrt des Aktienkurses. Und ganz aus dem Rennen ist Steve Ballmer nicht: Mit einer Mischung aus Abwarten und subtilen »Aus-uns-könnte-doch-was-werden«-Signalen kocht der Manager derzeit die Aktionäre von Yahoo weich. Er will aber »nur« noch das Suchmaschinen- und Online-Anzeigengeschäft haben.

Aber Ballmer wäre nicht Ballmer, würde er nur auf eine Karte setzen. Durch Zukäufe und Kooperationen hat sich der Konzern im Bereich Suchmaschinen verstärkt, etwa die Übernahme von Fast Search & Transfer [4] und Powerset. Außerdem werkelt Microsoft an einer lokal angepassten Suchmaschine [5].

3. Vista will nicht so recht

Das beste Windows aller Zeiten sollte es werden. Doch rund drei Jahre nach dem Start ist Windows Vista immer noch nicht so recht flügge geworden: zu schwerfällig, zu ressourcenhungrig, zu wenig innovativ im Vergleich zu XP, meckern die Anwender.

Kommt bei den User nicht so an, wie sich das Microsoft wünscht: Vista.

Und die PC-Hersteller tun ihr Übriges, um Vista nicht so recht hochkommen zu lassen. Sie verkaufen Downgrade-Lizenzen: Vista und XP gibt es im Paket, aber in die Marktzahlen geht nur Vista ein. Eine kleine Mogelpackung.

Nach Informationen unseres Schwesterportals CRN.com [6] setzen 75 Prozent der Nutzer, die Vista im Verbund mit einer XP-Downgrade-Lizenz kaufen, auf Windows XP. Mittlerweile hat Microsoft die Frist, bis zu der XP für Distributoren erhältlich ist, verlängert. Wer bis zum 31. Januar 2009 XP ordert, kann die Lizenzen bis zum 30. Mai abrufen.

Damit haben Händler und Systemhäuser die Möglichkeit, länger als zuvor geplant Windows-PCs mit vorinstalliertem XP statt Vista zu verkaufen.

Windows 7 heißt Windows 7

Apropos Windows Vista: Wohl auch wegen der wenig herzlichen Aufnahme von Vista bei den Anwender forcierte Microsoft 2008 die Arbeiten am Nachfolger Windows 7.

Kommt Windows 7 jetzt bereits Mitte 2009 oder doch erst 2010? Microsoft hält sich in dieser Sache vorläufig noch bedeckt.

Eine Pre-Beta-Version des neuen Betriebssystems wurde bereits unters Volk gebracht. Anfang 2009 soll der »richtige« Beta-Test starten. Und vielleicht bringt das Christkind dann bereits Ende kommenden Jahres die fertige Version.

Microsoft behauptet zwar steif und fest, man werde, wie geplant, erst 2010 mit Windows 7 auf den Markt kommen. Aber die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass der Software-Riese das noch einmal überdenkt, zumal jetzt bei vielen Privatleuten und Firmen das »Große Warten« begonnen hat – auf Windows 7.

Allzu große Neuerungen bringt Windows 7 nicht. Es ist Vista, so wie es ursprünglich einmal werden sollte, sagen böse Zungen (siehe Beitrag von Network Computing [7] und Information Week [8])

Mit Windows Server 2008 in den Virtualisierungsmarkt

Virtualisierung hat zwei Gesichter: Auf der einen Seite unterschätzen viele Anwender die Komplexität der Technik. Das bestätigen Systemhäuser, die Vmware [9], Xen-Citrix [10], xVM Virtual Desktop von Sun [11] oder die Software von Parallels [12] implementieren.

Auf der anderen Seite passt das Konsolidieren von Server- und Storage-System-Landschaften exzellent zur Wirtschaftslage, Stichwort »Weniger ist mehr«.

Mit Hyper-V will Microsoft die Vormachtstellung von Vmware im Bereich Virtualisierung brechen.

