Einheitliches Betriebssystem für alle Clients: Ungewisse Aussichten für Windows 8

Bei PCs und Notebooks dominiert Microsoft unangefochten, bei Smartphones und Tablets hingegen ist der Softwareriese bislang nur Zaungast. Die neue Windows-Version soll als Einheitsbetriebssystem nun das Blatt wenden. OEM-Partner und Distributoren, ISVs und Integratoren stehen in den Startlöchern, die Unwägbarkeiten sind allerdings beträchtlich.

Der von Windows Phone und Mobiltelefonen bekannten Kacheloberfläche soll in der Microsoft-Welt auch auf anderen Plattformen die Zukunft gehören. (Bild: Microsoft)

Am 26. Oktober wird Windows 8 auf den Markt kommen und die Welt der Client-Betriebssysteme verändern. Das neue Windows bietet eine neue Benutzeroberfläche (UI, User Interface) mit dem Code-Namen Metro, der dann aus rechtlichen Gründen gestoppt wurde, und neue Programmierschnittstellen (APIs, Application Programming Interfaces) namens WinRT (Windows Runtime). Technologisch versucht Microsoft damit einen großen Wurf: Das neue System soll alle Arten von Clients steuern – traditionelle Desktop-PCs und Laptops, die mit Chips in Intels x86-Architektur arbeiten und per Tastatur und Maus zu bedienen sind, ebenso wie neuere Tablet-Rechner und Smartphones, die stromsparende Chips nach ARM-Bauart verwenden und über einen Touchscreen verfügen. Noch fehlt die letzte Klarheit, wie einheitlich die neue Betriebssoftware über die unterschiedlichen Hardware-Plattformen und -Displays hinweg wirklich ausfallen wird.

Microsoft kümmert sich bei Windows 8 unterdessen selbst um die Hardware: Der Softwarehersteller will ein Tablet namens Surface auf den Markt bringen, um ähnlich wie Apple alles unter Kontrolle zu haben und das Optimum herauszuholen. Bei den Smartphones hat Microsoft-CEO Steve Ballmer zusammen mit Nokia-CEO Stephen Elop Anfang September ein neues Gerät vorgestellt, auf dem das neue Handy-Windows laufen wird. Nokia, einst Marktführer in diesem Segment, kämpft inzwischen gegen den Niedergang und setzt bei den Betriebssystemen ausschließlich auf Windows Phone.

Wenn Windows 8 kein durchschlagender Erfolg wird, dürften Ballmers Tage als Microsoft-Chef gezählt sein, unken Wirtschaftsmedien. In der Tat erwirtschaftet Microsoft den Großteil des Gewinns nach wie vor mit dem PC-Betriebssystem Windows und dem zugehörigen Büropaket Office. Inzwischen werden jedoch mehr Tablets und Smartphones verkauft als PCs und Notebooks, und der Trend setzt sich fort. Bei diesen neueren Endgeräten ist Microsoft bislang Zaungast. Einst bildete die Allianz mit Intel die Grundlage eines Monopols, doch mit der Ausbreitung leichtgewichtiger mobiler Endgeräte ging die Alleinherrschaft bei den Clients verloren. Die Allianz wurde zur Fessel und führte dazu, dass Microsoft nun als Späteinsteiger versuchen muss, im rasch wachsenden Tablet-Markt doch noch signifikante Marktanteile zu erringen. Die Auguren des Marktforschungsunternehmens IDC trauen Microsoft zu, hier binnen fünf Jahren rund zwanzig Prozent zu erreichen, wenn die Preise und die Formfaktoren stimmen.

Besonders rasant vollzieht sich der Wandel bei den Konsumenten: Dort ersetzen Tablets oft Notebooks, wie IDC-Analyst Al Gillen ermittelt hat. In diesem Segment nimmt bekanntlich Apple eine Vorrangstellung ein, Google zieht mit seinem kostenlosen Betriebssystem Android und zahlreichen Hardware-Partnern inzwischen nach. In den Unternehmen sind Tablets hingegen zusätzliche Produkte, die traditionelle PCs für bestimmte Einsatzwecke ergänzen oder als Zweit- oder Drittgerät des Mitarbeiters verwendet werden.