Zärtlichkeit 2.0: »Kissenger« ermöglicht Fern-Küsse per Internet

Ein Wissenschaftler aus Singapur will Paaren in Fernbeziehungen helfen, denen die ewige Videotelephonie zu steril ist. Mit seinem »Kissenger« lassen sich leidenschaftliche Schmatzer über tausende Kilometer auf zwei Silikonlippen übertragen.

Jeder, der schon einmal das besondere Erlebnis einer Fernbeziehung genießen durfte, kennt das Problem: Auch wenn die modernen Kommunikationsmittel die regelmäßige Trennung auf Zeit etwas vereinfachen, so fehlt den Parteien bei ihren gemeinsamen virtuellen Stunden doch meist trotzdem ein wenig das haptische Erlebnis eines realen Partners, der einem zärtlich über die Wange streichelt oder einen sanften Gute-Nacht-Kuss gibt. Ein untragbarer Zustand, wie sich auch der Forscher Dr. Hooman Samani aus Singapur dachte. Samani ist einer der Begründer der Lovotics-Bewegung, die es sich zum Ziel gesetzt menschliche Liebe und Robotertechnik zusammen zu bringen.

Nach einigem Nachdenken über das Problem hat er als Lösung jetzt seine Erfindung »Kissenger« vorgestellt, deren Name eine Mischung aus Kiss (Küssen) und Messenger (Bote) ist. Das Ding sieht auf den ersten Blick ein bisschen aus wie ein Furby. Doch statt eines Fells, wie es die etwas einfach gestrickten elektronischen Kuschelfreunde aus den 90er Jahren trugen, hat der nackte Kissinger einen USB-Anschluß zum Aufladen und eine große Silikonlippe. Wenn nun beide Partner einen Kissenger per Bluetooth mit ihrem Rechner verbinden, können sie sich über viele Videochatprogramme wie Skype endlich auch »echte« Küsschen schicken. Dazu messen Drucksensoren die jeweiligen Kussbewegungen und übertragen sie an die Vibrationsmotoren des Gegenstücks.(Video siehe Seite 2)

Ich kenn Dich nicht, aber ich küsse Dich trotzdem - vielleicht wird aus dem Plastikfrosch ja dann meine Rosen-Prinzessin? (Bild: Lovotics)

Dabei beherrscht Kissenger sogar drei unterschiedliche Kuss-Modi, und damit mehr als so mancher echte Zeitgenosse:

  1. Mensch zu Mensch Fernkuss: Die Kissenger erspüren gleichzeitig auf beiden Seiten der Leitung die jeweiligen Lippenbewegungen und übertragen sie jeweils direkt zum Partner am anderen Ende der Leitung. Der Kuss wird sozusagen direkt über das Internet übertragen.
  2. Mensch zu Maschine Kuss: Diese Variante soll laut Samani künftig »eine innigere Beziehung zu Robotern in unserem Umfeld erlauben«. Neben der für den durchschnittlichen Europäer noch etwas gewöhnungsbedürftigen Vorstellungen, sich in einen Roboter zu verlieben, soll sich diese Methode auch dazu eignen, Trockenübungen im Küssen zu praktizieren. Damit sich beim nächsten Date keine allzu große Nervosität einstellt und man souverän mit perfekt gespitzten Lippen aufwarten kann.
  3. Mensch zu virtuellem Charakter Kuss: Der Erfinder verspricht, dass sich mit dem Kissenger auch virtuelle Charaktere knutschen lassen. So kann auch der geneigte WOW-Zocker »Firetail Berzerkur« endlich seine seit Jahren angebetete virtuelle Freundin, die Nachtelfin »Randalikerin 229« einmal ganz herzlich abbusseln.

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