Mit Hyper-V hat auch Microsoft den Sprung in die Virtualisierungsarena gewagt. In einem ersten Test bewertete Network Computing die Technik mit einem »geht so« (siehe Test in Network Computing [13]). Dennoch ist davon auszugehen, dass Hyper-V den Konkurrenten das Leben schwer machen wird. Alleine deshalb, weil Microsoft Hyper-V als Teil Windows Server 2008 verschenkt.

Ab in die Wolke – mit »Windows Azure«

Und noch ein Hype-Thema, das Microsoft aufgegriffen hat: Cloud-Computing. Mit Windows Azure [14] will das Unternehmen sich ein Stück von diesem Kuchen sichern. So wie auch Amazon (»EC2«), Google (»App Engine«) oder Sun (»Network.com«). Es dürfte in diesem Segment im kommenden Jahr somit recht lebhaft zugehen, auch was Preisnachlässe betrifft.

Windows Azure heißt die Plattform, über die Microsoft Anwendungen via Internet bereitstellen wird.

Azure geht dabei einen Schritt weiter als das bloße Bereitstellen von Anwendungen wie Excel, Word oder Powerpoint via Web. Anwender sollen alle Arten von Applikationen »in der Wolke« nutzen können, vorausgesetzt, diese laufen auf Windows Server 2008.

Internet Explorer 8 soll Firefox in die Schranken weisen

Kein gutes Jahr war 2008 für den Internet Explorer 7: Der Web-Browser verlor Marktanteile an die Open-Source-Alternative Firefox. Nach Angaben der Internet-Analyse-Firma Onestat nutzten Ende November weltweit rund 81,4 Prozent der Internet-User den IE, fast 2 Prozent weniger als im Februar.

Internet Explorer 8 soll Firefox wieder Marktanteile abnehmen.

Mit 14,7 Prozent baute Firefox dagegen weltweit seinen Marktanteil aus. Jetzt soll IE 8 dieses Malheur vergessen machen. (Fast) alles wird laut Microsoft beim Internet Explorer 8 besser: die Orientierung an Web-Standards, die Sicherheit, das Handling.

Eine Geldkuh namens »Sharepoint«

Waren Vista und IE 7 aus Sicht von Microsoft nicht gerade die »Überflieger« des Jahres, so konnte der Konzern mit seiner Collaboration- und Content-Management-Suite »Sharepoint« hoch zufrieden sein.

Entwickelte sich für Microsoft zu einem Verkaufsschlager: die Collaboration- und Content-Management-Suite Sharepoint.

Fast eine Milliarde Dollar Umsatz brachte Sharepoint im Jahr 2008. Dank einer Software-as-a-Service-Version und verbesserten Suchfunktionen soll das Programmpaket auch 2009 ein »Renner« bleiben.

Die Chancen dafür stehen nicht schlecht, auch wenn Hauptkonkurrent IBM [15] sein Lotus Sametime grundrenoviert hat und Mr. Ballmer Dollars und Euros im Collaboration-Markt abspenstig machen möchte.

Nicht zu unterschätzen sind jedoch Sharepoint- und Exchange-Alternativen aus der Open-Source-Ecke, etwa Kerio [16] und Zarafa [17]. Solche Nischenanbieter könnten davon profitieren, dass die Anwender 2009 weniger Geld in ihre IT stecken können.

[1] http://www.gatesfoundation.org/Pages/home.aspx
[2] die-besten-pannen/
[3] microsoft-und-der-scherbenhaufen-yahoo/
[4] microsoft-will-in-europa-forschungszentrum-fuer-suchtechnologien-aufbauen/
[5] microsoft-plant-lokal-angepasste-suchmaschine/
[6] http://www.crn.com
[7] microsofts-neues-betriebssystem-erster-blick-auf-windows-7/
[8] http://www.informationweek.de/showArticle.jhtml?articleID=212001188
[9] http://www.vmware.com
[10] http://www.citrix.de
[11] http://www.sun.de
[12] http://www.parallels.com
[13] first-look-test-microsofts-virtualisierungssoftware-hyper-v/
[14] microsoft-stellt-mit-windows-azure-plattform-fuer-cloud-computing-vor/
[15] http://www.ibm.com
[16] http://www.kerio.de
[17] http://www.zarafa.com