Noch keine Konkurrenz:
Thema der Woche: PDF versus XPS

von Werner Veith (werner.veith@networkcomputing.de), Christian Raum

02.06.2008

Adobe und Microsoft sind sich einig: der Konflikt zwischen den Unternehmen auf Grund der – angeblich – miteinander konkurrierenden Formate PDF und XPS (»XML Paper Specification«) sei von den Medien aufgebauscht worden.

(Fortsetzung des Artikels von Seite 4)

In zwei Teilen beleuchtet Network Computing das Thema mit Statements verschiedener Hersteller. Im ersten Teil kommen die Beiträge von Adobe, Kyocera, Microsoft und NSI Europe. Ein Hintergrundbeitrag beschließt den ersten Abschnitt. Nächste Woche folgen die Statements von Compart, Luratech, TDS und Xerox.

Ein universales Instrument

»Ein PDF ist ein autarkes digitales Dokument für alle Betriebssysteme. Es bindet Geschäftsdaten, Businesslogik und Visualisierung in eine Datei ein«, erklärt Christoph Sahner, Pressesprecher von Adobe Deutschland [1]. Bei Adobe stehe PDF als Kerntechnologie im Zentrum von Lösungen für den Unternehmenseinsatz. Adobes Geschäftsmodell sei es, Produkte und Mehrwerte um dieses Format herum anzubieten.

Christoph Sahner, Presse-sprecher von Adobe Deutschland

»PDF ist eine Universalsprache für digitale Dokumente und unser Unternehmen verdient Geld mit businessrelevanten Funktionalitäten für Output, Sicherheit, Formulare, Geschäftsprozesse sowie Publizieren.«

Dabei sei es im Interesse des Unternehmens und seiner Kunden, dass das Format offen gelegt und standardisiert sei. Das gebe übrigens auch anderen die Möglichkeit, PDFs zu erstellen und mache PDF unter anderem auch als zertifizierten Archivierungsstandard zeit- und herstellerunabhängig.

Konkurrenz zu PDF nicht beabsichtigt

Microsoft biete Basistechnologie und Produkte an, aus denen die Partner eigene Produkte, Lösungen und Anwendungen aufbauen. Und diese nutzen neben den Dokumentenformaten »OpenXML« oder »XPS« noch eine große Zahl anderer Formate, so Markus Weisbrod, Technical-Product-Marketing-Manager, Business-Group Information-Worker bei Microsoft [2].

Markus Weisbrod, Technical-Product-Marketing-Manager, Business-Group Information-Worker, Microsoft

»Wir unterstützen sehr viele Formate – auch PDF – damit unsere Kunden mit unseren Produkten den bestmöglichen Nutzen erzielen können.« Eine Konkurrenz zwischen XPS und PDF sei niemals gewollt gewesen.

XPS keine Wahl im Dokumentenworkflow

Im Bereich verteiltes Scannen sei PDF das absolut dominierende Format und werde in fast 100 Prozent der Projekte verlangt, erklärt Enno Lückel, Geschäftsführer der NSi Europe [3]. »Zunächst liefern die Geräte nur Bilder als Tiff-Dateien, die wir in PDF oder demnächst auch in PDF/A wandeln. Die Nachfrage nach XPS sehen wir im Moment bei null.«

Enno Lückel, Geschäfts- führer, NSi Europe

Dass XPS aber langfristig kommen werde, stehe nicht in Frage, so Lückel weiter: »Immerhin steht die Technologie am Anfang und ist heute bei den Anwendern kaum bekannt. Aber die Technologie ist schon deshalb spannend, weil in den nächsten Jahren alles auf das elektronische Dokument hinaus läuft.«

Das Produkt »NSi Autostore« sei als Digitalisierungsplattform zwischen die Multifunktionsgeräte und die Dokumenten-Workflow-Systeme der Anwender geschaltet. Aber der Trend gehe dahin, dass die Anwender die Software als Routingtool einsetzen. »Dann hat XPS natürlich viele Vorteile: Die Anwender können den Dokumenten Daten und Informationen mit auf den Weg geben.«

Kein dringender Bedarf für XPS

Die XML-Paper-Specification, kurz XPS, wird von Kyocera [4] als ein weiteres Format für Druckdaten und Dokumente, etwa aus Scan-Vorgängen heraus, in künftigen Modellen unterstützt. Neben den etablierten Formaten wie Tiff, PDF, JPG, PCL oder Postscript wird mit XPS ein Format unterstützt, welches zur Zeit noch sehr eng an einen einzigen Hersteller und dessen Applikationen gebunden ist. Derzeit werden von Kyocera die Dokumente im XPS-Format beim Druck in PCL- oder Postscript-Formate umgewandelt: Ein Ausdruck ist also schon jetzt möglich.


