Test Open Suse 10.3:
Der grüne Desktop
Anstelle wehender Fahnen oder angebissener Äpfel könnten auch Chamäleons die Desktops künftiger Business-Arbeitsplätze schmücken.
Die Beliebtheit von Microsofts Windows-Vista hält sich in Grenzen, besonders bei den Business-Anwendern. Hier kommt nach wie vor XP zum Einsatz. Doch früher oder später wird den Anwendern von Windows keine Wahl mehr bleiben. Schon heute verkaufen verschiedene Computer-Hersteller Geräte, für deren Komponenten sie gar keine XP-Treiber mehr fertigen.
Viele Nutzer planen daher den Umstieg auf ein anderes Betriebssystem. Die Ablehnung von Vista treibt besonders kleinere Unternehmen zu Apple. Andere Anwender prüfen den Umstieg auf Linux.
Bereits im Oktober 2007 hat Novell zudem die Version 10.3 der frei verfügbaren Linux-Version Open-Suse auf den Markt gebracht. Network Computing hat diese Distribution parallel zu Ubuntu 7.10 mehreren längerfristigen Tests als Desktop-Ersatz für Windows unterzogen. Als Plattformen kamen dafür sowohl herkömmliche AMD/Intel-Client-PCs als auch Notebooks wie ein HP Compaq nx6110 und ein IBM-Thinkpad T43p zum Einsatz.
Hardware in guten Händen
Zu den herausragenden Merkmalen der Open-Suse-Distribution gehört die vorbildliche Hardware-Unterstützung. Im Test fällt das ganz besonders bei Notebooks auf. Die Installationsroutine erkennt fehlerfrei die LAN/WLAN-Adapter und lädt die passenden 3D-beschleunigten Grafiktreiber. Auch die ACPI-Funktionen und das Power-Management hat das Linux mit dem Chamäleon »Geeko« als Maskottchen perfekt im Griff. Auf beiden Test-Notebooks arbeiten die Features Suspend-to-Disk und Suspend-to-RAM ohne Probleme. Im direkten Vergleich patzt Ubuntu 7.10 bei der ATI-Grafikkarte des T43p und dem WLAN-Adapter des nx6110. Zudem funktioniert die Suspend-to-Disk-Funktion nicht beim IBM-Notebook.
Die mitgelieferten Softwarepakete enthalten bei 10.3 alle nötigen Standard-Applikationen wie Browser, Open-Office-Paket und etliche Tools. Open-Suse liefert eine Reihe freier Programme mit, die allerdings nicht unter der GPL-Lizenz vertrieben werden. Dazu zählen unter anderem der Acrobat-Reader, Abobe-Flash oder der Real-Player. Nur wenige andere Distributionen liefern diese Tools mit dem Basis-Repository aus. Die System- und Softwarekonfiguration erfolgt unter Suse seit jeher mit dem hauseigenen Tool Yast. Dessen Bedienung ist gewöhnungsbedürftig, vor allem, wenn der Anwender vorher mit anderen Tools wie Synaptic gearbeitet hat.
Die Auswahl an zusätzlichen Applikationen fällt ein bisschen magerer aus als bei Ubuntu. Eine Reihe erweiterter online-Quellen verbessert das Angebot. Doch einige Spezialapplikationen finden sich auch im Internet nicht als fertiges Binärpaket für Suse. Leicht problematisch gestaltet sich auch die Multimedia-Unterstützung. Auch gibt es Online Quellen, um Tools wie ffmpeg, xvid oder divx nachzurüsten, die sich im Test jedoch nicht mit allen installierten Playern nutzen lassen.
Dank RPM als Paketmanager kann Suse viele kommerzielle Programme in binärer Form einspielen. Auch die Vmware-Workstation läuft unter der Novell-Dsitribution. Probleme gibt es im Test hingegen mit Google-Earth, das sich bei jedem Start mit einem »Bus-Zugriffsfehler« verabschiedet.
Ebenfalls gewöhnungsbedürftig erscheint das Standard-Startmenü des Gnome-Desktops. Fedora oder Ubuntu sortieren alle installierten Anwendungen in verschachtelte Untermenüs ein. Das kann jedoch schnell unübersichtlich werden. Die Novell-Distribution zeigt ein größeres Menü, das jedoch nur die »Bevorzugten Anwendungen« und – dann allerdings in Englisch – »recent Appliacation« enthält. Alle weiteren Programme listet der Application-Browser auf.
Diese Menüorganisation erscheint anfangs umständlicher, da dieUser mehr Arbeitsschritte benötigen, um zu eher selten gestarteten Anwendungen zu gelangen. Mit der Zeit lernen sie das Interface jedoch zu schätzen, da der Application-Browser einfach mehr Übersicht als das verschachtelte Starmenü offeriert. Zudem hindert den Anwender nichts daran, seine Favoriten als Links auf den Desktop zu packen.
Fazit: Open Suse 10.3 überzeugt vor allem durch seine umfassende Hardware-Erkennung und -Unterstützung sowie eine übersichtliche und sehr einfach zu bedienende Oberfläche. Leichte Schwächen zeigt die Distribution bei den zusätzliche Softwarepaketen und hier und da auch bei der Lokalisation.
ast@networkcomputing.de
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