CRN-Interview mit Swantje Schulze von Oracle: »Das Cloud-Geschäft wächst und wächst«

Im Interview mit CRN erklärt Dr. Swantje Schulze, Channel-Chefin bei Oracle, warum das Cloud-Geschäft boomt und warum Datenbanken und Hardware noch immer wichtige Geschäftssegmente sind.

Swantje Schulze, Director Alliances & Channels bei Oracle
(Foto: CRN)

CRN: Vor einigen Jahren hat man beim Namen Oracle zuerst an Datenbanken gedacht. Ist das Datenbankgeschäft noch relevant?

Swantje Schulze: Datenbanken sind nach wie vor wie man so schön sagt unser »One Trick Pony«. Damit sind wir groß geworden. Wir haben eine große »Installed Base« am Markt und sind bei vielen namhaften Kunden damit vertreten. Wenn man sich heutzutage ankuckt, wie die Datenentwicklung ist, dann wird das Thema Datenbanken nicht weniger wichtig, sondern immer wichtiger.

CRN: Was waren in den vergangenen Jahren die wichtigsten technischen Entwicklungen in diesem Bereich?

Schulze: Wir haben in unserem Portfolio jede Art von Datenbanken, seien es relationale Datenbanken oder jetzt auch In Memory-Technik. Wichtige Fortschritte für uns waren der Schritt mit den Daten in die Cloud. Dazu Big Data und Data Analytics, damit ich als Kunde mit den Daten auch etwas anfangen kann, damit ich Vorhersagen machen und die richtigen Entscheidungen treffen kann.

CRN: Warum hält Oracle trotz sinkender Umsätze am Hardwaregeschäft fest?

Schulze: Um unseren englischen Slogan zu bringen: »Oracle runs best on Oracle«. Unsere Systeme sind so aufeinander abgestimmt, dass die Performance damit maximal ist. Ein weiterer Grund ist: ohne Rechenbasis geht nichts. Wir brauchen das natürlich nicht nur, wenn wir Hardware verkaufen, wir brauchen das auch in der Cloud-Welt. Wir bieten ja Infrastruktur als Service an – IaaS –, da ist es für uns günstig, wenn wir da unsere eigene Hardware wieder nutzen und selber managen können. Wir haben in dem Segment übrigens auch Produktbereiche, die immer noch gute Wachstumszahlen haben.

CRN: Die letzten Quartalszahlen waren dank des Cloud-Geschäfts gut. Hat die Übernahme von Netsuite im Juli vergangenen Jahres dabei eine Rolle gespielt?

Schulze: Für die gesamte Cloud-Entwicklung war das mehr oder weniger egal. Wir haben ja verschiedene Cloud-Sparten: Wir haben IaaS, wir haben PaaS, Platform as a service, da gehört Netsuite auch nicht rein. Wir stecken sehr viel Geld in die Entwicklung, um das gesamte Portfolio in die Cloud zu bringen. Und es wächst und wächst. Wenn ich nur das ERP-Segment und nur die Anzahl der Neukunden ankucke, dann haben wir aus eigener Kraft 564 neue Kunden geschafft. Im Bereich ERP haben wir zusammen mit Netsuite eine Gesamtkundenbasis von 3.700.

CRN: Geht Oracle weiterhin konsequent in die Cloud? Was sagen Sie skeptischen Kunden und Partnern, warum das der richtige Weg ist?

Schulze: Ich möchte es anders formulieren. Dass der Weg in die Cloud unabdingbar ist, haben inzwischen fast alle Kunden begriffen. Wenn die Kunden innovativ und effektiv sein wollen, agil wie man so schön sagt, dann brauchen sie eine extrem flexible IT. Und das bietet die Cloud unvergleichlich besser als das klassische On-Premise-Geschäft. Wenn ich zu meinem Hoster gehe und sage, ich möchte jetzt mal eben die Rechenkapazität verdoppeln, dann dauert das Monate. Wenn ich das in der Cloud mache, ist das auf Knopfdruck möglich. Diesen Vorteil erkennen die Kunden, das brauchen wir denen nicht mehr zu vermitteln. Die Frage könnte eher lauten, wie überzeugen wir unsere Kunden, dass sie das mit uns machen.

CRN: Ein Hype-Thema ist IoT, was auch auf der CeBIT zu sehen war. Wie sieht die IoT-Strategie von Oracle aus?

Schulze: IoT erkennen wir als Super-Trend an. Wir haben dazu ein umfassendes Portfolio, das ist bei uns weitestgehend im Bereich Middleware angesiedelt. Zum Thema IoT gehören ja auch mobile Applikationen aber auch Machine to Machine-Kommunikation.

CRN: Im IaaS-Markt ist AWS ein großer Konkurrent. Was unternimmt Oracle, um in diesem Segment erfolgreich zu sein?

Schulze: Besser sein als AWS. Accenture hat ein Whitepaper veröffentlicht, in dem sie uns mit einem führenden Mitbewerber verglichen haben hinsichtlich Kosten und Performance. Das Ergebnis ist, wir sind deutlich billiger und deutlich schneller. Wir sind natürlich am allerschnellsten, wenn unsere Datenbank auf unserer Hardware läuft. Wir sind aber auch schneller, wenn eine Fremd-Datenbank auf unserer Infrastruktur as a Service läuft.

CRN: Ist der Übergang von On Premise in die Cloud oft noch holprig?

Schulze: Jedes Migrationsprojekt in der IT ist dienstleistungsaufwendig. Und dafür brauchen wir unbedingt unsere Partner. Auf jeden Dollar, den wir als Cloud-Service verkaufen, kommen nochmal bis zu 10 Dollar an Dienstleistungsgeschäft für Migration und Betrieb. Ist das holprig? Muss es nicht sein, das ist einfach projektbedingt.

CRN: Welche anderen IT-Trends sehen Sie auf uns zukommen?

Schulze: Ich denke mal die großen Trends, also die Big Bets, sind Security nach wie vor, Cloud, Big Data und Analytics und IoT. Mobility ist auch ein ganz wichtiger Trend, das ist ein riesiger Markt. Zum Thema Sicherheit: 57 der Befragten CIOs einer neuen Bitkom-Sudie denken, ihre Daten sind sicher in der Cloud. Das hat in Deutschland eine Trendwende genommen. Nur 4 Prozent sagen, sie haben deutliche Bedenken.

CRN: Gibt es hinsichtlich Partnerprogramm und Channel-Aktivitäten Berichtenswertes von Oracle?

Schulze: Wir haben sehr viele Programme für unsere Partner aufgesetzt. So beschwerlich der Weg der Transformation für die Endkunden ist, so ist das ja für uns und unsere Partner auch. Wir brauchen unsere Partner definitiv, um erfolgreich zu sein. Deshalb setzten wir relativ viele Trainings auf, die zum Teil unsere Mitarbeiter genauso bekommen wie unsere Partner. In Deutschland hat Oracle 1.300 Partner, weltweit sind es 25.000.

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Kommentare (1) Alle Kommentare

Antwort von Carlos , 16:15 Uhr

Oracle lebt in seiner eigenen Welt und sieht gar nicht, dass sie dieses Geschäft gar nicht mehr aufholen können! Strukturen, Management, Produkte und Mitarbeieter sind weit weg von cloud-ready zu sein! Auch Partnerschaften, wie in der Cloudwelt üblich, verwehrt sich Oracle. Gleichzeitig sehen die Kunden, durch die Cloudmigration endlich weg von Oracle und den Knebelverträgen zu kommen. In einigen Jahren wird man über Oracle wie heute über Nokia reden!