CRN-Interview mit Stefan Sigg von der Software AG: »Kollaborative Methoden haben Hochkonjunktur«

Stefan Sigg, Chief R&D Officer bei der Software AG, betont, wie wichtig Zusammenarbeit und Agilität bei der Software-Entwicklung sind.

Stefan Sigg, Chief R&D Officer bei der Software AG
(Foto: Software AG)

CRN: Was sind aktuelle Trends in der Software-Entwicklung?

Stefan Sigg: Die aktuellen Trends in der Software-Entwicklung werden insbesondere durch die Herausforderungen der Digitalen Transformation mitbestimmt. Viele Unternehmen sehen neue Möglichkeiten für datengetriebene Geschäftsmodelle auf der Basis von neu gewonnenen Datenströmen, die durch Sensoren, Online-Nutzung oder andere digitale Kanäle gespeist werden. Man spricht von digitalen Gütern oder „digitalem Öl“, das es mit Software-Mitteln zu finden, zu fördern und zu veredeln gilt. Somit rücken Entwicklungsmethoden aus den Bereichen Daten-Management und –Integration in den Mittelpunkt des Interesses. Projekte in den Gebieten Industrie 4.0 und Internet der Dinge (IoT) stehen im Fokus von neuen Softwarepraktiken in Firmen, die bisher nur die klassische IT als Back Office-Abteilung kannten. Gesucht werden Experten mit Fähigkeiten in den Bereichen Middleware, Prozess-Management, API-Management, Analytics und Artificial Intelligence/Machine Learning, die sowohl Erfahrungen mit entsprechenden Werkzeugen im Markt als auch ausgeprägte Softwareentwicklungs-Skills mitbringen.

CRN: Wie wichtig ist Collaboration bei der Software-Entwicklung?

Sigg: Sehr wichtig – Digitalisierungsprojekte sind typischerweise interdisziplinär. So treffen zum Beispiel Informatiker, Mathematiker, Ingenieure und Betriebswirte in einem Projekt aufeinander. Hinzu kommt, dass es in diesem Umfeld noch sehr große Unsicherheiten gibt, wie die gesuchte Lösung genau aussehen soll. Eine Standardisierung, wie dies etwa im Rechnungswesen möglich war, scheint kaum möglich - zumal die Unternehmen gerade hier massive Differenzierungspotenziale sehen. Kollaborative Methoden wie z.B. Desgin Thinking haben Hochkonjunktur. Es ist offensichtlich, dass die Kommunikation unter den verschiedenen Kow-how-Trägern absolut zentral für erfolgreiche Ergebnisse ist.

CRN: Ist Agilität immernoch aktuell?

Sigg: Ja, die agile Methodik ist nach wie vor „best practice“. Scrum und Kanban wurde von Praktikern für Praktiker entworfen, das merkt man der Vorgehensweise an. Gefährlich wird es nur dann, wenn versucht wird, agile Methoden wieder in kasuistische Prozesse zu pressen, wenn also ein kontroll-orientierter Überbau hinzugefügt wird.

CRN: Welche Rolle spielt die Cloud für die Software-Entwicklung?

Die Cloud ist absolut zentral. Heute wird jede neue Software unter der Leitlinie Cloud und ‚mobile first‘ entwickelt, denn auch die Softwareprodukt-Nachfrage geht mit hohem Tempo in diese Richtung.

CRN: Entwickeln Unternehmen nur noch die Lösungen selbst, die ein Alleinstellungsmerkmal bedeuten?

Sigg: Tendenziell ja. Das bedeutet aber nicht, dass diese Lösungen wirklich auch zu 100 Prozent selbst entwickelt werden. Niemand fängt bei Null an, wenn es wichtige Komponenten am Markt bereits gibt, mit deren Nutzung die Entwicklung deutlich schneller und professioneller geht. Auch hier gilt in vielen Fällen eine 80/20-Regel: 80 Prozent der Lösung besteht aus fertigen Bausteinen, und 20 Prozent ist individueller Code. Moderne Middleware-Produkte erleben hier eine Renaissance.

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