Zwischen Elektroantrieb und PS-Monster: IAA: Leitmesse der ­Autobranche am Scheideweg

Im Angesicht des Dieselskandals und drohender Fahrverbote in deutschen Großstädten propagiert die Autoindustrie auf der IAA in Frankfurt die Elektromobilität. Doch die eigentlichen Stars bleiben PS-Monster und SUVs für die Großstadt. Damit könnte sich die IAA selbst abschaffen.

(Foto: IAA)

Welche Spuren der Dieselskandal bei der Automobilindustrie weltweit hinterlassen hat, wird aktuell auf der in Frankfurt stattfindenden IAA deutlich. Zum ersten Mal stehen auf der Automesse alternative Antriebe und autonomes Fahren statt hochgezüchteter Motorentechnik im Fokus — das will uns zumindest die Branche weismachen. VW-Chef Matthias Müller kündigte an, bis 2030 für jedes der 300 Modelle des Konzerns eine elektrifizierte Variante anbieten zu wollen, Mercedes-Boss Zetsche will die Tochtermarke Smart in Nordamerika und Europa bis 2020 vollständig elektrifizieren, BMW zeigte auf der IAA das Elektro-Coupé i-Vision mit 600 Kilometern Reichweite. Gleichzeitig hagelt es aber auch Kritik vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) an den Auftritten der Autobauer: von einer »schizophrenen« Veranstaltung sprach der VCD-Experte Gerd Lottsiepen. Trotz der werbewirksamen Versprechen seien immer noch SUVs und Sportwagen die eigentlichen Stars an den Messeständen. Der Experte wirft VW und Co mangelnde Konsequenz in der Neuausrichtung vor.

Tatsächlich darf ernsthaft bezweifelt werden, ob die IAA die glaubwürdige Trendwende zur Leitmesse einer grünen Mobilität durchziehen kann. Dafür spricht nicht nur das doppelzüngige Auftreten vieler Fertiger, die Messeverantwortlichen sollten sich vor allem Sorgen darum machen, mit Tesla den aktuellen Vorreiter alternativer Antriebskonzepte nicht in ihren Hallen begrüßen zu können. Dieser sagte mit der Begründung ab: »Wir bewerten jedes Event, um den besten Weg zur Interaktion mit unseren Kunden zu finden.« Weniger diplomatisch könnte man sagen: die IAA ist einfach nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Kann man bei Tesla noch als Ausrede gelten lassen, dass der Exzentriker Elon Musk einfach kein Typ für klassische Messen ist und sein Unternehmern auch ohne IAA kaum die hohe Nachfrage nach seinen Teslas bedienen kann. Doch nicht nur die Amerikaner haben die Teilnahme in diesem Jahr abgesagt, auch langjährige Dauergäste wie Nissan, Alfa Romeo, Fiat, Mitsubishi, Peugeot und Volvo verzichten auf einen IAA-Auftritt in diesem Jahr. Vor allem die Absage der Schweden ist ein weiteres schwerwiegendes Indiz, dass die Automesse mit ihrem Konzept vielleicht nicht mehr in die aktuelle Zeit passt. Das Unternehmen will bereits ab dem Jahr 2019 komplett auf Elektromotoren oder zumindest Hybrid-Konzepte umstellen und ist bereit, für ein nachhaltiges Zukunftskonzept auch ein erhebliches Risiko einzugehen. Anders die deutschen Autohersteller, die trotz der drohenden Fahrverbote und Milliardenstrafen in Übersee nicht nur am Verbrennungsmotor, sondern sogar am Diesel festhalten wollen. Bis auf die Grünen spielt die Politik mit, schließlich hängen an der Branche zigtausende Jobs, auch bei mittelständischen Zulieferern. Für die IAA könnte dieses Festhalten an alten und vielleicht überholten Erfolgskonzepten fatal sein. Schließlich gehen auch schon Audi, Mercedes und BMW auf Messen wie die CES in Las Vegas, um dort ebenfalls ihre Neuerungen zu präsentieren — zur CES in Las Vegas kommt übrigens auch Tesla.