Volatiles Wachstum durch Teilung: Bitcoin: Spekulationsobjekt statt Zahlungsmittel

Die Aufspaltung des Bitcoin zeigt, die Kryptowährung ist längst zum überbewerteten Spekulationsobjekt geworden. Die Kurszuwächse zeugen von einem Hype, der sich immer mehr selbst beschleunigt. Irgendwann wird aber auch diese Blase platzen.

(Foto: ulchik74 - Fotolia.com)

Mit dem Bitcoin verhält es sich ein bisschen wie mit der Apple-Aktie: Hätte man nur früh genug in die Kryptowährung investiert, müsste man heute nicht mehr arbeiten. Doch jeder, der sich über die verpasste Chance ärgert, sollte nicht mit seinem Schicksal hadern, denn schlimmer geht es immer — auch bei Kryptowährungen. Legendär ist die Pizza-Bestellung des Software-Entwicklers Laszlo Hanyecz, der damals für 30 Dollar Pizza bestellte und in Bitcoins zahlte. Diese Bestellung ist sieben Jahre später über 40 Millionen Dollar wert. Wer die tägliche Wertsteigerung der Fast-Food-Bestellung nachverfolgen will, kann bei Twitter dem Account @bitcoin_pizza folgen.

Im Gegensatz zu Apple-Papieren stecken aber keine realen Werte hinter Kryptowährungen. Vielmehr sind sie zum Spielball von Spekulanten geworden, die aktuellen Kurssteigerungen sind von der ihnen zugedachten Funktion — schnelle, anonyme und unkomplizierte Bezahlung im Web — vollkommen abgekoppelt. Die Aufspaltung des Bitcoins hat daran nichts geändert, im Gegenteil: Die Spirale der Wertsteigerung dreht sich schneller als je zuvor. Der Grundgedanke hinter der nun erfolgten Abspaltung der neuen Währung »Bitcoin Cash« vom Bitcoin ist eigentlich nachvollziehbar. Mit dem Schritt soll ein Flaschenhals im Bitcoin-Code beseitigt werden — die Blockgröße.

In den Block eines jeden Bitcoins werden sämtliche Transaktionen, die das jeweilige virtuelle Geldstück durchlaufen hat, eingetragen. Da der Code des originalen Bitcoins allerdings nur ein Megabyte groß ist, wird immer mehr Rechenleistung benötigt, um diese Blockchain auf so kleinem Raum zu komprimieren. Inzwischen muss man entweder lange (bis zu 24 Stunden) warten, bis die neue Information in den Bitcoin eingetragen wurde, oder man zahlt viel Geld für potente Hardware, die diese Aufgabe schnell erledigt. Egal wie, praktikabel ist anders.

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Kommentare (1) Alle Kommentare

Antwort von Michael McLord , 18:45 Uhr

Bitcoins sind keine Aktien, sondern eine digitale Währung. Der Vergleich zu Apple-Papieren ist insofern irreführend. Besser wäre ein Vergleich zu klassischen Währungen wie Dollar oder Euro.

Und dann wird ganz schnell klar: Auch hinter unserem Fiat-Geldsystem stehen keine realen Werte mehr - spätestens seit 1970, als die Golddeckung des Dollars durch Präsident Nixon ersatzlos aufgehoben wurde. Das Papier eines 100 Dollar-Scheins ist keine 100 Dollar wert, sondern allein das Vertrauen darauf, dass man jederzeit für das Stück Papier reale Waren im entsprechenden Gegenwert erhalten kann. Das ist bei Bitcoin im Grundsatz genauso - nur ohne Papier.

Die Darstellung der Blockchain in dem Artikel ist leider schlicht falsch.

Weder ist der Code eines Bitcoins 1 Megabyte groß, noch gibt es pro Bitcoin je einen Block, der alle Transaktionen eines bestimmten Bitcoins enthält. Die Größe der Blockchain aller jemals durchgeführten Bitcoin Transaktionen wächst ständig. Kompression ist dabei aber nicht das Problem, denn es müssen gar nicht immer mehr Transaktionen in 1 MB gespeichert werden, die Menge bleibt gleich.

Die Blockchain ist eine chronologische Aneinanderreihung aller jemals durchgeführten Transaktionen. Die jeweils letzten Transaktionen werden zu Blöcken zusammengefasst und in einem aufwendigen Prozess verschlüsselt. Für diese Verschlüsselung ist leistungsstarke/spezialisierte Hardware nötig, aber natürlich nicht beim Bitcoin-Besitzer, sondern bei den "Minern". Eine einzelne Transaktion kann daher auch durch "potente Hardware für viel Geld" nicht beschleunigt werden.

Die Dauer bis zur Bestätigung einer Transaktion hängt von der Zahl der aktuell stattfindenen Aktionen statt, je mehr Transaktionen gerade stattfinden, desto schneller müssten auch neue Blöcke errechnet werden. Problematisch ist die Entwicklung deshalb, weil die Zahl der Transaktionen schneller steigt, als die Zahl der Miner, wodurch die Performance des Gesamtsystems sinkt.

Vergrößert man nun die Blockgröße (wie gerade bei Bitcoin durch SegWit2x geschehen von 1MB auf 2MB), müssen entsprechend weniger Blöcke neu berechnet werden und somit vergeht weniger Zeit bis zur Bestätigung einer Transaktion. In der Regel dauert dies nur wenige Minuten.

Der Startwert jedes neuen Blocks ist der Verschlüsselungs-Hashwert des vorangegangenen Blocks, so dass niemand einzelne Transaktionen nachträglich ändern kann, ohne die gesamte Blockchain von Anfang bis Ende ändern zu müssen! Da die gesamte Blockchain dezentral auf tausenden (teils Privat-)Rechnern gespeichert ist, gilt die Technologie als sehr manipulationssicher.

Irreführend ist auch die Darstellung zu Bitcoin CASH. Bitcoin CASH (BCC) basiert auf einem in mehreren Punkte veränderten Algorhythmus, u.a. mit einer Blockgröße von 8MB, und hat bei der Abspaltung nicht den Wert des Bitcoins (BTC) übernommen, sondern ist mit 150 Euro gestartet. Zu diesem Zeitpunkt kostete ein BTC über 2300 Euro und ist danach kurzzeitig auf 1700 Euro gefallen. Die Behauptung, Bitcoin Besitzer hätten ihre Einlagen durch den HardFork verdoppelt, ist daher Unsinn. An dieser Stelle hätte ein Blick zum Aktienmarkt tatsächlich Sinn gemacht: Bei einem Aktiensplit ist ein Depot auch nicht über Nacht doppelt so viel wert.

Insgesamt ist der Artikel aufgrund der großen Anzahl fachlicher Fehler sehr ärgerlich.