Vier Betrüger in Haft: Fakeshop ausgehoben

Mit bis zu 25 Prozent Rabatt auf Smartphones und Tablets köderte der Fake-Shop »oneupyou.com« Kunden und verursachte über eine halbe Millionen Euro Schaden. Ende März hat die Polizei zugeschlagen. Vier Betrüger sitzen jetzt in Haft.

Betrug durch Fakeshops (Foto: weerapat1003 - Fotolia)

Im Sommer 2017 häuften sich beim Kriminalkommissariat der Polizei im Rhein-Sieg-Kreis Strafanzeigen gegen einen Fakeshop mit der Domain »oneupyou.com«. Aus dem ganzen Bundesgebiet gingen fast 800 Anzeigen mit einer Schadenssumme von über 300.000 Euro bei den Ermittlern ein. Viele Kunden hatten dort Elektronikartikel wie Smartphones oder Tablets mit hohen Rabatten gekauft, bezahlt und keine Ware erhalten. Die Ermittlungen ergaben, dass hinter dem Internetauftritt eine in Troisdorf registrierte Firma stand. Schnell stellte sich heraus, dass die Betreiber der Plattform alle in den Gewerbeanmeldungen angegeben Personalien gefälscht hatten. Das wurde der geprellten Kundschaft auch schnell klar. »Unter der Kundenhotline erreicht man nie jemanden! Ich sage Ihnen, dass das eine einzige Abzocke ist!«, schreibt Alexander S. auf der Website des Verbraucherschutzes. Nutzer Matthias fuhr sogar zur angegeben Adresse, um »Geld oder Ware« zu fordern, fand jedoch nichts weiter vor als einen »Briefkasten, voll mit Mahnungen«. Sein Resümee: »Ich bin auch reingefallen, aus Gier.«

Im September gründete das Kriminalkommissariat unter dem Namen »Edessa« eine Ermittlungsgruppe und identifizierte schließlich eine vierköpfige Tätergruppe im Alter von 38-53 Jahren. Die in Köln wohnhaften Männer mit türkischen Wurzeln hatten sich mit gefälschten griechischen Pässen eine falsche Identität zugelegt. Sie eröffneten mit den falschen Personalien Konten, nahmen Kredite, mieteten Räume an und gründeten Firmen. Bis zum jetzigen Zeitpunkt ist dadurch ein weiterer Schaden von über 200.000 Euro bekannt geworden. Anhand der Kontenauswertungen gehen die Ermittler davon aus, dass die Anzahl der Opfer und der Schaden durch den »Fake-Shop«, der auf Betreiben der Polizei umgehend aus dem Netz genommen wurde, deutlich höher ist. Möglicherweise gibt es weitere Geschädigte, die sich nicht bei der Polizei gemeldet haben.

Die Geschäftskonten der Firma wurden bereits im Spätsommer 2017 mit einem Gesamtkontostand von über 100.000 Euro gepfändet. Am Dienstag den 20. März 2018 schlugen Staatsanwaltschaft Bonn und Polizei dann zu. Zeitgleich wurden in den frühen Morgenstunden neun Wohnobjekte durchsucht, die Haftbefehle gegen die vier Haupttäter konnten vollstreckt werden. Neben der Festnahme waren die Ermittler auch an den Aufzeichnungen und Dokumenten zu dem »Fake-Shop« interessiert. Es wurden mehr als 80 Smartphones, Tablets, Computer und Datenträger als Beweismittel beschlagnahmt. Der beim Einsatz persönlich anwesende Staatsanwalt hatte Beschlüsse für einen sogenannten Vermögensarrest vorbereitet, womit die Vermögenswerte der Tatverdächtigen beschlagnahmt werden konnten. So wurde etwa ein Mercedes-SUV im Wert von rund 35.000 Euro sichergestellt. Zeitgleich wurden die Privatkonten der Beschuldigten gepfändet. Den vier Haupttätern wird zum jetzigen Ermittlungsstand schwerer bandenmäßiger Betrug in mindestens 781 Fällen vorgeworfen.