Keine Lust auf Twitter: Dem Deutschen liegt das twittern nicht

Im innereuropäischen Vergleich halten sich Deutschen beim Microblogging-Dienst Twitter deutlich zurück. Weniger als zehn Prozent der Internetnutzer zwitschern ihre Nachrichten in die Welt, in Spanien sind es fast dreimal so viele.

Die ganze Welt ist vom Twitter-Fieber infiziert, bei Großereignissen läuft inzwischen oft schon längst eine weltweite Diskussion mit Millionen von Beteiligten über den Microblogging-Dienst, bevor die Nachrichtenagenturen und klassischen Medien reagieren können. Weltweit zählt Twitter inzwischen über eine halbe Milliarde Nutzer, und Europa twittert fleißig mit. Die drei deutschsprachigen Länder zeigen sich dabei jedoch bisher relativ zurückhaltend. Im Vergleich zu den europäischen Nachbarn sortiert sich Deutschland mit 7,1 Prozent der Internetnutzer die auch twittern im hinteren Feld ein. Nur die Dänen (6,9 Prozent), Österreicher (5,5 Prozent) und Polen (5,2 Prozent) geben sich noch schreibfauler. Unter den Schweizern twittern statistisch gesehen immerhin 8,2 von 100 Besitzern eines Internetanschlusses.

Verglichen mit der Spitzengruppe ist auch das jedoch regelrecht zugeknöpft: Klarer Spitzenreiter sind die Briten mit einer Quote von 22,8 und die Spanier mit 20, 5 Prozent, gefolgt von den Iren mit 15,3 Prozent. Während der ewige Anwärter-Anwärter Türkei sich beim Umsetzen mancher europäischer Standards noch bemüht, preschen die Türken beim Twittern voran. 31,7 Prozent der Internetanschlüsse in der Türkei werden auch den Kurznachrichtendienst genutzt. Gleichzeitig räumt die Statistik mit einigen Vorurteilen auf: So schaffen es beispielsweise die gerne für geschwätzig gehaltenen Italiener lediglich auf 10 Prozent.

Ein weiteres interessantes Bild ergibt sich, wenn man diese Zahlen neben Statistiken zur Bevölkerungszahl und ihrer Internetversorgung legt. Denn fast alle Länder in denen Twitter relativ wenig genutzt wird, gehören gleichzeitig zu den Gebieten mit der höchsten Internetversorgung. Knapp 80 Prozent der Haushalte in Deutschland und Österreich sind mit einem Internetanschluss versorgt, in Spanien sind es nur etwas über die Hälfte. In Ländern, in denen der Markt relativ gesättigt ist, scheint die Lust am Twittern somit zu sinken. Wichtigste Ursache hierfür ist, dass Twitter besonders stark von jüngeren Generationen genutzt wird, die bereits sehr Internet-affin und mit Social Media vertraut aufwachsen. Somit sinkt bei weiterer Internetverbreitung in der Bevölkerung der relative Einfluss dieser Gruppe. Gleichzeitig zeigt sich jedoch auch ein unterschiedliches Nutzerverhalten in einzelnen Ländern. Unter den laut eigenen Angaben fast fünf Millionen Twitter-Nutzern in Deutschland setzen im europäischen Vergleich relativ wenige selbst Nachrichten ab. Twitter wird somit von vielen eher als passiver Nachrichtenfeed genutzt, denn als aktives Kommunikationstool.