In den Armen von Google:
Microsoft und der Scherbenhaufen Yahoo
Nicht nur, dass Microsofts Pläne, Yahoo zu übernehmen, wohl endgültig gescheitert sind. Das Kaufangebot hat Yahoo vielmehr in die Arme von Internetprimus Google getrieben, mit dem man nun zusammenarbeiten will. Ein herber Rückschlag für Microsofts Online-Strategie.
(Fortsetzung des Artikels von Seite 1)
Mit dem Kaufangebot hat Microsoft [1] einige Wirrungen zwischen sich und Yahoo [2] ausgelöst. Diese haben in den vergangenen Wochen geradezu epische Züge angenommen. Der Yahoo-Großinvestor Carl Icahn zeigt weiterhin großes Interesse an einem Zusammengehen der beiden Unternehmen. Trotzdem haben Vertreter von Microsoft und Yahoo bei einem Treffen am Sonntag dem Vorhaben eine Abfuhr erteilt. Microsoft hat zuletzt nur noch den Plan verfolgt, das Suchmaschinengeschäft aus dem Yahoo-Konzern herauszukaufen. Doch es hat von Yahoo eine klare Absage gegeben: Der Search-Bereich habe für das Unternehmen »strategische Bedeutung« und stehe daher nicht zum Verkauf, so der Yahoo-Vorstand in einer Erklärung.
Yahoo-CEO Jerry Yang hat sich gegen Microsoft behauptet.
Der Abwehrkampf gegen die Microsoft-Avance hat Yahoo jedoch in die Arme eines Dritten getrieben: Mit Internetprimus Google [3] hat das Unternehmen nun eine Zusammenarbeit im Werbegeschäft vereinbart. Demzufolge wird Yahoo in den USA und Kanada künftig die Resultate seiner Websuche mit Google-Anzeigen anreichern. Dabei handelt es sich um ein nicht-exklusives Abkommen: Für die thematische Nähe von Suchanfrage und eingeblendeter Werbung ist Yahoo verantwortlich. Yahoo hat in einer Mitteilung erklärt: Es erwarte von der Zusammenarbeit zusätzliche Einnahmen in Höhe von 800 Millionen Dollar pro Jahr. »Wir sind überzeugt, dass die Konvergenz von Suche und Web-Anzeigen die wichtigste Neuentwicklung auf dem Online-Werbemarkt ist. Die Kooperation mit Google bringt uns hier einen bedeutenden Schritt nach vorne«, würdigt Yahoo-CEO Jerry Yang die Zusammenarbeit.
Bleibt Microsoft im Internet auf der Strecke?
Microsoft sieht nun nicht nur seine Bemühungen, Yahoo zu übernehmen, am Ende, sondern hat auch unwillentlich dazu beigetragen, seine Wettbewerber zu stärken. Sowohl bei der Internetsuche wie im Bereich Onlinewerbung bleibt der Softwaregigant weiter auf sich alleine gestellt. In den letzten Wochen ließen sich auch neue Initiativen in diesem Gebiet beobachten. Darunter ist der Versuch gewesen, mit einem Cashback-Programm Microsofts »Live Search« neue Popularität zu verschaffen (CRN berichtete [4]). Doch liegt der Softwarekonzern im Internet deutlich hinter seinen Konkurrenten: So kommt Google in den USA bei der Internetsuche mittlerweile auf einen Marktanteil von über 60 Prozent. Danach folgt Yahoo mit rund 20 Prozent, und Microsoft kommt als abgeschlagener Dritter auf circa neun Prozent.
Ein ähnliches Bild bietet sich auch im Bereich Onlinewerbung. Hier hält Google nach der Übernahme von Double-Click einen Marktanteil von rund 60 Prozent. Bei Yahoo sind es circa 20 Prozent und Microsoft hat lediglich etwa zehn Prozent. Die Redmonder tun sich bereits mit der Frage schwer, wie sie auf die Online-Software-Services von Google und Co. reagieren sollen (CRN berichtete [5]). Nun läuft Microsoft auch Gefahr, bei Websuche und Internetwerbung den Anschluss zu verlieren. Hoffnung bieten da vielleicht noch die Wettbewerbsbehörden: Diese müssen die vereinbarte Zusammenarbeit von Yahoo und Google erst noch genehmigen. Wegen der großen gemeinsamen Marktmacht der beiden Unternehmen haben Kartellrechtsexperten hier noch Zweifel.
Mit freundlicher Genehmigung von Computer Reseller News [6]
[1] http://www.microsoft.com/germany
[2] http://www.yahoo.de/
[3] http://www.google.de/
[4] http://www.crn.de/showArticle.jhtml?articleID=208200221
[5] http://crn.de/showArticle.jhtml?articleID=208401100
[6] http://www.crn.de/
- 1. Seite: Microsoft und der Scherbenhaufen Yahoo
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