WC 4.0: Sogar die Toilette der Zukunft ist intelligent

Mit der Einführung der smarten Toilette sorgt die Sanitärindustrie dafür, dass künftig auch auf dem bislang letzten stillen Rückzugsörtchen WLAN, Apps und umfassende Datenanalysen Einzug halten.

(Foto: Microgen - Fotolia)

Wer zu den extrem körperbewussten Selbstoptimierern gehört, die sich prophylaktisch vor Kuhmilch schützen (»Meinen Chai Latte bitte mit Sojamilch!«), unter vermeintlicher Weizen-Unverträglichkeit leiden (»Ich nehm den glutenfreien Veggie-Burger!«) und aus Angst vor UV-Strahlung auch bei völliger Dunkelheit zur Tagespflege mit Lichtschutzfaktor 50 greifen, für den hält die bislang unverdächtige Firma Duravit eine Innovation bereit, die für den Alltag unverzichtbar werden dürfte: das weltweit erste App-gesteuerte WC mit automatischer Urin-Analyse, die intelligente Toilette der Zukunft. In einem grotesk umständlichen Verfahren, in das Kartuschen, destilliertes Wasser und hunderte Teststreifen am WC-Beckenboden involviert sind, scannt ein Sensor Daten, die per »BioTracer-App« drahtlos und passwortgeschützt an das Nutzer-Smartphone übertragen werden. Einzig, um Gesundheit und Wohlbefinden des Datenzugangsberechtigten zu fördern?

Von wegen! Die Ergebnisse der Urin-Analyse könnten den hypochondrischen User, der noch die Daten von WLAN-¬Waage, Pulsmesser und Schlafsensor interpretieren muss, vollends in die Depression stürzen: Keton Norm negativ, ph-Wert 186, Bilirubin über 800 mg/cl, Erythrozyten-Titer weit über dem messbaren Bereich, Kohlendioxid 10 µg/m³, bindegewebsfreies Fleischeiweiß histometrisch über 65 Volumen-Prozent, Spin-Bahn-Aufspaltung auffällig unter 10 µm – mit einem Wort: Die Situation ist todernst.

Glücklich, wer da die kostenpflichtige »PipiTherap-App« besitzt – sie allein gibt dem verstörten Biesler Auskunft über die einzig wirkungsvolle Therapie: täglich frische Kuhmilch, zwei Scheiben Bauernbrot und – wann immer möglich – Wasser lassen ohne Internet-Anbindung.