Datev und die Digitalisierung: Vom Steuerbürger zum Mandanten

Mit einer Satzungsänderung wollte Datev auch Privatpersonen ansprechen können, die nötige Dreiviertelmehrheit wurde jedoch knapp verfehlt.

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Die geplante Satzungsänderung sorgte für eine gewisse Unruhe in der Community. Viele Mitglieder vermuteten, dass sich die genossenschaftlich organisierte Datev an den Genossen, also den Steuerberatern vorbei direkt an die Mandanten wenden wolle. Dem tritt Datev im Gespräch mit CRN entgegen und erklärt, was Sinn und Zweck des Versuchs der Satzungsänderung war. Lars Meyer-Pries, Mitglied der Geschäftsleitung und Leiter strategische Entwicklung bei Datev, sagt dazu: »Eine zentrale Entwicklung im Rahmen der digitalen Transformation ist das Aufkommen disruptiver Geschäftsmodelle, in deren Zuge sich digitale Plattformen und Portale zwischen etablierte Kunden und Lieferanten- und Dienstleisterbeziehungen schieben.« Dadurch gehe die Pole Position des Dienstleisters beim Kunden verloren. Wie dramatisch solche Plattformen das Marktgeschehen verändern könnten, zeigten die Beispiele aus Hotellerie und Taxibranche eindringlich. Damit müsse sich auch der steuerberatende Berufstand auseinandersetzen. Denn die leben ja hauptsächlich von Buchungen, die zukünftig im Zuge der Digitalisierung vielleicht von einer KI automatisiert durchgeführt werden.

»Für die einzelne Kanzlei ist es in diesem Portalumfeld sehr schwer, wahrgenommen zu werden. Wie die Geschichte der Datev belegt, besteht die Stärke der Genossenschaft darin, Herausforderungen zu meistern, die den Einzelnen an seine Grenzen bringen.« Deshalb möchte Datev der Entwicklung Rechnung tragen und selbst eine Plattform bauen und gestalten, die im Sinne der Genossenschaft den Mitgliedern neue Chancen und Zielgruppen erschließt.

Diese Plattform solle die noch nicht beratenen steuerpflichtigen Privatpersonen bei der Erledigung ihrer einfachen Steuerfälle unterstützen und sie bei Bedarf schnell und einfach mit dem Expertenwissen der steuerlichen Berater in Verbindung bringen. Ziel sei es, dem Steuerpflichtigen nicht nur eine einfach handhabbare Lösung an die Hand zu geben, sondern ihn bei der Eingabe komplexerer Sachverhalte aktiv auf bestehende Beratungsmöglichkeiten hinzuweisen. »Statt steuerliche Berater zu verdrängen, wie andere Plattformen das womöglich machen würden, möchte Datev sie in den Mittelpunkt aller Überlegungen rücken«, so Meyer-Pries. Es geht also nicht um eine Ansprache der Mandanten der Steuerberater, üblicherweise sind das Unternehmen, sondern um die privaten Steuerzahler.

»Allerdings lässt die gegenwärtige Satzung der Datev ein Engagement für die Zielgruppe nicht beratener Privatpersonen nicht zu«, führt Meyer Pries aus. Damit die Genossenschaft die Pläne umsetzen kann, sei eine Satzungsänderung notwendig. Eine außerordentliche Vertreterversammlung habe im Februar über einen Änderungsvorschlag entschieden, der den Geschäftsbetrieb der Genossenschaft mit sonstigen Nichtmitgliedern regeln sollte. Der Antrag verfehlte mit rund 74 Prozent um drei Stimmen sehr knapp die nötige Dreiviertelmehrheit. »Der Datev-Vorstand versteht diesen großen Zuspruch als Auftrag, weiter für dieses zukunftssichernde Vorhaben zu werben und einen weiterentwickelten Vorschlag in der nächsten ordentlichen Vertreterversammlung zur Abstimmung zu bringen.«