CRN-Interview zu gebrauchter Software: »Professionelle Beschaffungsstrukturen für den Gebrauchtmarkt«

Die MRM Distribution tritt an, um Resellern das Geschäft mit gebrauchter Software zu vereinfachen. Wie das gelingen soll und welche Hürden für Händler und Kunden im Markt lauern, beantworten Ronny Drexel und Christian Bedel, im Interview mit CRN.

Transparenzgebot

CRN: Inwieweit legt die MRM Ihren Fachhandelspartnern die Rechtekette offen?
Drexel: Mit Ausnahme des Namens des Ersterwerbers legen wir immer alles offen. Beim Kauf erhält der Fachhändler von uns neben Lieferschein und Rechnung auch ein Dokument der rechtskonformen Übertragung, eine vom Ersterwerber unterschriebene Vernichtungserklärung sowie die Kopien der originalen Konzernverträge zwischen Hersteller und Ersterwerber. Der Name des Ersterwerbers ist in allen Dokumenten geschwärzt und wird im Auditfalle nur dem Hersteller gegenüber offengelegt.

CRN: Empfehlen Sie die gleiche Transparenz auch ihren Partnern gegenüber deren Kunden?
Drexel: Wir empfehlen unseren Partnern nachdrücklich die Weitergabe der entsprechenden, nicht MRM- gebrandeten Dokumente an den Endkunden, denn darin enthalten sind weitere wichtige Angaben wie Datum, Land und Art der erstmaligen Inverkehrbringung, das ursprüngliche Lizenzmodell, Angaben zum Downgrade-Recht, der vermittelnde Händler zwischen Ersterwerber und Hersteller, die Agreement Number des originalen Vertrags sowie die Enrollment Number und natürlich der Installations-Key und dessen Art wie beispielsweise MAK oder KMS.
Die Installationsmedien stellen wir ausschließlich auf DVD zur Verfügung und nicht zum Download. Unsere Anwälte sind der Auffassung, dass diese Form der Bereitstellung nicht rechtens ist, insbesondere wenn die Quelle zum Download keine offizielle Plattform des Herstellers ist (z. B. das VLSC von Microsoft). Dies wurde auch seitens der Hersteller bestätigt.

CRN: Welche Argumente sprechen aus Ihrer Sicht für und gegen eine Offenlegung und was gehört dazu?
Drexel: Inwieweit Dokumente offengelegt werden müssen, obliegt der Auffassung der jeweiligen Rechtsberater. Wir sind der Meinung, dass eine Offenlegung rechtlich betrachtet nur im geringen Umfang notwendig ist. Die MRM legt die Dokumente offen, da wir nicht nur rechts- sondern auch herstellerkonform arbeiten möchten. Laut unseren Audit-Erfahrungen kam es Microsoft tatsächlich häufig auf die Erklärung der Unbrauchbarmachung des Ersterwerbers an.