App-Anbieter unter Zugzwang: Apple plant das Aus für 32-Bit-Apps

Mit dem Sprung auf iOS 11 will Apple die Unterstützung für 32-Bit-Apps im Herbst wohl endgültig kappen. Aktuell würden damit rund 200.000 Apps unbrauchbar.

(Foto: Matthias Buehner - Fotolia)

Knapp vier Jahre nachdem Apple im iPhone 5S erstmals ein Smartphone mit einem 64-Bit-Prozessor auf den Markt gebracht hat, will das Unternehmen jetzt offenbar auch im Betriebssystem den kompletten Schwenk auf den neuen Architektur-Standard vollziehen. Laut mehreren amerikanischen Medien wie Mashable plant Apple mit der nächsten iOS-Version 11 nur noch 64-Bit-Apps zu unterstützen. Auch die ersten Beta-Versionen sollen demnach bereits beim Aufruf alter 32-Bit-Apps warnen, dass diese künftig nicht mehr funktionieren werden. Ähnliche Warnungen gibt es auch bereits im aktuellen iOS 10. Somit würden nach dem im Herbst erscheinenden Update alle bis dahin noch nicht umgestellten 32-Bit-Apps dann auf den Geräten mit iOS 11 nicht mehr funktionieren. Einzelheiten zum neuen iOS und einem möglichen Ende für 32-Bit-Software will Apple auf seiner weltweiten Entwicklerkonferenz Anfang Juni bekannt geben.

Für viele Anbieter dürfte die Tatsache, dass Apple beim Abschied von 32-Bit-Apps nun offenbar Ernst macht, ein einigermaßen erschreckender Weckruf sein. Denn noch immer haben viele Anbieter ihre Apps nicht umgestellt. Das Marktforschungsunternehmen Sensor Tower hat im App Store aktuell alleine rund 187.000 32-Bit-Apps gezählt, die noch vor dem iPhone 5s erschienen sind und seither nicht upgedatet wurden. Dazu kommen weitere Anwendungen, die auch nach dem Launch des ersten 64-Bit-iPhones noch in 32-Bit erstellt wurden, um beispielsweise die Kompatibilität mit älteren Geräten sicherzustellen. Apple verlangt erst seit Sommer 2015 von neuen Apps und Updates zwingend die Unterstützung für 64-Bit-Prozessoren. Insgesamt müssen somit fast zehn Prozent der App-Landschaft noch für die Zusammenarbeit mit 64-Bit-CPUs fit gemacht werden, wenn sie nicht bald obsolet werden sollen.

Die Abschaffung der Kompatibilitäts-Layer für 32-Bit-Apps hätte für Apple gleich zwei Vorteile. Zum Einen kann iOS damit wieder ein gutes Stückchen verschlankt werden. Gleichzeitig erhöht der Schritt den Druck auf Kunden mit alten 32-Bit-Geräten, die meist sowieso schon nicht mehr von aktuellen iOS-Updates profitieren, sich endlich ein neueres Smartphone zu kaufen. Auf Kundeseite sieht es etwas anders aus. Die meisten Smartphone-Apps brauchen die zusätzliche Rechenleistung nicht wirklich. Lediglich sehr rechenintensive Anwendungen wie Games und Grafikprogramme profitieren spürbar vom Schritt auf 64 Bit.