Alibaba-Gründer und Englisch-Lehrer Jack Ma: Tiefe Brieftasche, aber flacher Geist

Auftritt wie Lady Gaga? Das kann Alibaba-CEO Jack Ma auch. Der einstige Schulversager und Multimilliardär kann aber auch Lanzen für ein Umdenken unserer Bildungssysteme brechen.

Alibaba-Gründer Jack Ma: »Wir müssen einzigartiges lehren, so dass wir von keiner Maschine eingeholt werden können«
(Foto: worldeconomicforum)

Kritik an der Schule ist so alt wie es Lehreinrichtungen gibt. Auf so manchen Gymnasien haben Schüler ihren Frust auf Wänden der Schultoilette dokumentiert und die berühmteste Feststellung des römischen Philosophen Seneca zitiert: »Nicht für das Leben, sondern für die Schule lernen wir«. Fehlerfrei deklamiert, freut dieser Sinnspruch höchstens noch den humanistisch gebildeten Lehrkörper, der im Digitalisierungszeitalter immer noch nicht darüber nachdenkt, ob ein Computer nicht doch der bessere Lehrer in Latein- und Altgriechisch wäre. »Der Weg wie wir lehren und was wir unseren Kinder lehren, sind Inhalte der letzten 200 Jahre«, sagte Jack Ma kürzlich auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos.

Jeder andere hätte mit seiner Kritik am Status quo heutiger Schulen gähnende Langeweile verbreitet, denn das Thema Bildungsnotstand haben Politiker und so mancher Verband mit ihren ritualisierten Plattitüden von jeglicher Brisanz befreit. Unternehmern wie dem 53-jährigen Ma, keine Leuchte in der Schule und dennoch Selfmade-Internetunternehmer geworden, hört man indes zu.

Als erster Festlandchinese brachte das Magazin Frobes den Bill Gates Chinas auf seine Titelseite. Der charismatische Gründer, der ohne technischen und ökonomischen Hintergrund den E-Commerce-Riesen Alibaba aus der Taufe hob, hat einen beeindruckenden Werdegang: Wenig schulbegabtes Kind aus einer chinesischen Musiker-Familie, fällt durch mehrere Aufnahmeprüfungen an der Uni in Hangzhou, die Harvard-Universität lehnt ihn zehn Mal ab, wird Englischlehrer, schreibt danach 30 erfolglose Jobbewerbungen und bleibt arbeitslos, gründet nach einem Besuch in der USA 1999 schließlich den E-Commerce-Riesen Alibaba und zählt vier Jahre nach dem Börsengang mit einem von Forbes geschätzten Vermögen von rund 28 Milliarden US-Dollar zu den 30 Reichsten der Welt.

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