Chef der IBM-Sparte Rational im CRN-Interview: »Wir verfolgen einen Ansatz zur losen Kopplung von Tools«

Die von IBM vor neun Jahren zugekaufte Softwareentwicklungssparte Rational versucht seit langem, die Zusammenarbeit effizienter zu gestalten. Ein neuerer Ansatz namens Open Services for Lifecycle Collaboration will Tools unterschiedlicher Hersteller verbinden, wie Kristof Kloeckner, der als General Manager den Geschäftsbereich Rational Software weltweit verantwortet, im Interview mit CRN darlegt.

Kristof Kloeckner, General Manager, Rational Software, IBM

CRN: Herr Kloeckner, die Werkzeuge von Rational werden zur Entwicklung von kaufmännischen, aber auch von technischen Anwendungen eingesetzt. Wie verteilt sich das in etwa?

Kloeckner: Zwei Drittel des Rational-Geschäfts laufen im traditionellen Bereich der Unternehmens-IT, ein Drittel im Bereich Complex and Embedded Systems. Ein Auto ist heute geradezu ein Rechenzentrum auf Rädern. Wir reden viel über die Consumerization der IT, aber an diese Aspekte denkt man oft nicht.

CRN: Was kennzeichnet die Softwareentwicklung heute?

Kloeckner: Wir haben eine ungeheuere Komprimierung der Entwicklungszyklen. Banken haben bei kundenspezifischen Anwendungen heute Zyklen im Monats- oder sogar Wochenbereich. Dabei geht es zwar nicht um Transaktionen, sondern um CRM, aber trotzdem: Vor ein paar Jahren wäre das noch nicht denkbar gewesen. Der hergebrachte Entwicklungsprozess kommt mit dem Tempo nicht mehr zurande, das bei mobilen Anwendungen angeschlagen wird. Deshalb denken Kunden in diesem Bereich über den gesamten Prozess nach. Der Prozess gibt einen Rahmen vor. Was Prozesseffizienz ausmacht, hängt dann von den Anforderungen der Anwender ab. Sie müssen entscheiden, was sie messen. Tools können ihnen helfen, Prozessdisziplin durchzusetzen. In der Automobilindustrie gibt es zum Beispiel Sicherheitsstandards, die eingehalten werden müssen. Wenn etwas schiefgeht, muss man nachweisen können, dass es nicht an der eigenen Abteilung gelegen hat.

CRN: Das klingt nach mehr Reglementierung. Es gibt gegenläufige Ansätze, von dem bürokratischen Vorgehen bei der Softwareentwicklung wegzukommen. Agile Vorgehensweisen versprechen bessere Zusammenarbeit und raschere Ergebnisse.

Kloeckner: Das ist kein Widerspruch. Sie können nur agil sein, wenn sie diszipliniert sind. Der Widerspruch zwischen der Freiheit des Entwicklers und der Kontrolle durch das Management ist konstruiert. Wenn man Sichtbarkeit schafft, weiß man, wo sich der Prozess befindet und auf welche Anforderungen sich ein Programm bezieht. Dann kann man im Team besser kommunizieren und zusammenarbeiten, weil alle dieselben Informationen haben, denselben Kontext. Unser Ansatz dazu ist die Plattform Jazz. Das Architekturprinzip dahinter nennen wir Linked Data: Es ermöglicht die Verknüpfung von Werkzeugen unterschiedlicher Hersteller. Man verschickt nicht Daten, sondern verweist mir URLs auf sie, wie im Internet. Wir nennen das OSLC: Open Services for Lifecycle Collaboration. Im World Wide Web Consortium gibt es eine Arbeitsgruppe, die sich damit befasst. Wir haben eine Initiative dazu gestartet, an der sich über 140 Unternehmen beteiligen. Da sind Firmen dabei, die mit IBM konkurrieren, wie Oracle, ferner Firmen aus dem Industriebereich, beispielsweise Siemens. Ein Drittel dieser Unternehmen ist sehr aktiv. Es bewegt sich einiges. Das Ziel ist, eine geschlossene Prozessstrecke von der Entwicklung bis zur Bereitstellung zu haben.

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