Wir gehen davon aus, dass im Laufe der Zeit insbesondere größere Hersteller ihre Applikationen mit XPS-Unterstützung ergänzen werden. Allein das Windows-Vista-Logo führen zu dürfen, ist ein Grund. Ein dringender Bedarf für ein weiteres Format besteht aus unserer Sicht allerdings nicht. Denn für den Dokumentenaustausch und Archivierungszwecke gibt es mit PDF und PDF/A zwei Formate, die in ihrer Leistungsfähigkeit derzeit über XPS liegen. Das gilt etwa im Hinblick auf die ISO-Standardisierung, eingebettete Druckfunktionen oder Farbräume.

Für Druckanwendungen steht mit PCL XL eine sehr schnelle Seitenbeschreibungssprache zur Verfügung. Wenn transparente oder archivierbare Druckdaten verlangt sind, steht Postscript zur Verfügung. Mit Einschränkungen gilt das auch für PCL5e. Hier muss also erst die Praxis zeigen, ob sich der von Microsoft beworbene Geschwindigkeitszuwachs realisieren lässt. Ingesamt betrachtet ist XPS ist ein Format, das von Microsoft sehr gut und ausführlich dokumentiert wird. Das Unternehmen wird die Integration in Betriebssystem und Applikationen sicherlich weiter vorangetreiben. Von Herstellerseite aus kann man die weitere Entwicklung auf dem Markt pragmatisch sehen: Die Kunden werden entscheiden. Eine nennenswerte Verbreitung wird aber mit Sicherheit noch einige Zeit brauchen.

Frank Strotmann,

Produktspezialist für Software & Lösungen,

Kyocera

XPS und PDF – die Hintergründe
Um Prozesse und Druck in der Microsoft-Umgebung zu verbessern, liefert das Unternehmen das Druckformat »XPS« gemeinsam mit Vista aus. Da sich XPS-Dateien so verhalten wie PDF-Dokumente diskutieren die Experten, welche Lösungen auf Basis von XPS neben dem Drucken noch möglich sind.

Mit PDF ist das Thema »Formate« erstmals für Nicht-Techniker interessant geworden. Denn die drei Buchstaben »PDF« sind heute das Synonym für ein digitales Dokument, mit dem Anwender über Dokumentenworkflows ähnlich wie mit Papier arbeiten. Voraussetzung ist ein Erstellungsprogramm, das wie ein Drucker den aktuellen Stand einer Dokumentendatei einfriert und unabänderlich als PDF-Dokument ausgibt. In den Schreibprogrammen der PCs erstellen die Anwender ihre Dokumente üblicherweise in den Dateiformaten RTF, DOC oder – falls sie Vista und/oder Office 2007 nutzen – Open-XML. Diesen Formaten ist gemeinsam, dass sie nicht gedruckt werden können. Bislang mussten die Computer die Dateien für die Druckaufbereitung in Formate konvertieren, die nicht von Microsoft sind.

Das Neue am Format XPS ist, dass es das Ergebnis einer von Microsoft entwickelten Druckaufbereitung darstellt. Gleichgültig, ob ein Dokument in Word, Excel oder im Outlook erstellt wird, der Drucker erhält eine XPS-Datei. Gleichzeitig aber verhält sich eine XPS-Datei ähnlich wie ein PDF-Dokument. Anwender können ein XPS-Dokument mit einem Viewer öffnen, ähnlich wie ein Papierdokument lesen und weiter schicken. Für weitere Bearbeitungsoptionen, die XPS mit PDF vergleichbar machen würden, fehlen allerdings die entsprechenden Applikationen auf dem Markt.

Was die gesamte Situation noch unübersichtlicher macht, ist, dass PDF inzwischen auch als Druckformat behandelt wird. Dabei geht es nicht nur um den Büroeinsatz und den Prepress-Bereich, sondern zunehmend auch um Highvolume-Druck. Obwohl Adobe und Microsoft mit ihren Formaten zwei völlig unterschiedliche Wege gegangen sind, treffen sie sich am Ende in allen Bereichen wieder. Entscheidend wird sein, wie die Partner von Adobe und Microsoft die Formate in ihre Produkte und Lösungen integrieren und weiter entwickeln.

[1] http://www.adobe.com/de/
[2] http://www.microsoft.de/
[3] http://www.nsius.com/
[4] http://http://www.kyocera.de/

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