Nachholbedarf in Deutschland: »Mangel an Verständnis rund um die Cloud«

Wolfgang Ebermann von Insight erklärt im Interview mit CRN, welche Rolle den IT-Abteilungen beim Gang in die Cloud zukommt.

Wolfgang Ebermann, President EMEA bei Insight
(Foto: CRN)

Insight ist ein weltweit agierendes Fortune-500-Unternehmen, ein IT-Dienstleister, der seit über 25 Jahren am Markt ist und 2016 einen Umsatz von über fünf Milliarden Dollar erwirtschaftete. Ziel des Unternehmens ist es, Firmenkunden bei ihrem IT-Einkauf rund um Hardware und Software zu begleiten, zu unterstützen, aber auch mit neuen intelligenten IT-Lösungen dazu beizutragen, dass mit Hilfe von IT der Unternehmenserfolg in der Zukunft gesichert werden kann. Dabei liegt der Fokus klar auf der Cloud. Wolfgang Ebermann, President EMEA bei Insight, betont im Gespräch mit CRN, dass IT die strategische Grundlage für den Unternehmenserfolg darstellt. Hier sieht er in Deutschland Nachholbedarf: »Aus europäischer Sicht sind Märkte wie England, die nordischen Länder und Holland viel schneller bei der Cloud-Adaption als der deutsche Markt.«

Ebermann führt dafür als Gründe Unsicherheit und in Teilbereichen einen Mangel an Expertise und Verständnis rund um das Thema Cloud an. Den IT-Abteilungen komme dabei eine entscheidende Rolle zu. Sie hätten oft den Status »ihr seid die Fachexperten, ihr managt die IT«. Diese IT-Fachexperten sehen für
sich ein Risiko in der Cloud, so Ebermann. »Es gibt deshalb Tendenzen, dass die Verantwortlichen der Businessbereiche IT-Entscheidungen treffen und Entscheidungen rund um die Cloud außerhalb der IT-Abteilungen getroffen werden.« Der IT-Leiter müsse deshalb künftig eine andere Rolle einnehmen: nicht als Verteidiger des Status Quo, sondern auch als eine Art Berater, wie mit Hilfe von IT Innovation im Unternehmen vorangetrieben und Agilität sichergestellt werden könne. »Häufig wird IT als Kostenfaktor und nicht als strategisches Asset gesehen. Über 80 Prozent des IT-Budgets werden dafür verwendet, die bestehende IT am Laufen zu halten. Da stimmt das Verhältnis nicht«, führt Ebermann aus.
Für Unternehmen sei es entscheidend, jetzt die richtigen Weichen zu stellen und die strategische Roadmap für IT auf Geschätfsführungsebene zu definieren. Insight bietet Cloud Discovery Workshops, um die Situation im Unternehmen mit Verantwortlichen zu analysieren. Den Trend zur Multi Cloud sieht Ebermann skeptisch: »Unternehmen laufen Gefahr, Inseln zu bilden, die nicht miteinander kommunizieren und sich nicht integrieren lassen, vor allem wenn diese Entscheidungen nicht in Abstimmung mit IT erfolgen.«

Markus Horschig, Senior Manager LCS Germany bei Insight, sieht im Hinblick auf die kommende europäische Datenschutzverordnung – auch als GDPR bekannt – Handlungsbedarf. »Viele Unternehmen ruhen sich auf dem Bundesdatenschutzgesetz aus. Habt ihr einen Datenschutz-Offizier? Ja, der ist zweimal die Woche da. Das geht nicht.« Die nötigen Reaktionszeiten seien ganz andere. Das Datensubjekt müsse bei einem Datenverlust sofort informiert werden, die Behörden in 72 Stunden. »Das ist in Deutschland genau umgekehrt. Ich muss die Behörde in 24 Stunden informieren, das Datensubjekt erst, nachdem die Lücke geschlossen ist.« Als Teil des Problems sieht Horschig die deutsche Gesetzgebung. »Wenn ich im Unternehmen überprüfen will, wo meine Daten hingehen, dann muss ich den Betriebsrat miteinbeziehen.«

Horschig berichtet von Unternehmen, die glauben, sie seien sicher: »Hier verlassen die Daten nicht das Haus« – und nebenan steht die Tür zum Rechenzentrum offen. Das führe auch zunehmend zu Problemen mit den Versicherungen. »Für uns IT-Unternehmen ist die GDPR super, die Leute werden gezwungen, sich mit der Technik auseinanderzusetzen, gerade auf dem Weg in die Cloud«, so Horschig weiter. Insight bietet in diesem Zusammenhang Discovery Workshop an, um die Frage zu beantworten: Weiß das Unternehmen, wo die Daten liegen? Im Hinblick auf den Stichtag 25. Mai 2018 ist Horschig pessimistisch. »Realistisch gesehen ist es nicht möglich, das in der verbleibenden Zeit noch richtig sicher umzubauen. Das werden viele Unter-nehmen nicht schaffen.«