CRN-Interview zu gebrauchter Software: »Professionelle Beschaffungsstrukturen für den Gebrauchtmarkt«

Die MRM Distribution tritt an, um Resellern das Geschäft mit gebrauchter Software zu vereinfachen. Wie das gelingen soll und welche Hürden für Händler und Kunden im Markt lauern, beantworten Ronny Drexel und Christian Bedel, im Interview mit CRN.

Aufwendige Prüfprozesse

CRN: Wie aufwendig ist es für die MRM, die Rechtmäßigkeit gebrauchter Softwarelizenzen zu überprüfen? Welche Schritte unternehmen Sie in dieser Hinsicht, um problematische Fälle wie den der kürzlich im deutschen Gebrauchthandel aufgetauchten rund 30.000 kanadischen Office-Lizenzen zu verhindern?
Bedel: Wie dieser Fall gezeigt hat, ist das alles andere als trivial. Deshalb wurde MRM als reine Distribution für den Handel mit gebrauchter Originalsoftware gegründet, um Kunden und Händlern ein Maximum an Sicherheit in Bezug auf die Einhaltung von Rechts- und Herstellervorgaben zu bieten. Als einer der wenigen Gebrauchtsoftwareanbieter werben wir mit der Offenlegung der Rechtekette, was einen gewissen Aufwand beim Ankauf unumgänglich macht.
Zur konsequenten Einhaltung unseres Versprechens prüfen wir akribisch, ob die Software beim Kauf durch den Ersterwerber für die Nutzung innerhalb des europäischen Wirtschaftsraums lizenziert wurde. Grund dafür ist der sogenannte Erschöpfungsgrundsatz, der laut EuGH und Bundesgerichtshof nur gilt, wenn Softwarelizenzen vom Hersteller erstmalig innerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums veräußert wurden.

CRN: Inwieweit können Sie mit diesem Aufwand ihren Fachhandelspartnern aufwendige Schritte wie die Überprüfung der vollständigen Rechtekette abnehmen, oder müssen diese nochmals für sich selbst alles nachprüfen?
Drexel: Das ist einer der größten Mehrwerte für unsere Partner. Die MRM gewährleistet, dass alle Unterlagen, die der Fachhandelspartner mit der Lieferung seiner Ware erhält, rechts- und herstellerkonform sind. Der Aufwand fällt auf der MRM-Seite an – das macht für unsere Partner den Handel mit gebrauchter Software genauso einfach wie den Handel mit neuen Lizenzen.
Denn genau genommen gibt der Partner einfach alle erhaltenen Dokumentationen eins zu eins an seinen Endkunden weiter, bis auf seinen Lieferschein und die Rechnung natürlich.

CRN: Übernehmen Sie damit auch das Risiko der Händler und ihrer Kunden im Falle von Audits?
Drexel: Für den Händler und deren Kunden besteht kein Risiko, da die MRM nach den aktuellen Vorgaben der Hersteller arbeitet. Wir schaffen damit die bestmöglichen Voraussetzungen, dass beispielsweise Microsoft im Auditfall die Lizenzen anerkennt. Darüber hinaus bieten wir dem Hersteller gegenüber volle Kooperation und legen gegebenenfalls weitere Nachweise offen.