Interview zu Cloud-Computing in der Praxis: Parallels warnt vor Fesseln bei Hosting und Cloud

John Zanni ist Vice President Service Provider Marketing and Alliances bei Parallels. CRN.de sprach mit ihm über vertragliche Fesseln bei Hosting- und Cloud-Dienstleistungen - und was Unternehmen dagegen unternehmen können.

John Zanni ist Vice President Service Provider Marketing and Alliances bei Parallels.

Warum versuchen Anbieter von Hosting- und Cloud-Dienstleistungen ihre Kunden mit technischen und vertraglichen Fesseln an sich zu ketten - sogenanntes Lock-in - und warum lassen Kunden ihnen das durchgehen?

Zanni: Es gibt zwei Hauptgründe: Je länger ein Cloud Service Provider einen Kunden behält, desto profitabler wird dieser Kunde für den Anbieter. Für einen Bestandskunden braucht man keine Marketing-Dollar auszugeben, um ihm den Service zu verkaufen, den er schon nutzt. Auch zeigen die Zahlen, dass Bestandskunden im Vergleich zu Neukunden eine höhere Bereitschaft aufweisen, von ihrem Anbieter weitere Services zu kaufen. Wenn der Kunde mehrere Services von einem einzigen Service Provider kauft, hat der Service Provider die Möglichkeit, dem Kunden einen besseren Service zu bieten - mit Sigle-Sign-On, einer Rechnung für alle Dienste, integrierte Services und eine einheitlicher Benutzeroberfläche.

Dieser zweite Grund ist sehr überzeugend für Kunden. Sie bevorzugen es, einen einzigen zuverlässigen Lieferanten zu haben, der alle IT-Dienste aus einer Hand bietet. Viele sind bereit, sich auf einen Anbieter festzulegen, der eine solche Nutzererfahrung bietet. Darum akzeptieren Kunden ein gewisses Maß an Lock-in.

Ist Lock-in aus Ihrer Sicht üblicher Standard, oder eine Bedrohung?

Zanni: Lock-In ist nur eine Bedrohung, wenn es das Business des Kunden stören kann. Einige Beispiele für eine solche Störung wären die Unmöglichkeit, auf Daten zuzugreifen oder zu kommunizieren; Services, die nicht sicher oder aktuell sind; die Unfähigkeit, sich mit den Geschäftsbedürfnissen des Kunden weiterzuentwickeln; Preise, die nicht im Einklang mit dem Markt stehen.

Wie können Unternehmen die Nachteile des Lock-in vermeiden oder umgehen?

Zanni: Die gute Nachricht ist, dass die Nachteile eines Lock-in durch den Anbieter leicht vermieden werden können. Es gibt vier Bereiche, die berücksichtigt werden sollten: Firmen sollten ihre eigene Domain besitzen und nicht Teil einer anderen Unternehmensdomain sein, damit ihre Identität unabhängig ist. Die Webseite sollte ein Tool benutzen, das es dem Kunden einfach macht, die Webseite zu aktualisieren und bei Bedarf den gesamten Inhalt zu migrieren. Es sind viele Tools im Markt, um von einer E-Mail-Plattform zu einer anderen zu migrieren. Zum Beispiel von Microsoft Exchange zu GoogleApps und auch andersherum. Der Kunde muss nur sicherstellen, dass der Anbieter kein proprietäres System benutzt, das über keine Migrationstools verfügt, und dass der Kunde seine E-Mail-Adressen behalten kann.

Cloud Services machen es kleinen Unternehmen möglich, von innovativen Business-Applikationen zu profitieren, die als Software-as-a-Service angeboten werden. Es gibt viele Unternehmen, die sich darauf spezialisieren, diese Daten von einem System auf ein anderes zu migrieren. Der Kunde muss sich nur vergewissern, dass dies möglich ist. Er sollte auch prüfen, dass seine Daten sicher sind und auf Anfrage entfernt werden können. Was einen Wechsel von einem Anbieter zum anderen erschwert, sind die kundenspezifischen Anpassungen. Daher sollten individuelle Anpassungen nur gemacht werden, wenn sie zwingend erforderlich sind. Bei Parallels setzen wir uns für APS 2.0 als Standard ein, um Cloud Services noch tiefer in die Wertschöpfungskette zu integrieren. Auf diese Weise können Value-Added-Reseller und Cloud-Service-Anbieter ihren Kunden eine überzeugende User Experience bieten, ohne sich um die Integration der einzelnen Dienste kümmern zu müssen.

(Titelbild: Sergey Nivens - fotolia.com)

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