Software in der öffentlichen Verwaltung: Open Source als Treiber der Digitalisierung

Während München sich von seinem einstigen Leuchtturmprojekt »LiMux« wieder verabschiedet hat, forcieren Unternehmen, andere Städte und auch ganze Bundesländer den Umstieg auf Open-Source-Software.

(Foto: duncanandison - Fotolia)

Als die bayrische Landeshauptstadt München sich 2003 auf der Suche nach einem Nachfolger für Windows NT unter anderem auch den Umstieg auf Open-Source-Software (OSS) als mögliche Alternative prüfte, galt schon alleine das als kleine Revolution. Umso mehr, nachdem sich die Verwaltung schlussendlich tatsächlich für diesen Weg entschied und dabei sogar Microsoft-Chef Steve Ballmer abblitzen ließ, der persönlich nach München gereist war, um den Verantwortlichen ins Gewissen zu reden und eine verbesserte Offerte zu machen. Seither galt »LiMux« als ein wichtiges OSS-Leuchtturmprojekt und fand selbst in internationalen Medien immer wieder Beachtung. Rund zehn Jahre später wurde auf dem LinuxTag feierlich die Fertigstellung verkündet.

Umso überraschender war es, dass die Stadt »die IT-Evolution« nur wenige Monate später komplett auf den Prüfstand stellte und sich inzwischen zu einer Rückkehr ins Microsoft-Ökosystem entschieden hat. Während der Leiter des internen IT-Dienstleisters it@M versicherte, neben den Kosten seien mit LiMux auch die Anzahl der Probleme und Beschwerden zurückgegangen, führten Stadträte und Mitarbeiter erhebliche Schwierigkeiten gegen die OSS-Lösungen ins Feld. Ob und inwieweit diese Schwierigkeiten tatsächlich über das in einer so großen Verwaltung übliche Maß hinausgingen, kann von außen nicht beurteilt werden. Immer wieder wird zudem aus Kreisen der Stadt kolportiert, die Entscheidung Microsofts, seine neue Deutschlandzentrale wieder in München zu errichten, habe ebenfalls eine wichtige Rolle gespielt.

Die Schätzungen für die Mehrkosten der Rolle rückwärts reichen von etwa 20 bis 90 Millionen Euro in den nächsten 10 Jahren. Viel dramatischer ist allerdings die technologische Auswirkung. Denn im Ergebnis kehrt München damit Open-Source-Software just in einem Moment den Rücken, an dem sie gesellschaftsfähig und zu einem wichtigen Baustein der allseits beschworenen Digitalisierung wird. So verspielt die Stadt auf einen Schlag ihren hart erarbeiteten strategischen Vorteil wieder.

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